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15.12.2011

13:20 Uhr

Manager-Umfrage

Der Euro-Zone droht eine Rezession

Die Schuldenkrise setzt den Staaten der Euro-Zone weiter zu: Den vierten Monat in Folge ist ihre Wirtschaft laut Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts geschrumpft. Damit steht die Euro-Zone vor einer Rezession.

Die Euro-Zone droht in die Rezession zu rutschen. dpa

Die Euro-Zone droht in die Rezession zu rutschen.

BerlinRezession in der Euro-Zone, Stagnation in Deutschland, Abkühlung in China: In vielen Regionen der Welt schwächt sich die Wirtschaft ab, allerdings in unterschiedlichem Tempo. Darauf deuten die am Donnerstag veröffentlichten Umfragen unter Managern von Tausenden Unternehmen hin. Besonders schlecht steht es demnach um die von der Schuldenkrise geplagten Euro-Zone. „Nach unseren Berechnungen dürfte die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2011 um 0,6 Prozent schrumpfen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson

Der von seinem Institut ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft der Euro-Zone blieb trotz eines leichten Anstiegs auf 47,9 Punkte den vierten Monat in Folge unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Wegen sinkender Aufträge, pessimistischer Geschäftsaussichten und der hartnäckigen Misere in den Euro-Peripherieländern schließt Williamson ein weiteres Minus-Quartal nicht aus. Besonders schlecht steht die Industrie da, deren Produktion ebenso wie die Aufträge bereits den fünften Monat in Folge schrumpfte.

„Die Konjunkturaussichten sind mit hoher Unsicherheit belastet“, warnte der Präsident der Europäische Zentralbank (EZB), Mario Draghi. „Sie sind sogar unsicherer als vor einem Monat.“ Die Spannungen am Finanzmarkt belasteten die Realwirtschaft. Die EZB hatte ihren Leitzins im Dezember auf das Rekordtief von einem Prozent gesenkt, um die Wirtschaft mit billigem Geld anzuschieben. Analysten werteten es aber als gutes Zeichen, dass der vielbeachtete Stimmungsindikator entgegen den Markterwartungen gestiegen ist. „Zwar befinden wir uns aktuell in einer Schwächephase, in deren Zusammenhang wir auch eine leichte Rezession im Euroraum erwarten“, sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich. „Doch die auf breiter Front verbesserte Stimmungslage in den Unternehmen werten wir als Zeichen, dass die Konjunktur im Frühjahr wieder an Dynamik gewinnt.“

Deutschland steht im Vergleich zu vielen Nachbarn noch gut da. Dafür sorgen vor allem die Dienstleister. Während die Industrie im Dezember weiter schwächelte, wuchsen die Geschäfte im Service-Sektor so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft kletterte dadurch um 1,9 auf 51,3 Punkte. Das war der stärkste Anstieg seit mehr als einem Jahr. „Dennoch dürfte das Wachstum im vierten Quartal das schwächste seit zweieinhalb Jahren werden“, sagte Markit-Experte Tim Moore, der von Stagnation ausgeht.

Konjunkturindikatoren

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Geldmenge (M1)

Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

 

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklimaindex

Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

 

Dafür ist vor allem die Industrie verantwortlich. Deren Barometer stieg zwar entgegen der Erwartung von Analysten - um 0,2 auf 48,1 Punkte. „Die Industrieproduktion ist nun schon drei Monate in Folge gefallen wegen der geringeren Auslastung und weil in dem unsicheren Umfeld viele Investitionen aufgeschoben werden“, sagte Moore. Die Aufträge schrumpften in den vergangenen zweieinhalb Jahren nur einmal schneller. Die Dienstleister profitieren noch von der guten Binnenkonjunktur, die sich aus höheren Löhnen und steigender Beschäftigung speist. Deren Barometer kletterte um 2,4 auf 52,7 Zähler.

Auch die langjährige Wachstumslok China kann sich der abflauenden Weltkonjunktur nicht entziehen. Im Dezember stieg der von der Großbank HSBC ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Industrie zwar auf 49 Zähler von 47,7 im November. Er blieb aber unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. „Die Wachstumsimpulse bleiben schwach, zudem gibt es Abwärtsrisiken von den Exporten“, sagte China-Chefökonom Qu Hongbin von HSBC. Vor allem im Inland gingen die Aufträge der Industrie deutlich zurück. Auch das Umfeld für das Exportgeschäft bleibe schwierig, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums. Ein Grund dafür sei die Unsicherheit in Europa. In den ersten drei Quartalen hatte Chinas Wachstum stetig an Tempo verloren. Einige Ökonomen gehen davon aus, dass Chinas Wachstum 2012 unter neun Prozent fallen könnte - zum ersten Mal seit 2001.


Von

rtr

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