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20.02.2015

09:58 Uhr

Markit-Index im Plus

„Rosige Aussichten für die deutsche Wirtschaft“

Der Markit-Einkaufsmanagerindex ist im Februar auf den höchsten Stand seit sieben Monaten gestiegen. Das lag auch an einer leicht anziehenden Nachfrage. Da fiel nicht einmal der Mindestlohn ins Gewicht.

Der Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts zieht wieder an – die deutsche Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs. dpa

Einkaufsmanagerindex im Plus

Der Einkaufsmanagerindex des Markit-Instituts zieht wieder an – die deutsche Wirtschaft befindet sich auf Wachstumskurs.

BerlinDie deutsche Wirtschaft kommt immer besser in Tritt. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im Februar um 0,8 auf 54,3 Punkte, wie das Markit-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 800 Industriebetrieben und Dienstleistern mitteilte. Das ist der höchste Stand seit sieben Monaten. Bereits ab 50 Zählern signalisiert das Barometer ein Wachstum. Markit-Ökonom Oliver Kolodseike sprach von „rosigen Aussichten für die deutsche Wirtschaft“.

Dem tut auch der seit Jahresbeginn geltende gesetzliche Mindestlohn offenbar keinen Abbruch. „Wie der stärkste Jobaufbau seit über drei Jahren zeigt, hatte die Einführung des Mindestlohns keine erkennbaren negativen Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Kolodseike. „Sie sorgte bei einigen Unternehmen lediglich für die Anhebung der Verkaufspreise.“ Die Aufträge zogen bereits den zweiten Monat in Folge an. „Ausschlaggebend waren laut Befragten der schwache Euro, die generelle Konjunkturerholung und die wieder leicht anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen 'Made in Germany' seitens der Exportmärkte“, erklärte Markit.

Wo die deutschen Exporteure 2015 wachsen – und wo nicht

Rekordjahr 2014

Die deutschen Exporteure haben 2014 ungeachtet der zahlreichen internationalen Krisen einen Umsatzrekord geschafft. Sie nahmen im Ausland 1133,6 Milliarden Euro ein und damit 3,7 Prozent mehr als 2013. In diesem Jahr soll es sogar um fünf Prozent nach oben gehen, sagt der Branchenverband BGA voraus. Es folgt ein Überblick über die boomenden und schrumpfenden Märkte.

USA

Keiner anderen großen Industrienation wird in diesem Jahr ein stärkeres Wirtschaftswachstum zugetraut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet ein Plus von 3,6 Prozent – nach 2,4 Prozent im vergangenen Jahr. Die steigende Beschäftigung und die Entlastung der konsumfreudigen Verbraucher durch sinkende Energiepreise dürften die weltgrößte Volkswirtschaft ankurbeln. Beflügelt werden dürften die Geschäfte der deutschen Unternehmen zusätzlich vom schwachen Euro, wodurch sie ihre Produkte in den USA entweder billiger anbieten und so der Konkurrenz Marktanteile abjagen oder ihre Gewinnmarge steigern können.

China

Auch wenn die Zeiten eines Wachstums im zweistelligen Prozentbereich vorbei sind, so bleibt die Volksrepublik doch ein lohnender Markt für die deutschen Unternehmen. „Ein wichtiger Schlüssel zu profitablem Wachstum liegt für uns in China“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche. Seit Jahren ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wichtigster Absatzmarkt für die Autobauer und viele andere Branchen. Das Jahr begann verheißungsvoll: Mercedes Benz etwa steigerte seinen China-Absatz im Januar um 14,5 Prozent.

Euro-Zone

Das Geschäft auf dem wichtigsten Absatzmarkt entwickelt sich wegen der Schuldenkrise seit Jahren schleppend. Allerdings geht es in einigen Ländern wie Spanien und Portugal wieder aufwärts, was sich auch in der Exportstatistik niederschlägt: Die deutschen Ausfuhren in diese beiden Länder stiegen im vergangenen Jahr um jeweils rund zehn Prozent. Um immerhin 1,3 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in der Euro-Zone im laufenden Jahr wachsen, 2014 waren es nur 0,8 Prozent.

Russland

Die Wirtschaft rechnet mit milliardenschweren Einbußen. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp vier Milliarden Euro einbrechen, so der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein“, sagt DIHK-Experte Volker Treier. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund ein Fünftel gefallen. Ein Grund ist der Kursverfall des Rubel. „Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher“, sagt Treier. „Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll.“ Bislang habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen im Zuge der Ukraine-Krise geschlossen worden seien.

Opec

Der sinkende Ölpreis drückt die Exporte in die zwölf Opec-Staaten. Im November etwa brachen die Ausfuhren in die Länder des Ölkartells um mehr als sieben Prozent ein. „Der Verfall der Ölpreise drückt unsere Exporte in viele rohstoffreiche Länder“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Angesichts fehlender Milliarden aus dem Ölgeschäft schieben viele Förderstaaten Investitionen auf, auch Unternehmen zögern. „Wir erwarten allenfalls ein schwaches Exportwachstum knapp über der Nulllinie in die Region Mittlerer und Naher Osten plus Nordafrika“, so Treier. Bislang hatte der DIHK mit einem Plus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet.

Südamerika

Die lange Zeit boomende Region steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In vielen Ländern wie Argentinien und Venezuela dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen, in Brasilien gerade einmal um 0,5 Prozent wachsen, sagen von Reuters befragte Ökonomen voraus. Grund dafür sind sinkende Rohstoffpreise, aber auch eine wachsende Staatsverschuldung. „Es gibt mehr Risiken als Chancen“, sagt etwa der Chefvolkswirt der Banco Brasil Plural, Mario Mesquita.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie bliebt unverändert bei 50,9 Punkten. Hier hatten Ökonomen mit einem Anstieg auf 51,5 Zähler gerechnet. Das Barometer für die Dienstleister kletterte um 1,5 auf 55,5 Punkte. Hier waren nur 54,2 Punkte erwartet worden.

Das Bruttoinlandsprodukt war im Schlussquartal 2014 mit 0,7 Prozent mehr als doppelt so stark gewachsen wie das der Euro-Zone. Wegen des überraschend kräftigen Rückenwinds gehen viele Experten inzwischen davon aus, dass Europas größte Volkswirtschaft in diesem Jahr um bis zu zwei Prozent zulegen kann. 2014 waren es 1,6 Prozent.

Von

rtr

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