Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.09.2011

10:08 Uhr

Markit-Umfrage

„Die Erholung ist vorbei“

Steuert Europa auf eine Rezession zu? Die Signale mehren sich, dass die Erholung zum Erliegen kommt. Europaweit ist die Wirtschaft laut einer Umfrage geschrumpft. In Deutschland stehen die Zeichen auf Stagnation.

Der Hamburger Hafen. dpa

Der Hamburger Hafen.

BerlinDer Einkaufsmanagerindex für die gesamte europäische Privatwirtschaft fiel im September auf 49,2 Punkte von 50,7 im August, teilte das Markit-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit. Damit fiel das Barometer zum ersten Mal seit Juli 2009 unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. „Die Erholung ist vorbei“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Die nach vorn blickenden Indikatoren deuten darauf hin, dass es in den kommenden Monaten noch weiter bergab gehen wird.“

Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor fiel auf 49,1 Punkte von 51,5 im August. Das Barometer für die Industrie ging auf 48,4 Zähler zurück von 49,0.

Auch der deutschen Wirtschaft geht die Puste aus. Ihre Geschäfte wuchsen im September so langsam wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft sank auf 50,8 Punkte von 51,3 im August, teilte das Markit-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit.

Das Barometer fiel damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2009 und hielt sich nur knapp über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. „Die Erholung der deutschen Wirtschaft steht auf der Kippe“, sagte Markit-Experte Tim Moore. „Sowohl die Industrie als auch die Dienstleister stagnieren nahezu.“

In beiden Sektoren gingen die Neuaufträge zurück. Die Industrie musste die stärksten Einbußen bei den Exportaufträgen seit fast zweieinhalb Jahren hinnehmen. Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Markit-Experten kaum noch ein Wirtschaftswachstum. „Im dritten Quartal dürfte es nur zu einem sehr leichten Wachstum reichen“, sagte Chefvolkswirt Chris Williamson. „Im vierten Quartal kann es sogar zu einem Schrumpfen kommen.“ Die Bundesbank erwartet dagegen für Juli bis September eine kräftige Erholung und sieht keine Rezessionsgefahren.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel auf 50,0 von 50,9 Punkten, der für die Dienstleister auf 50,3 von 51,1 Zählern. Die Service-Branche rechnet nicht mit einer raschen Besserung: Das Barometer für die Geschäftserwartungen fiel auf 48 Zähler und damit erstmals seit April 2009 unter die wichtige 50-Punkte-Marke.

Das Finanzministerium in Berlin rechnet allerdings nicht mit einer Rezession in Deutschland. „Jedoch ist mit Blick auf die vorlaufenden Konjunkturindikatoren im weiteren Jahresverlauf für die Gesamtwirtschaft mit einem eher moderaten Wachstumstempo zu rechnen“, heißt es im Monatsbericht. Besonders die Exporte dürften nicht mehr so stark zulegen wie in der ersten Jahreshälfte. „Dafür sprechen die nicht so günstigen Wirtschaftsdaten aus den USA sowie die eher schwache Entwicklung im Euroraum.“ Auch bei den Schwellenländern zeichne sich eine Konjunkturabkühlung ab. Der private Konsum werde dagegen wegen der steigenden Beschäftigung anziehen.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.09.2011, 13:43 Uhr

Falsch - die Erholung KOMMT!!!
Wie war das noch im "Aufschwung"? Mama und Papa waren kaum noch zuhause, das Familienleben zugunsten fremder, unsympathischer Unternehmertypen passee!!
Wer also ein wenig weiter denken kann und nicht immer nur Angst hat, es koennte jetzt nicht mehr fuer ein Mittagsmahl im Nobelrestaurant reichen, sondern zu einem Lunch von Aldi, freut sich ueber diese Meldung. Zeit fuer sich selbst, abspannen, Ruhe finden und das Unternehmerpack bald im Csrrè springen sehen, nackt bis auf die Unterhosen.
Neben der wertvollen Zeit fuer sich selbst kann man sich dann noch ueber die totlachen, die sich vorher ueber ihre Billigarbeiter kaputtlachten.

Viva Abschwung!! Bitte bleib ein Dauergast!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×