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24.10.2011

10:10 Uhr

Markit-Umfrage

Euro-Zone droht eine Rezession

Die Wirtschaft in der Euro-Zone ist im Oktober spürbar geschrumpft. Aussicht auf Besserung gibt es laut einer Firmen-Umfrage nicht. Schon Anfang kommenden Jahres könnte daher Europa in die Rezession abdriften.

Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. dpa

Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

BerlinDer Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft fiel im Oktober um 1,9 auf 47,2 Zähler, teilte das Markit-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter Tausenden Unternehmen mit. Damit entfernte sich das stark beachtete Barometer weiter von der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. „Die meisten Indikatoren deuten an, dass es in den kommenden Monaten eher schlechter als besser werden wird“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Es werde daher immer wahrscheinlicher, dass die Wirtschaft im vierten Quartal schrumpfe. Für den Jahresbeginn 2012 sehe es ebenfalls schlecht aus. Damit drohe eine Rezession.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,2 auf 47,3 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit Juli 2009. Die Aussichten auf eine rasche Besserung stehen nicht gut: Die Aufträge gingen so stark zurück wie seit knapp zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Die Chronik der Schuldenkrise

25. März 2010

Beim EU-Gipfel einigen sich die Euro-Länder auf einen Notfallplan für das hoch verschuldete Griechenland. Der Plan sieht freiwillige Hilfen einzelner Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor. Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou betont: „Griechenland ist entschlossen, mit seinen eigenen Problemen fertig zu werden.“

10. Mai 2010

Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

21. November 2010

Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

25. März 2011

Der ständige Krisenfonds wird mit über 700 Milliarden Euro ausgestattet. Der Stabilitätspakt wird verschärft, Defizitsündern drohen auch bei einer zu hohen Gesamtverschuldung Sanktionen. Die 17 Euro-Länder wollen sich in der Sozial-, Steuer- und Haushaltspolitik enger abstimmen.

8. April 2011

Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

20. Juni 2011

Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

23. Juni 2011

Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

 

23. - 27. Oktober 2011

Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

01. November 2011

Griechenlands-Ministerpräsident Papandreou kündigt völlig überraschend eine Volksabstimmung über das neue Milliarden-Rettungspaket für Griechenland an. Damit stößt er Merkel und Sarkozy vor den Kopf, die den griechischen Staatschef zum Appell zitieren. Am Vorabend des G20-Treffens in Cannes setzen sie sich mit dem Griechen, IWF-Chefin Christine Lagarde und Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zusammen. „Wir haben Papandreou, ohne ihm einen wirklichen Vorwurf zu machen, darauf hingewiesen, dass sein Benehmen illoyal ist“, wird Juncker am Tag darauf im ZDF-„Morgenmagazin“ sagen. Der unerwartete Vorstoß habe nun zu erheblichen Verstimmungen an den Finanzmärkten und in europäischen Regierungskreisen geführt. Die wichtigste Frage sei, ob Griechenland in der Euro-Zone bleibt oder nicht, so Juncker: „Wir hätten gerne, dass Griechenland Mitglied bleibt, aber nicht zu jedem Preis.“

02. November 2011

Kaum eine Woche im Amt überrascht der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) die Öffentlichkeit: Aus Sorge um die Wirtschaft in der anhaltenden Griechenland-Krise, senkt Mario Draghi den Leitzins von 1,5 auf 1,25 Prozent. Gleichzeitig wird die bereits gebilligte Kreditauszahlung von acht Milliarden Euro an Griechenland auf Eis gelegt.

6. November 2011

Nach einer quälenden Hängepartie einigen sich die beiden großen politischen Lager in Athen auf eine Übergangsregierung. Hauptziel soll die Umsetzung der EU-Beschlüsse vom 27. Oktober sein. Später soll es Neuwahlen geben. Wer die neue Regierung führen soll, darüber wird noch tagelang gestritten. Die Konservativen fordern weiterhin zuerst einen Rücktritt des Sozialisten Papandreou.

8. November 2011

Nun steht auch Silvio Berlusconi vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

9. November 2011

Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an. Im italienischen Parlament drücken die Fraktionschefs derweil aufs Tempo und einigen sich darauf, dass die Reformen innerhalb weniger Tage durchs Parlament gehen sollen. Staatspräsident Giorgio Napolitano ernennt den ehemaligen EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti überraschend zum Senator auf Lebenszeit - das wird in Rom als Signal gedeutet, dass Monti Nachfolger von Berlusconi werden könnte.

10. November 2011

Die Akteure in Athen einigen sich auf einen neuen Ministerpräsidenten: Der frühere EZB-Vizepräsident Lucas Papademos (parteilos) soll eine Übergangsregierung bis zu Neuwahlen führen und im Parlament die von den internationalen Geldgebern verlangten Reformen durchsetzen. In Italien scheint Silvio Berlusconi mit Mario Monti als neuem Regierungschef einverstanden zu sein.

09. Dezember 2011

Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

12. Januar 2012

In Athen beginnt eine wichtige Verhandlungsrunde über einen Schuldenschnitt der privaten Investoren für Griechenland.

13. Januar 2012

Standard & Poor's senkt die Bonität Frankreichs um eine Stufe auf AA. Acht weitere Euro-Länder sind ebenfalls betroffen.

14. März 2012

Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

30. März 2012

Die Eurogruppe einigt sich auf eine Stärkung ihrer Rettungsschirme auf maximal 800 Milliarden Euro. Die spanische Regierung beschließt das größte Sparpaket seit Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1977 in Höhe von 27 Milliarden Euro.

09. Juni 2012

Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

17. Juni 2012

Bei der Neuwahl in Athen siegen die reformwilligen Konservativen. Europa atmet auf, das Schreckensszenario eines griechischen Euro-Austritts scheint zumindest vorerst gebannt.

25. Juni 2012

Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

Das Barometer für die Dienstleistungsbranche gab um 1,6 auf 47,2 Punke nach. Keiner der 35 von Reuters befragten Analysten hatte damit gerechnet, dass dieser Wert so deutlich unter die wichtige 50-Punkte-Marke abrutscht.

Die deutsche Wirtschaft startete derweil mit leichtem Rückenwind in das vierte Quartal. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft legte im Oktober um 0,7 auf 51,2 Punkte zu, teilte das Markit-Institut in seiner Umfrage unter Hunderten Unternehmen mit. Das Wachstum ist allein den Dienstleistern zu verdanken, deren Geschäfte überraschend zulegten. Die exportabhängige Industrie drosselte dagegen erstmals seit mehr als zwei Jahren ihre Produktion. „Viele Unternehmen sorgen sich wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone, weil die Unsicherheit viele Kunden zu einem Aufschub ihrer Investitionsentscheidung veranlasst“, sagte Markit-Experte Tim Moore.

Entsprechend gedämpft sind die Aussichten. Die Industrie meldete den stärksten Auftragsrückgang seit Juni 2009. Die Bestellungen aus dem Ausland gingen sogar so stark zurück wie seit Mai 2009 nicht mehr. Die gedämpften Konjunkturaussichten hätten einige Kunden veranlasst, ihre Bestellungen zu stornieren, hieß es. Auch der binnenmarktorientierten Service-Branche drohen schwierigere Zeiten: Die Geschäftsaussichten wurden von den Managern so schlecht bewertet wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 1,4 auf 48,9 Punkte. Analysten hatten im Schnitt mit 50 Punkten gerechnet. Erst ab diesem Wert wird Wachstum signalisiert. Das Barometer für die Dienstleister stieg dagegen um 2,4 auf 52,1 Zähler. Hier waren 49,7 Punkte erwartet worden.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Von

rtr

Kommentare (7)

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markus

24.10.2011, 10:54 Uhr

Frau Merkel hat beim Gipfeltreffen gesagt, dass die Absprachen fuer eine Griechenlandschuldenentlasung im Sommer auf falsche Daten basieren und somit hinfaellig sind. Werden wir auch erfahren wer diese Daten geliefert hat? Oder ist es wieder eine dumme Ausrede, wie diese von der Abschaffung der Kernkraftenergie wegen Japan? Hat die Rezession der Euro-Zone etwas damit zu tun?

Account gelöscht!

24.10.2011, 11:31 Uhr

Europa wird zum 1 Euro Laden und von Russen und Chinesen
aufgekauft. Das in England schon über einen Austritt aus der EU
gestritten wird, ist brandgefährlich. Unfähige Politiker
die aus Geldmangel politisch keine vernünftigen Entscheidungen mehr treffen runden das Bild ab.
Am besten die EU löst sich gemeinsam auf und baut sich Schulter an Schulter mit den Bürgern wieder auf.Besser
als wenn die EU einzeln zerfällt.

Account gelöscht!

24.10.2011, 11:58 Uhr

Dass eine Rezession kommt, das wissen wir Bürger schon von alleine, da brauche ich keine Wirtschaftsumfrage
Die derzeitige Ingflationsrate ist ja schon höher als in den ganzen letzten Jahren. Man merkt es ja auch beim Einkaufen.
Aber so lange gerade die Deuschen immer noch so staatsgläubig und obrigkeitshörig sind, wird sich hier nichts ändern.
Und usnere Politiker wissen das

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