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04.10.2016

15:41 Uhr

Maue Konjunkturprognose des IWF

Die Lethargie der Weltwirtschaft

Die Industriestaaten werden enttäuschen. Der mittelfriste Konjunkturausblick des IWF löst keine Begeisterung aus – vor allem die USA haben Probleme. Für die Schwellenländer und Deutschland sieht es jedoch anders aus.

Viele Industrieländer bekommen 2017 auch bei den Exporten Probleme. Reuters

Trübe Aussicht

Viele Industrieländer bekommen 2017 auch bei den Exporten Probleme.

Washington/BerlinDer IWF traut der globalen Konjunktur weiter keine großen Sprünge zu. Die Weltwirtschaft dürfte in diesem Jahr etwas an Fahrt verlieren und um 3,1 Prozent zulegen, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag in seinem neuen „World Economic Outlook“ mitteilte.

Im nächsten Jahr werde es mit 3,4 Prozent etwas stärker bergauf gehen. „Der aktuelle Ausblick bleibt gedämpft.“ Mittelfristig dürfte das Wachstum der Industriestaaten weiter „enttäuschend“ ausfallen, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Bei Schwellen- und Entwicklungsländern werde die Konjunktur eher anziehen.

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Aktuell sieht die Konjunktur gut aus – das soll sich aber bald ändern. Die führenden deutschen Wirtschaftsforscher erwarten für das kommende Jahr ein geringeres Wachstum als 2016. Grund sind politische Unsicherheiten.

Für die USA zeigte sich der IWF skeptischer als noch im Juli. Für die weltgrößte Volkswirtschaft senkte der Fonds seine Wachstumsprognose für 2016 auf 1,6 von 2,2 Prozent und für 2017 auf 2,2 von 2,5 Prozent. „Das US-Wachstum hat 2016 enttäuscht“, sagte Obstfeld. Die Prognosen für die Weltwirtschaft änderten sich hingegen nicht.

Zur deutschen Wirtschaft hingegen äußerten sich die IWF-Experten optimistischer. Sie erhöhten ihre Wachstumsprognose für 2016 von 1,6 auf 1,7 Prozent und für das nächste Jahr von 1,2 auf 1,4 Prozent. Die Daten des IWF sind aber bereinigt um die unterschiedliche Zahl der Arbeitstage und damit nicht mit dem jüngsten Herbstgutachten der Forschungsinstitute vergleichbar. Diese hatten einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,9 Prozent vorausgesagt, der sich im nächsten Jahr auf 1,4 Prozent abflauen dürfte.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

Mit Blick auf die globale Konjunktur forderte Obstfeld mehr Impulse der Politik, um Wachstum zu fördern. Wichtig seien hier Reformen am Arbeitsmarkt und der Abbau von Handelsbarrieren. „Das Wachstum ist schon zu lange zu niedrig.“ Zudem komme in vielen Ländern der Erfolg der Wirtschaftserholung bei zu wenigen Menschen an. Dies führe dazu, dass in einigen reicheren Staaten Globalisierungsgegner Zulauf hätten. Das Anti-EU-Referendum in Großbritannien sei ein Beispiel dafür.

Notenbanken in Industriestaaten sollten laut IWF ihre lockere Geldpolitik fortsetzen und die Konjunktur weiter stützen. Dies müsse notfalls wie bisher mit sogenannten unkonventionellen Maßnahmen abseits des Leitzinses geschehen. Die US-Notenbank Fed sucht derzeit nach einem geeigneten Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung. Die meisten Ökonomen erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) jedoch ihre Politik des billiges Geldes eher noch einmal verlängert oder ausweitet.

Von

rtr

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