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08.04.2011

11:00 Uhr

Max Otte

„Das wirkliche Problem der Weltwirtschaft sind die USA“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer renommierte Krisenökonom Max Otte warnt davor, angesichts der Portugal-Krise die wahren Probleme der Weltwirtschaft zu übersehen. Im Interview erklärt er, warum die USA die eigentliche Bedrohung sind.

US-Flagge. Quelle: ap

US-Flagge.

Handelsblatt Online: Herr Otte, nach Irland und Griechenland ist Portugal das dritte EU-Mitglied, das Hilfen benötigt. Kommt das Hilfegesuch nicht zu spät?

Max Otte: Man kann das so oder so sehen. Portugal ist weder Griechenland noch Irland. Das Land hatte vor der Krise einen halbwegs soliden Staatshaushalt, die Immobilienblase war begrenzt. Es ist verständlich, dass das Land zunächst versucht, die Turbulenzen selber zu bewältigen.

Die Portugiesen schlüpfen unter den Euro-Rettungsschirm. Deutschland dagegen erfreut sich einer weiter kräftig wachsenden Wirtschaft und kann darauf hoffen, die Defizitquote zu halbieren. Wie passt das zusammen?

Die ganzen Probleme, die wir jetzt haben, sind durch den Euro erst verursacht worden - und teilweise auch Deutschlands Stärke. Nach der Einführung hatten die Südländer und Irland auf einmal die niedrigen Zinsen Deutschlands. Man begann, sich zu verschulden. Ein Boom setzte ein, die Preise und Löhne stiegen. Kapital aus Deutschland - wo die Löhne niedrig blieben - floss in diese Länder. Damit stieg Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit.

Anders als für Deutschland stellen für schwächere Staaten auch kleine zusätzliche Belastungen, wie die Leitzinserhöhung, ein großes Problem dar. Hat die EZB mit ihrer Zinswende dennoch richtig gehandelt?

Ich denke ja, sie war längst überfällig. Seit nunmehr 25 Jahren versuchen wir, mit künstlich billigem Geld Krisen zu bekämpfen und Wachstum zu schaffen. Das ist wie mit Drogen. Irgendwann muss der Teufelskreislauf durchbrochen werden.

Ist es nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Dominostein ins Wanken gerät. Spanien, Belgien oder Italien?

Das hängt davon ab. Die ganze Euro-Hysterie lenkt doch nur davon ab, dass das wirkliche Problem der Weltwirtschaft die Vereinigten Staaten von Amerika sind. Hier gibt es ein Haushaltsdefizit von 11 Prozent, was fast doppelt so hoch wie das der Euro-Zone ist.

Ab 2013 soll ein neuerer, größerer Rettungsschirm gelten. Rückt damit auch die Transferunion näher?

Die Transferunion ist längst Realität. Die Bundesbank ist nicht mehr unabhängig. Deutschland hat währungs- und europapolitisch kapituliert. Insofern ist der in Frankreich geäußerte Spruch, dass nun die von Versailles realisiert werden, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Max Otte ist Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms. Als gefragter Wirtschafts- und Finanzexperte hat er bereits mehr als ein Dutzend Bücher in Deutschland und den USA zu Wirtschafts- und Kapitalmarktthemen veröffentlicht. In seinem Buch "Der Crash" kommt prognostizierte er bereits im Sommer 2006 die internationale Finanzkrise und ihre Auswirkungen.

Kommentare (8)

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Zahlmeister

08.04.2011, 12:29 Uhr

Herr Prof. Otte hat Recht, aber kein Volk lässt sich auf Dauer ausnehmen und demütigen, auch das deutsche nicht.
Es kommen unruhige Zeiten auf uns zu.

no.7

08.04.2011, 13:10 Uhr

Otte hat natürlich vollkommen recht. merkel hat unser geld im haushalt an die Banken verschenkt. Von wegen "halbierung der defizitquote". die rechnungen aus dem sogenannten euro-Rettungsschirm werden uns in absehbarer zeit um die ohren fliegen, die gegebenen bürgschaften werden nun bald fällig ! dann wird deutschland die milliarden irgendwo hernehmen müssen, denn das geld ist nicht da.es wird dann wieder auf Pump weitergewurschtelt- solange, bis auch die deutschen staatsanleihen im zins drastisch ansteigen. Die hat ein vermögen verramscht- abkassiert hat die deutsche wirtschaft und die deutschen "Anleger".

Account gelöscht!

08.04.2011, 13:53 Uhr

Schreibfehler oder mit Absicht was weggelassen?

...Deutschland hat währungs- und europapolitisch kapituliert. Insofern ist der in Frankreich geäußerte Spruch, dass nun die ...???... von Versailles realisiert werden, nicht ganz von der Hand zu weisen.....

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