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28.10.2012

13:40 Uhr

Medienbericht

EZB-Präsident rechnet fest mit weniger Inflation

Mario Draghi nimmt die Angst der Deutschen vor der Geldentwertung ernst: Der EZB-Chef glaubt fest daran, dass die Inflationsrate in der Eurozone 2013 wieder unter zwei Prozent fallen wird.

EZB-Präsident Mario Draghi. Reuters

EZB-Präsident Mario Draghi.

HamburgDer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, erwartet ein Abklingen der Inflation im Euroraum. "Wir rechnen fest damit, dass die Inflationsrate in der Eurozone im nächsten Jahr wieder unter unsere Zielmarke von nahe zwei Prozent fällt", sagte Draghi dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (erscheint Montag) im Interview. Im September lag die Teuerung in der Eurozone noch auf Jahressicht bei 2,7 Prozent. Der EZB-Präsident befürwortete zudem mehr Kontrolle nationaler Haushalte durch den EU-Währungskommissar.

Die EZB nehme die Ängste der Deutschen vor einer Geldentwertung sehr ernst, sagte Draghi weiter. In einigen Fällen wie in Deutschland in der Weimarer Republik habe das Drucken von Geld Inflation verursacht. In anderen Fällen habe proaktives Handel der Zentralbank jedoch nicht zu Geldentwertung geführt. "Wir sind entschlossen Preisstabilität zu gewährleisten und systemische Vermögensblasen zu vermeiden" versicherte er.

Bislang sehe die EZB "steigende Preise auf einigen wenigen Vermögensmärkten allenfalls auf lokaler Ebene", sagte Draghi. Dies müsse regional von der Politik und den zuständigen Aufsichtsbehörden angegangen werden. "Etwa indem Banken mehr Eigenkapital für ihr Risikoengagement im Immobilienbereich vorhalten müssen", empfahl er.

Der EZB-Präsident unterstützte zudem ausdrücklich den Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dem EU-Währungskommissar mehr Rechte zur Kontrolle der Haushaltspolitik von Mitgliedsstaaten zu geben. Es sei klug, wenn die Regierungen den Vorschlag ernsthaft prüften. "Wenn wir das Vertrauen in die Eurozone wiederherstellen wollen, müssen die Länder einen Teil ihrer Souveränität an die europäische Ebene abtreten", sagte Draghi.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die Integration der Eurozone müsse weiter vorangetrieben werden. Dafür würden nicht nur Regeln benötigt. "Sie müssen auch sicherstellen, dass diese Regeln eingehalten werden. Daran hat es in der Vergangenheit gemangelt, daran müssen die Regierungen arbeiten", verlangte der EZB-Chef.

Viele Regierungen hätten noch nicht verstanden, dass sie ihre nationale Souveränität längst verloren hätten. "Weil sie in der Vergangenheit zu hohe Schulden aufgetürmt haben, sind sie nun vom Wohlwollen der Finanzmärkte abhängig", sagte Draghi weiter. Erst wenn die Euroländer bereit seien, Souveränität auf europäischer Ebene zu teilen, würden sie wieder an Souveränität gewinnen.

Von

dapd

Kommentare (15)

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Sebastian

28.10.2012, 13:56 Uhr

"Weil sie in der Vergangenheit zu hohe Schulden aufgetürmt haben, sind sie nun vom Wohlwollen der Finanzmärkte abhängig"

Boah! Wenn man genug Geld hat, kann man sich sein eigenes Europäisches Land kaufen! Man muss nur Politikern Geld geben.

RDA

28.10.2012, 14:06 Uhr

Mario Draghi sollte den besorgten Bundesbürgern noch kurz erklären, was es mit negativen Realzinsen auf sich hat und welche Rolle die diversen EZB-Bazookas sowie die Anleihekaufprogramme dabei spielen.

Account gelöscht!

28.10.2012, 14:12 Uhr

"Erst wenn die Euroländer bereit seien, Souveränität auf europäischer Ebene zu teilen, würden sie wieder an Souveränität gewinnen."

Natürlich, nur mit Eurobonds wird die Eurozone genesen.

Und mit Volkssouveränität ist es wohl so wie mit dem Gold der Bundesbank. Das ist doch alles sowas von anachronistisch und braucht kein Mensch. Bargeld braucht doch auch eigentlich kein Mensch, oder?

So das von unseren Alten erarbeitete Gold der Bundesbank wird auch unsere Souveränität nur eine Fata Morgana bleiben. Es liegt alles sehr sicher, aber unerreichbar, verwart in den Bunkern von New York und Brüssel.

Wir werden hier nach Strich und Faden verarscht, und solange wir nicht endlich aufstehen, weiterhin um die Früchte unserer Arbeit, unser Eigentum und unsere Freiheit gebracht.

Nieder mit dem Euro und dieser EU. Freiheit für Deutschland.

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