Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2015

13:54 Uhr

Mehr Importe

Wirtschaft in Euro-Ländern wächst weniger stark

Die Wirtschaft in der Euro-Zone wächst – allerdings langsamer als zuletzt. Vor allem Malta, Lettland, die Slowakei und Spanien trieben im dritten Quartal das Wachstum an. Doch hohe Importe nagen am Ergebnis.

Die Erholung bleibe stark vom Konsum angetrieben, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Commerzbank. Firmeninvestitionen hätten im dritten Quartal keine Rolle gespielt. dpa

Konsumgetrieben

Die Erholung bleibe stark vom Konsum angetrieben, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Commerzbank. Firmeninvestitionen hätten im dritten Quartal keine Rolle gespielt.

Madrid/LuxemburgDas Wirtschaftswachstum in der Eurozone hat sich auch im dritten Quartal dieses Jahres fortgesetzt. Vor allem der private Konsum und Regierungsausgaben stützten, während die Exporte unter einer Verlangsamung des weltweiten Handels litten.

Das Bruttoinlandsprodukt in den 19 Euro-Ländern zog in den drei Monaten bis Ende September um 0,3 Prozent an, verglichen mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent im Quartal davor, wie das Statistikamt der Europäischen Union in Luxemburg am Dienstag mitteilte. Die erste Prognose vom 13. November wurde damit bestätigt.

Erst vor weniger als einer Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) einen ihrer wichtigsten Zinssätze auf ein Rekordtief gesenkt und das laufende Bond-Kaufprogramm auf mindestens 1,5 Billionen Euro aufgestockt, um die Wirtschaft der Region wieder in Schwung zu bringen. Zudem soll die Inflation näher an das Ziel von zwei Prozent gebracht werden. Während die Ausgaben in der Region durch den niedrigen Ölpreis angekurbelt werden, leidet der Export unter einer Verlangsamung in den Schwellenmärkten.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

„Die Erholung bleibt ins Jahr 2016 hinein stark vom Konsum angetrieben, wobei sich die externen Einflüsse im nächsten Jahr von neutral zu leicht positiv entwickeln sollten“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank in London. „Wir sehen eine durch die Schwellenmärkte hervorgerufene Delle, aber das Risiko hat über die letzten zwei Monate nachgelassen.“

Die Investitionen der Unternehmen erbrachten keinen Wachstumsschub. Der Außenhandel belastete das Gesamtergebnis, weil die Einfuhren stärker stiegen als die Ausfuhren.

Die Staatsausgaben kletterten im dritten Quartal den Angaben aus Luxemburg zufolge um 0,6 Prozent, nach 0,3 Prozent den drei Monaten zuvor. Der Konsum der privaten Haushalte sei um 0,4 Prozent gewachsen, nachdem er im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen war. Die Exporte zogen um 0,2 Prozent an, wie Eurostat mitteilte, während die Importe um 0,9 Prozent wuchsen. Verglichen mit dem Vorjahr sei das BIP der Eurozone um 1,6 Prozent gestiegen.

Für das nächste Jahr hat die EZB ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent und für 2017 von 1,9 Prozent in Aussicht gestellt. Der Inflationsausblick für 2016 wurde von 1,1 Prozent auf ein Prozent gesenkt und für 2017 von 1,7 Prozent auf 1,6 Prozent.

Herbstgutachten

Deutsche Wirtschaft im Aufschwung: Nur China kann uns stoppen

Herbstgutachten: Deutsche Wirtschaft im Aufschwung: Nur China kann uns stoppen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Zwischen den Euro-Ländern gibt es deutliche Unterschiede beim Wachstum. Besonders stark legte die Wirtschaft in Malta, Lettland, der Slowakei und Spanien zu. Rückläufig war die Wirtschaftsleistung dagegen in Griechenland, Estland und Finnland. Das Wachstum in Deutschland entsprach mit 0,3 Prozent dem Durchschnitt des Währungsraums.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×