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30.01.2007

18:35 Uhr

Mehrwertsteuereffekt bleibt aus

Käufern bleibt Preisschock erspart

Die zu Jahresbeginn um drei Prozentpunkte gestiegene Mehrwertsteuer wird bislang nur zum Teil auf die Verbraucher abgewälzt. Eine Hochrechnung des Statistischen Bundesamtes auf Basis der Daten aus sechs Bundesländern ergab im Januar eine Preissteigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Allein die volle Weitergabe der Steuererhöhung auf die Verbraucher hätte rein rechnerisch knapp 1,4 Prozentpunkte betragen. Das Fazit der Statistiker: "Ein Effekt der Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar 2007 ist in den Ergebnissen nur sehr bedingt erkennbar."

Die Mehrwertsteuererhöhung hat die Haushalte bislang weniger getroffen als erwartet. Foto: dpa

Die Mehrwertsteuererhöhung hat die Haushalte bislang weniger getroffen als erwartet. Foto: dpa

ari/dc/doh/ire/rl DÜSSELDORF. Etliche Konjunkturbeobachter hatten im Vorfeld mit einem deutlicheren Preisanstieg gerechnet. Selbst EU-Währungskommissar Joaquín Almunia zeigte sich am Dienstag überrascht über die geringen Auswirkungen der Steuererhöhung. Die Statistiker erklären dies mit dem hohen Wettbewerbsdruck, der dazu geführt habe, dass im Januar nur ein Teil der Umsatzsteuererhöhung an die Verbraucher weitergegeben worden sei. Allerdings könne sich die Steuererhöhung auch noch in den folgenden Monaten bemerkbar machen.

Die stärksten steuergetriebenen Preisanhebungen zeigen sich bei Strom und Gas sowie bei Dienstleistungen. Allerdings werden diese Steuereffekte teilweise überlagert durch die Verbilligung von Öl, Pauschalreisen sowie Mieten von Ferienwohnungen. Deutlich teurer wurde dagegen Gemüse (plus 15 Prozent).

Auch die Erhöhung der Versicherungsteuer von 16 auf 19 Prozent scheint sich nur moderat auszuwirken. Speziell in der Autoversicherung sind die Preise stark wettbewerbsgetrieben. Dabei trifft die Autoversicherer zusätzlich die Mehrwertsteueranhebung, da diese die Reparaturkosten erhöht. Die Branche hat ausgerechnet, dass die Autopolicen wegen des doppelten Steuereffektes im Schnitt um fünf Prozent hätten teurer werden müssen. Nach den ersten Zahlen aus den Bundesländern haben sich Versicherungsprämien aber nur um gut zwei Prozent verteuert.

Der moderate Preisanstieg widerlegt zunächst auch den Konjunkturpessimismus von Opposition und Wirtschaft, die vor der Mehrwertsteuererhöhung gewarnt hatten. In ihrem Jahresbericht, den das Kabinett heute verabschieden will, rechnet die Regierung nunmehr mit 1,7 Prozent Wachstum für 2007, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als bisher. Bei der Arbeitslosenzahl rechnet sie mit einem Rückgang um 480 000 - mehr als doppelt so stark wie im Herbst erwartet.

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