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03.02.2012

00:00 Uhr

Merkels China-Besuch

China bleibt Zugpferd, aber mit weniger Wachstum

VonFinn Mayer-Kuckuk

Chinas Bruttoinlandsprodukt wird dieses Jahr weniger stark zulegen als in der Vergangenheit. Doch Peking hat schon viele schwierige Phasen gemeistert. Die Volksrepublik wird Motor der kriselnden Weltwirtschaft bleiben.

Überall wird gebaut: Ein großer Teil der Bevölkerung auf dem Lande stößt in die Mittelklasse vor. Dort fehlt es oft noch an Straßen, Häusern, Eisenbahnstrecken oder Flughäfen. dpa

Überall wird gebaut: Ein großer Teil der Bevölkerung auf dem Lande stößt in die Mittelklasse vor. Dort fehlt es oft noch an Straßen, Häusern, Eisenbahnstrecken oder Flughäfen.

PekingAuf ihrer Reise nach Guangzhou am Freitag wird sich Kanzlerin Angela Merkel etwas von der Krisenstimmung in Europa erholen können. In China herrscht weiterhin Aufbruchstimmung, die Wirtschaft wächst, die Unternehmen investieren dynamisch. Dennoch blicken Politiker wie Manager derzeit besonders genau auf die Konjunkturzahlen des Landes: Je länger sich die Krise des Westens hinzieht, desto wichtiger wird es, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft den Rest der Welt mitzieht.

In den vergangenen Jahren hat China die Rolle des Zugpferdes souverän übernommen - das Wachstum lag trotz der schlechten Weltkonjunktur im Bereich von zehn Prozent. 2012 wird sich das Kunststück voraussichtlich nicht so einfach wiederholen lassen: Ökonomen erwarten mehrheitlich ein Wachstum von ungefähr 8,5 Prozent für das laufende Jahr.

Wirtschaftszahlen: Wachstum in China sinkt leicht im Vergleich zu 2010

Wirtschaftszahlen

Wachstum in China sinkt leicht im Vergleich zu 2010

China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt mit imposantem Wirtschaftswachstum. Im Jahre 2010 war die chinesische Wirtschaft um 10,3 Prozent gewachsen. Jetzt sind die Zahlen für 2011 und Prognosen für 2012 da.

„Wir sehen erhebliche Unsicherheiten, da die tatsächliche Wirtschaftsleistung in den kommenden Monaten wahrscheinlich schlechter ausfallen wird, als es die Regierung erwartet", schreibt Ökonom Ma Jun von der Deutschen Bank in Hongkong. Peking werde gezwungen sein, die Geldpolitik zu lockern, um das Wachstum zu stärken. Falls die Statistik zeige, dass die Zuwachsraten auch im zweiten Quartal unter acht Prozent bleibe, könnte die Regierung der Wirtschaft jedoch problemlos wieder Wachstumsimpulse geben, so der Volkswirt.

China hat in den vergangenen drei Jahren schon viel Geld für Konjunkturförderung lockergemacht und damit, als Nebenwirkung, zur Überhitzung des Immobilienmarkts beigetragen. Doch es sind noch reichlich Reserven vorhanden, um der Wirtschaft auch im laufenden Jahr noch einmal einen kräftigen Stoß zu geben. Selbst pessimistische Rechnungen sehen die Staatsverschuldung lediglich bei ungefähr 50 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Hauptgläubiger sind zudem die eigenen Banken, und die gehören dem Staat - eine Schuldenkrise wie in den USA oder Europa ist in China undenkbar.

China hat zudem den Vorteil, dass es als Schwellenland ohnehin auf Wachstum gepolt ist. Ein großer Teil der Bevölkerung auf dem Lande stößt jetzt erst in die Mittelklasse vor. Dort fehlt es oft noch an Straßen, Häusern, Eisenbahnstrecken oder Flughäfen - reichlich sinnvolle Entwicklungsprojekte für eine Staatswirtschaft also. Dazu kommt eine grundsolide Wirtschaftsweise: Die Sparquote der Unternehmen und der Haushalte ist sehr hoch. Die vielen Immobilien sind außerdem zum größeren Teil vorbezahlt und nicht beliehen. Undurchsichtige Finanzprodukte sind verboten.

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