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31.01.2015

10:33 Uhr

Metzler-Bankier warnt

„EZB-Geldflut verschärft Gefahr von Blasen“

Die EZB überschwemmt die Märkte mit Geld. Das verzerre die Preise, warnt ein Banker des Traditionshauses Metzler. Die eigentlichen Probleme in Europa würden damit nicht gelöst.

Banknoten von 50, 20 und zehn Euro: Die Geldschwemme der EZB könnte fatale Folgen haben, warnt ein Experte. dpa

Banknoten von 50, 20 und zehn Euro: Die Geldschwemme der EZB könnte fatale Folgen haben, warnt ein Experte.

FrnakfurtDie neue Flut billigen EZB-Geldes verschärft nach Einschätzung des Privatbankiers Emmerich Müller vom Frankfurter Bankhaus Metzler die Gefahr von Übertreibungen an den Finanzmärkten. „Anleger suchen händeringend nach Alternativen. Die Gefahr einer Blasenbildung in bestimmten Anlageklassen ist nicht von der Hand zu weisen“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Partner des 1674 gegründeten Traditionshauses der Deutschen Presse-Agentur.

„Generell gehen wir davon aus, dass die Zinsen noch lange unattraktiv bleiben werden“, sagte Müller. Das führe zu Verzerrungen. „Staatsanleihen sind definitiv überbewertet, weil die Schuldner dafür keinen Preis zahlen, der das Risiko abbildet.“ Aktien sieht der Bankier als Alternative: „Der Aktienmarkt ist noch fern einer Blasenbildung – auch wenn Aktien derzeit nicht mehr billig sind.“

Den jüngste Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), von März 2015 bis September 2016 monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen zu stecken, sieht Müller kritisch. „Ich verstehe unter ökomischen Gesichtspunkten nicht, warum wir uns darauf einlassen.“

Der Bankier betonte: „Das viele billige Geld der EZB löst die strukturellen Probleme in Europa nicht: die hohe Verschuldung, die Folgen der demografischen Entwicklung, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit im globalen Umfeld.“

EZB steht vor weiteren historischen Schritten

EZB-Rat

Das Führungsgremium der Notenbank entscheidet ab Januar 2015 nur noch alle sechs Wochen über die Geldpolitik im Euroraum, erster Termin dafür ist der 22. Januar. Bisher gab es in der Regel am ersten Donnerstag jedes Monats eine Zinsentscheidung der EZB. Draghi begründete den neuen Turnus mit überzogenen Erwartungen der Märkte: Würden diese enttäuscht, komme es zu Konsequenzen – ohne dass es dafür einen ökonomischen Grund gebe. „Die EZB sollte aber nicht jeden Monat handeln. Deshalb haben wir uns entschieden, dass der Sitzungskalender mit monatlichen Treffen zu eng ist“, erklärte der Italiener Anfang Juli.

Neubau

Ihre neue Zentrale im Frankfurter Ostend hat die EZB bereits im November bezogen, am 18. März 2015 soll sie feierlich eröffnet werden. Das Ensemble aus zwei gläsernen Türmen - 165 und 185 Meter hoch - sowie der denkmalgeschützten ehemaligen Großmarkthalle bietet Platz für 2900 Mitarbeiter. Die Kosten für den Neubau am Mainufer waren mehrfach nach oben korrigiert worden, jüngste Schätzung: 1,3 Milliarden Euro. Die Endabrechnung soll Ende 2015 vorliegen.

Protokolle

Ein weiteres Novum: Die Notenbank wird ab 2015 regelmäßig Zusammenfassungen der Beratungen des EZB-Rates veröffentlichen – und zwar jeweils vor der folgenden Sitzung. Bislang lagen die Mitschriften für 30 Jahre unter Verschluss. Die neue Transparenz sei „ein weiterer Weg, um unsere Maßnahmen und die ihnen zugrundeliegenden Erörterungen zu erläutern“, erklärte Draghi. Schließlich sei das Vertrauen der Bevölkerung in die Geldpolitik immens wichtig.

Stimmrechte

Im EZB-Rat galt bisher das Prinzip: ein Land, eine Stimme. Mit dem Euro-Beitritt Litauens ändert sich das. Ab 2015 wird rotiert. Im Mai darf Bundesbank-Präsident Jens Weidmann deshalb erstmals keine Stimme bei den geldpolitischen Entscheidungen abgeben. Hintergrund ist ein EU-Beschluss von 2003, wonach das Stimmrecht in dem Gremium rotiert, sobald die Eurogruppe mehr als 18 Mitglieder hat. Das soll sicherstellen, dass auch dann rasch und effizient entschieden werden kann, wenn die Währungsunion größer wird. Das System tritt mit dem Eurobeitritt Litauens zum 1. Januar in Kraft.

Anleihenkäufe

Die Inflation ist gefährlich niedrig, das viele billige Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt die Wirtschaft bislang nicht wie von den Währungshütern gewünscht in Schwung. Viele Ökonomen rechnen deshalb damit, dass die Notenbank Anfang 2015 den Weg für Anleihenkäufe in großem Stil freimachen wird („Quantitative Easing“, QE). Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt – und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert. EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Vorbereitungen für neue Eingriffe weit fortgeschritten seien. Ausdrücklich nannte er dabei QE, wobei auch Staatsanleihenkäufe im Rahmen des Mandats der EZB möglich seien.

Zinsen

„Die Zinsen werden niedrig, niedrig, niedrig bleiben. Die Geldflut der Zentralbanken wird anhalten“, prognostizierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau im Dezember. Europas Währungshüter selbst haben immer wieder bekräftigt, dass sie die Zinsen auf absehbare Zeit nahe Null halten werden. Dass der Leitzins im Euroraum noch unter das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt wird, gilt allgemein als unwahrscheinlich. Draghi selbst hatte eingeräumt, beim Leitzins sei „der untere Rand erreicht“.

Die Wahl in Griechenland, die Reform- und Spargegner an die Macht gebracht hatte, sei „ein Beleg dafür, dass die Bevölkerung in etlichen Ländern schmerzliche Reformen nicht mitträgt und Sehnsucht nach einfachen Lösungen hat. Das ist in der gesamteuropäischen Entwicklung durchaus gefährlich.“

Das schwierige Umfeld zwinge die Bankenbranche zum Reagieren: „Der Kostendruck müsste zu größeren Instituten führen. Allerdings sind Fusionen zumindest säulenübergreifend in Deutschland kaum möglich“, analysierte Müller. „Banken werden sich stärker fokussieren müssen. Das heißt nicht, dass wir unbedingt weniger Institute in Deutschland brauchen, aber wir brauchen Banken mit einer klareren Ausrichtung.“

Allerdings sei es im umkämpften deutschen Markt schwierig, „einen angemessenen Preis für bestimmte Bankdienstleistungen zu bekommen“, erklärte Müller. Das Bankhaus Metzler blicke auf ein gutes Geschäftsjahr 2014 zurück: „Wir sind mit dem vergangenen Jahr recht zufrieden“, sagte der persönlich haftende Gesellschafter. Die genauen Zahlen veröffentlicht das Institut traditionell im Mai.

Von

dpa

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