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07.08.2014

12:00 Uhr

Miese Konjunktur

Schlittert Deutschland in die Rezession?

Die Produktion in Deutschland entwickelt sich schwach, die Industrieaufträge sind sogar gesunken. Viele Ökonomen befürchten: Die deutsche Wirtschaft könnte im Frühjahr geschrumpft sein.

Nur ein leichtes Plus: Industrie, Energie-Erzeuger und Baubranche können ihre Produktion im Juni kaum steigern. dpa

Nur ein leichtes Plus: Industrie, Energie-Erzeuger und Baubranche können ihre Produktion im Juni kaum steigern.

BerlinNach überraschend schwachen Produktionsdaten könnte die deutsche Wirtschaft im Frühjahr sogar geschrumpft sein. Viele Ökonomen erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt im abgelaufenen Quartal leicht gesunken ist. Grund dafür dürfte die zunehmende Verunsicherung wegen der Ukraine-Krise sein. Zudem ließ die Bauproduktion nach dem starken Jahresauftakt deutlich nach. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte, stellten Industrie, Baubranche und Energie-Erzeuger im Juni zwar erstmals seit Februar mehr her als im Vormonat. Doch der Anstieg von 0,3 Prozent konnte die jüngsten Rückgänge nicht wettmachen. "Die deutsche Wirtschaft leidet unter einer Sommergrippe", beschrieb es Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

Zu Jahresanfang hatte die Wirtschaft noch kräftig um 0,8 Prozent zugelegt. Die Daten galten bei Fachleuten aber als verzerrt, da das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wegen des milden Winters vom boomenden Bau profitierte. Für April bis Juni hatte die Bundesbank mit einem deutlich schwächeren Wachstum gerechnet.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Da es aber zurzeit vor allem in der Industrie nicht rund läuft, befürchten viele Experten nun sogar ein Schrumpfen. Die Commerzbank rechnet mit minus 0,1 Prozent. Auch Christian Schulz von der Berenberg Bank warnte: "Nach den heutigen Daten ist das Risiko groß, dass das Bruttoinlandsprodukt leicht gesunken ist." Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Zahlen am nächsten Donnerstag.

Auch für das laufende Quartal gibt es wegen der Ukraine-Krise bereits dunkle Schatten: "Wir rechnen zwar mit einer Rückkehr zu leichtem Wachstum, der Konflikt mit Russland droht sich jedoch wie Mehltau über die Wirtschaft zu legen", sagte Christian Lips von der NordLB. "Unsere Wachstumsprognose von 2,0 Prozent für 2014 werden wir daher wohl oder übel entsprechend anpassen müssen." Ähnliches kündigten andere Experten an.

Die Industrie-Betriebe stellten im Juni zwar 0,1 Prozent mehr her, ihre Produktion im gesamten zweiten Quartal sank jedoch um ein Prozent. Vor allem bei Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen, die als Gradmesser für die künftige Konjunktur gelten, sank die Produktion den vierten Monat in Folge. Das Wirtschaftsministerium rechnet nur mit einer moderaten Entwicklung. Im Juni waren die Industrieaufträge überraschend um 3,2 Prozent gesunken und damit so stark wie seit September 2011 nicht mehr.

"Deshalb sollten die anderen Länder des Euro-Raums und die Europäische Zentralbank vorerst nicht auf Deutschland als Konjunkturtreiber hoffen", sagte Commerzbanker Wagner. "Damit bleiben aber auch weitere expansive Maßnahmen seitens der EZB in der Diskussion." Die Notenbanker beraten seit dem Morgen über ihre Zinspolitik, konkrete Beschlüsse zu neuen Schritten erwarten Experten für heute allerdings noch nicht.


Von

rtr

Kommentare (13)

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Herr Peter Petersen

07.08.2014, 12:37 Uhr

Macht doch nichts. Dafür verdient der deutsche Staat doch viel Geld mit Bauvorhaben wie Stuttgart 21, kleine und große Flughäfen, die Niemand benötigt oder, die nicht fertig gestellt werden, bankrotte Banken und Staaten, die ganz bestimmt in naher Zukunft ihre Schulden zurückzahlen werden ;-) - also, wozu benötigt Deutschland eine funktionierende Wirtschaft??

Herr richard roehl

07.08.2014, 13:27 Uhr

Das kann doch gar nicht sein, das Propagandaministerium nebst höriger Ökonomen und Journaille verkünden doch seit Monaten, dass es steil nach oben geht, u.a. aufgrund des Euros. Und Weidmann & Co sehen Spielraum für deftige Lohnerhöhungen. Hat das HBO etwa den heutigen Tagesbefehl nicht gelesen?

Frau Margrit Steer

07.08.2014, 14:01 Uhr

Also das kann gar nicht sein.
Schäuble verkündet doch ununterbrochen, dass wir auf einem guten Weg sind
Und im übrigen, auch wenn wir in eine Rezession fallen, das sit alternativlos

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