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24.11.2015

14:29 Uhr

Milliarden-Kredite

Griechische Banken brauchen weniger Hilfe als gedacht

Das dritte Hilfspaket hatte rund 25 Milliarden Euro für die griechischen Banken vorgesehen – offenbar wird jetzt aber deutlich weniger gebraucht. Zwei Institute sollen es gar aus eigener Kraft geschafft haben.

Akropolis in Athen: Deutlich weniger als 25 Milliarden Euro. dpa

Griechenland

Akropolis in Athen: Deutlich weniger als 25 Milliarden Euro.

AthenDie Rekapitalisierung der griechischen Banken wird für die europäischen Partner nicht so teuer wie befürchtet. Die beiden Branchen-Schwergewichte Piraeus und National Bank of Greece werden demnach lediglich europäische Hilfen im Gesamt-Volumen von 5,7 Milliarden Euro benötigen, wie die Regierung in Athen am Dienstag mitteilte. Die beiden anderen großen Institute Eurobank und Alpha haben ihre Kapitallücke demnach bereits über Aktienkäufe von Privatinvestoren ausreichend geschlossen. Ein Vertreter der Euro-Zone hatte vorige Woche den Hilfsbedarf der griechischen Banken auf sechs bis neun Milliarden Euro geschätzt.

Die Europäische Zentralbank hatte die Kapitallücke der vier großen Hellas-Banken vorigen Monat auf bis zu 14,4 Milliarden Euro beziffert. Das ist deutlich weniger als die 25 Milliarden Euro, die im Rahmen des 86 Milliarden Euro schweren dritten Hilfspakets von den europäischen Partnern maximal dafür vorgesehen waren.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Von

rtr

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