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04.12.2014

13:11 Uhr

Mindestlohn

Firmen planen Preiserhöhungen und Personalabbau

Eine Umfrage des Ifo-Instituts zufolge will mehr als die Hälfte der betroffenen Unternehmen auf die Einführung des Mindestlohns reagieren. Je nach Branche werden dabei Preiserhöhungen oder Entlassungen bevorzugt.

Unternehmen verschiedener Branchen wollen auf den Mindestlohn mit Preiserhöhungen und Personalabbau zu reagieren. dpa

Unternehmen verschiedener Branchen wollen auf den Mindestlohn mit Preiserhöhungen und Personalabbau zu reagieren.

MünchenEtwas mehr als die Hälfte der von der Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns betroffenen Firmen will mit Preiserhöhungen, Personalabbau oder anderen Maßnahmen reagieren. Das teilte das Ifo-Institut in München am Donnerstag unter Berufung auf eine eigene Umfrage unter mehr als 6300 Unternehmen verschiedener Branchen mit. Demnach planen 57 Prozent der Firmen solche Schritte. 43 Prozent sehen keinen Grund für Änderungen.

Die Art der bevorzugten Reaktion unterscheidet sich laut Ifo je nach Wirtschaftsbereich. Dienstleister vor allem im Gastgewerbe wollen demnach bevorzugt mit steigenden Preisen reagieren (31 Prozent), während im Einzelhandel vor allem Personalabbau (29 Prozent) sowie reduzierte Arbeitszeiten für Mitarbeiter (33 Prozent) favorisiert werden. In der Industrie planen Firmen hingegen sowohl mit Personalabbau (26 Prozent), steigenden Preisen (23 Prozent) sowie geringeren Sonderzahlungen (23 Prozent).

Die verschiedenen Reaktionen erklären sich dem Institut zufolge unter anderem durch die jeweilige Markt- und Wettbewerbssituation. Dienstleister stünden seltener im internationalen Preiswettbewerb und könnten Erhöhungen eher durchsetzen als etwa Einzelhändler. Die tendierten daher eher dazu, Personal abzubauen. Insgesamt planten Firmen aber meist eine Kombination von Maßnahmen.

Die Umfrage beschränkte sich auf Unternehmen, die von der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2015 betroffen sein werden. Das waren laut Ifo vor allem Firmen aus dem Gastgewerbe (72 Prozent) sowie in geringerem Ausmaß aus dem Einzelhandel (43 Prozent), der Dienstleistungsbranche (31 Prozent) und dem verarbeitenden Gewerbe (21 Prozent). Betriebe aus Ostdeutschland sind demnach mit 43 Prozent deutlich häufiger betroffen als solche im Westen (24 Prozent).

Der Mindestlohn ist den Ifo-Experten zufolge aber nicht für alle Unternehmen aus einer Branche gleichermaßen von Bedeutung, da manche ohnehin höhere Löhne zahlen. Einige Branchen wie der Bausektor blieben ganz außen vor, weil dort bereits ein branchenbezogener Mindestlohn gilt.

Das Gesetz zum allgemeinen flächendeckenden Mindestlohn war im Sommer nach langen und kontroversen Diskussionen von Bundestag und Bundesrat gebilligt worden und tritt zum Jahreswechsel in Kraft. Das von der SPD forcierte Vorhaben ist eines der zentralen Vorhaben der großen Koalition. Arbeitgeber kritisieren es.

Laut Gesetz gilt künftig eine Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde. Es gibt allerdings Ausnahmen für bestimmte Beschäftige sowie Übergangsregelungen, die einzelne Branchen unter gewissen Bedingungen bis Ende 2016 beanspruchen können.

Von

afp

Kommentare (3)

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Herr Thomas Behrends

04.12.2014, 14:12 Uhr

ZITAT:
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"Die Art der bevorzugten Reaktion unterscheidet sich laut Ifo je nach Wirtschaftsbereich. Dienstleister vor allem im Gastgewerbe wollen demnach bevorzugt mit steigenden Preisen reagieren (31 Prozent), während im Einzelhandel vor allem Personalabbau (29 Prozent) sowie reduzierte Arbeitszeiten für Mitarbeiter (33 Prozent) favorisiert werden. In der Industrie planen Firmen hingegen sowohl mit Personalabbau (26 Prozent), steigenden Preisen (23 Prozent) sowie geringeren Sonderzahlungen (23 Prozent)."

Also, das ist ja prima wie deutsche Unternehmer auf die Erhöhung des Mindestlohns auf läppische EUR 8,50/Stunde reagieren; am liebsten sähen sie den Umsatz verdoppelt und die Personalkosten halbiert (also das technisch unmögliche Min-Max-Prinzip).

Ich habe vor Kurzem bei einem Vermieter in M/V (Fischland-Darß-Zingst) angerufen und er teilte mir unverblümt mit seine Preise aufgrund des Mindestlohns erhöhen zu wollen.

Zur Erinnerung: Die Inanspruchnahme eines Mindestlohn-Mitarbeiters kostet den Unternehmer cent-Beträge mehr pro Gast, aber er möchte EURO-Beträge mehr pro Gast und Tag einheimsen.

Das ist eindeutig Profitgier, die Begründung, dass der Mindestlohn zu hoch sei zieht nicht!

Ich werde bei solchen Gastgebern, die die Preise derart erhöhen nicht buchen! Tun Sie es mir gleich, die Jungs verdienen an uns schon genug Geld.

Frau Frauke Müller

04.12.2014, 15:00 Uhr

Bei Frisören ist die Sache klar: Wenn der Salon die Preise wegen des Mindestlohns erhöhen muss, dann wird halt zu hause geschnippelt. Der Haarschneider hat dann auch mehr davon da der gierige Staat nicht dazwischen hängt.

Das Problem ist schließlich nicht die Lohnhöhe, sondern die exorbitanten Steuern und Sozialabgaben.

Für den Staat und seine Vasallen-Medien ist es aber viel leichter auf die bösen Unternehmer zu zeigen, als an Steuern und Sozabgaben was zu ändern.

Herr D. Dino54

05.12.2014, 11:08 Uhr

Es ist durchsichtig, plump und zuwider, diese ewigen peinlichen "Drohungen"!

Enttäuscht bin ich nur, das es leider immer noch Arbeitnehmer gibt, im 21.Jahrhundert, die es mit sich machen lassen !!!

Reicht es nicht aus, das uns die Politik und fragwürdige Lobby-Gruppen uns fast ins 19.Jahrhundert katapultiert haben, u.a. im Arbeitsrecht ?



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