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08.01.2008

10:09 Uhr

Minus von bis zu 30 Prozent

US-Firmengewinne brechen ein

VonMatthias Eberle, Ulf Sommer

Der mächtigsten Wirtschaft der Welt droht nach einer Serie von Rekordjahren die Puste auszugehen. Nach einem bereits markanten Gewinnminus der US-Konzerne im dritten Quartal erwarten Finanzexperten auch für das Schlussquartal 2007 deutliche Ergebnisrückgänge. Und auch in Europa soll sich das „goldene Zeitalter“ dem Ende nähern.

US-Gewinne: Ökonomen erwarten für das Schlussquartal 2007 ein Minus von bis zu 30 Prozent. Foto: Reuters

US-Gewinne: Ökonomen erwarten für das Schlussquartal 2007 ein Minus von bis zu 30 Prozent. Foto: Reuters

NEW YORK/DÜSSELDORF. David Wyss, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P), rechnet für die Unternehmen im US-Börsenindex S&P 500 mit einem 30-prozentigen Einbruch beim Gewinn pro Aktie. Das wäre der schärfste Rückgang seit fünf Jahren.

Der US-Finanzdatenanbieter Thomson Financial, bei dem die Prognosen der Analysten zusammenlaufen, erwartet branchenübergreifend einen Ergebnisrückgang von knapp zehn Prozent. Der Aluminium-Riese Alcoa legt morgen als erster renommierter US-Konzern seine Schlusszahlen für 2007 vor. In Europa erwarten Experten zwar keine Gewinnrückgänge als Folge der Immobilien- und Finanzkrise. Doch die Jahre zweistelliger Zuwachsraten sind Analysten zufolge beendet.

Belastet werden die trüben US-Prognosen insbesondere von den Firmen der Finanzbranche, für die im Zuge horrender Milliardenabschreibungen im Schlussquartal ein Gewinneinbruch um mehr als 60 Prozent erwartet wird. Außerdem senden mit der Bau- und Autobranche zwei weitere US-Schlüsselindustrien deutliche Krisensignale. Zyklische Konsumgüterfirmen beginnen ebenfalls zu leiden, deren Gewinne sind bereits im dritten Quartal laut Thomson Financial um 22 Prozent eingebrochen. Das Schlimmste komme erst noch, warnt Howard Davidowitz von der New Yorker Unternehmensberatung Davidowitz Associates: „Wir befinden uns in Runde drei eines Zwölf-Runden-Kampfes.“

Insbesondere das Debakel im Finanzsektor hat signifikante Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft, weil an der Wall Street nicht nur Tausende von Stellen gestrichen und Investitionen gekappt werden, sondern darüber hinaus die Kreditvergabe erschwert und verteuert wird. „2008 werden wir eine Rezession der US-Wirtschaft sehen“, prophezeit David Rosenberg von Merrill Lynch seit Wochen. Auch Nouriel Roubini, renommierter Ökonom und Professor an der Stern School of Business der New York University, hält eine Rezession für unvermeidlich. „Die Frage ist nur noch, wie hart die harte Landung ausfallen wird“, schreibt Roubini in seinem Internet-Blog RGE Monitor.

Die skeptischen Stimmen der Ökonomen kontrastieren mit den Berechnungen der Börsen-Analysten, die im Auftaktquartal 2008 bereits wieder eine Wende zum Positiven erwarten. Mit Ausnahme des Finanzsektors sagen die Analysten Gewinnzuwächse in allen Branchen voraus. Zuletzt wurden sie mit derlei optimistischen Prognosen aber völlig auf dem falschen Fuß erwischt.

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