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09.10.2014

11:45 Uhr

Monatsbericht der EZB

Konjunktur im Euroraum weiterhin in Gefahr

Der Monatsbericht der EZB schlägt weiter Alarm: Die Gefahr für die Euro-Konjunktur sei „immens“. Die Krisenherde hemmten vor allem private Investitionen. 2015 soll dies anders werden, prognostizieren die Notenbanker.

„Die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Währungsgebiet sind nach wie vor abwärtsgerichtet“, heißt es im EZB-Monatsbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. dpa

„Die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Währungsgebiet sind nach wie vor abwärtsgerichtet“, heißt es im EZB-Monatsbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

FrankfurtDie Gefahren für die Konjunktur im Euroraum sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin immens. „Die Risiken für den Wirtschaftsausblick im Euro-Währungsgebiet sind nach wie vor abwärtsgerichtet“, heißt es im EZB-Monatsbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Nach Einschätzung der Notenbank drohen die weltweiten Krisenherde das Vertrauen und vor allem die private Investitionstätigkeit zu beinträchtigen. „Zudem stellt der unzureichende Fortschritt bei den Strukturreformen in Ländern des Eurogebiets ein wesentliches Abwärtsrisiko für den Wirtschaftsausblick dar“, schreiben die Währungshüter.

2014 – ein heikles Jahr für die EZB

Neue Bleibe

In gebührendem Abstand zu den Bankentürmen im Westend entsteht in Frankfurt das neue Hauptquartier der EZB. Wann genau die Notenbanker dort einziehen werden, ist noch nicht klar - geplant ist aber 2014. Die EZB bleibt aber auch im Frankfurter Euro-Tower. Hier werden die Bankenaufseher untergebracht. Geldpolitiker und Aufseher sollen also nach den Umzügen nicht unter einem Dach arbeiten - Interessenskonflikte sollen so auf ein Minimum reduziert werden.

Neues Mitglied

Sabine Lautenschläger ist anstelle von Jörg Asmussen ins EZB-Direktorium eingezogen. Ebenfalls neu ist Lettlands Zentralbankchef Ilmars Rimsevics. Lettland ist das 18. Land, das den Euro eingeführt hat.

Neue Offenheit

Lautenschläger, Rimsevics und die anderen Notenbanker müssen sich an eine neue Offenheit der EZB gewöhnen. Die Zentralbank könnte schon bald wie etwa die Federal Reserve in den USA Protokolle oder zumindest schriftliche Zusammenfassungen der Sitzungen des EZB-Rats publik machen.

Draghi will dem EZB-Rat dazu schon bald einen konkreten Vorschlag machen. Umstritten ist, wie genau sich die Öffentlichkeit künftig ein Bild vom Abstimmungsverhalten der einzelnen Notenbanker machen kann.

Neue Instrumente

Die EZB geht mit einem rekordniedrigen Leitzins ins Jahr 2014: Seit November können sich die Geschäftsbanken bei ihr für 0,25 Prozent Zinsen refinanzieren. Zudem hat der EZB-Rat beschlossen, dass die Institute noch bis mindestens Mitte des übernächsten Jahres so viel Liquidität bekommen, wie sie bei der EZB abrufen - ohne Obergrenze. Damit ist das Finanzsystem zwar geschützt gegen Liquiditätsengpässe, doch stockt der Kreditfluss in den besonders krisengeplagten Ländern Südeuropas.

Zudem ist die Inflation in der Eurozone aus Sicht der Notenbanker zu niedrig. Die Zentralbanker betonen seit der letzten Zinssenkung, dass sie noch zahlreiche Pfeile im Köcher haben. Dazu gehören unter anderem weitere milliardenschwere Geldspritzen, um die Banken flüssig zu halten, sowie ein Strafzins für Banken, die Gelder lieber bei der EZB parken, als sie an Unternehmen und Haushalte als Kredit weiterzureichen.

Neue Banken

Wenn die EZB wie geplant im November 2014 die Oberaufsicht über die Banken der Währungsunion übernimmt, hat sie zumindest die 128 größten Institute bereits auf Herz und Nieren geprüft. Denn in den nächsten Monaten steht der größte Gesundheitscheck der Branche auf dem Programm, den es je gegeben hat.

Ziel der EZB ist es, die Banken möglichst besenrein, also ohne schlummernde Altlasten in den Bilanzen, zu übernehmen.

Für 2015 rechnet die Notenbank nach wie vor mit einer „mäßigen Erholung“ der Wirtschaft im Euroraum. Die Binnennachfrage dürfte nach EZB-Einschätzung durch das billige Zentralbankgeld begünstigt werden, der Export sollte von der erwarteten globalen Erholung profitieren.

Die EZB hofft, mit ihren neuen Sonderprogrammen die schwache Kreditvergabe gerade in Südeuropa ankurbeln zu können und so der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen. In der zweiten Oktoberhälfte soll der Erwerb von Pfandbriefen (Covered Bonds) beginnen, im vierten Quartal folgt der Einstieg in den Kauf von Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities/ABS).

Dabei ist die EZB grundsätzlich bereit, auch Schrottpapiere etwa aus Griechenland und Zypern zu erwerben. Ziel der umstrittenen Programme ist, Banken Freiräume für neue Kredite zu verschaffen. „Durch die neuen Maßnahmen werden bestimmte Marktsegmente gestützt, die für die Finanzierung der Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielen“, erklären die Währungshüter.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

09.10.2014, 19:56 Uhr

Die EZB sollte doch einmal eine krisitsche Analyse ihrer Politik veröffentlichen.

Was hat sie unternommen?
Was hat sie erreicht?
Wessen Vermögen hat sie vernichtet?
Wo wurde das Vermögen aufgebaut?

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