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09.08.2012

11:21 Uhr

Monatsbericht

EZB bekräftigt Ja zu Anleihenkäufen

Die EZB hat genug von Gerüchten über Krisenszenarien im Euroraum und will ihnen mit Anleihenkäufen „grundlegend begegnen“. An der Konjunkturprognose von Beobachtern ändert das nichts. Sie kennt vorerst nur eine Richtung.

Anlässlich ihres Monatsberichts hat die EZB sich erneut zum Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder bekannt. dapd

Anlässlich ihres Monatsberichts hat die EZB sich erneut zum Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder bekannt.

Berlin/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Bereitschaft bekräftigt, wieder Staatsanleihen zu kaufen. „Die Kurse der Staatsanleihen einiger Länder enthalten außergewöhnlich hohe Risikoprämien, und die Wirksamkeit der Geldpolitik wird durch die Fragmentierung der Finanzmärkte beeinträchtigt“, hieß es am Donnerstag im EZB-Monatsbericht. Risikoprämien, die auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone abzielten, seien nicht akzeptabel und dem müsse „grundlegend begegnet werden“. Ausdrücklich bezeichnete die EZB den Euro als „irreversibel.“

Mit den umstrittenen Anleihekäufen will die Notenbank die Risikoprämien für hoch verschuldete Euro-Staaten wie Spanien oder Italien drücken, die sich seit Monaten nur mit großer Mühe an den Märkten frisches Geld besorgen können. Die Notenbank knüpft ihre Hilfe jedoch an Bedingungen: Notwendige Voraussetzungen seien, dass die Regierungen ihre Verpflichtungen einhalten und die Rettungsfonds EFSF und ESM „ihre Aufgaben erfüllen“.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am vergangenen Donnerstag angekündigt, dass die Notenbank auf dem Anleihemarkt wieder aktiv werden könnte. Die EZB hatte im Mai 2010 gegen deutschen Widerstand ein Kaufprogramm für Bonds aufgelegt. Aktuell hat sie Staatspapiere im Wert von 211,5 Milliarden Euro in der Bilanz. Das Programm ruht seit Mitte März.

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone bleibt nach Einschätzung der Währungshüter schwach. Inflationsgefahren sieht die EZB nicht. Die Inflationsrate sollte im Jahresverlauf 2012 weiter zurückgehen und 2013 unter der Marke von zwei Prozent liegen.

Professionelle EZB-Beobachter haben ihre Konjunkturprognose für die Eurozone indes gesenkt. Laut der am Donnerstag veröffentlichten vierteljährlichen Umfrage der Notenbank unter Analysten ihrer Geldpolitik rechnen diese 2012 mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. In der vor drei Monaten veröffentlichten Umfrage hatten sie noch minus 0,2 Prozent veranschlagt. Zugleich blicken sie skeptischer auf das Jahr 2013: Dann soll sich ein Wachstum um 0,6 Prozent einstellen. Zuletzt hatten sie noch plus ein Prozent veranschlagt. 2014 soll sich das Wachstum dann auf 1,4 Prozent beschleunigen.

Die Prognose für die Entwicklung der Inflation im laufenden Jahr behielten die Beobachter mit 2,3 Prozent bei. Damit würde der Preisdruck über der von der Europäischen Zentralbank (EZB) veranschlagten Zielmarke von knapp zwei Prozent bleiben. Erst nächstes Jahr wird das Inflationsziel mit einer prognostizierten Teuerungsrate von 1,7 Prozent wieder unterschritten.

Kommentare (7)

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09.08.2012, 12:16 Uhr

Draghi und seine Mehrheit im ESZB hat überhaupt nichts begriffen. In seiner Ignoranz und in seiner Arroganz bildet er sich ein, er könne die Märkte steuern - die werden ihm was husten.

Er kann mit seinen großartigen Ankündigungen vermutlich die Marktteilnehmer zu wilden Reaktionen veranlassen. Eine strategische Notenbankpolitik und eine verläßliche Geldpolitik sieht allerdings ganz anders aus.

Wer hat diesen Menschen bloß an die Spitze eines Währungssystems befördert - ach ja, wir wissen es längst alle, es waren die Politiker der Schuldenstaaten.

Logical

09.08.2012, 12:31 Uhr

Das ist aber leicht zu durchschauen:
Der Dax tritt auf der Stelle, die Börsen sind völlig überkauft. Das alles auf Basis irgendwelcher Versprechungen von Draghi, die nun langsam in den Märkten verpuffen. Es gibt kaum noch Umsätze, weil keiner mehr dem Braten traut.
Prompt kommt heute die Nachricht, "EZB bekräftigt Ja zu Anleihenkäufen".
Die Kleinanleger sollen endlich reinspringen in die Märkte.
Entsprechend lasen wir ja auch gestern, dass die Kleinanleger die Aktie wieder entdeckt hätten.....
Also, rein, Kleinanleger, denn die Großen, die bei 6400 eingestiegen sind, wollen raus!
Ist es nicht in Wirklichkeit so, dass der Austritt Griechenlands so ziemlich unmittelbar bevorsteht? Es wurde für diesen Fall ein Beben an den Märkten prophezeit, das das der Lehmann-Pleite bei weitem in den Schatten stellen sollte. Freilich: Nun beeilt man sich zu sagen, das sei alles „beherrschbar“ – aha, auf einmal, so so.
Das Spiel, mittels dessen die Kleinanleger übers Ohr gehauen werden, läuft doch eigentlich seit 25 Jahren mit der Dax 7000er-Marke.
So ein offensichtliches Mannöver:
Fazit: Die EZB inszeniert eine Spekulationsblase, mittels derer die Kleinanleger abgezockt werden können.

Tom

09.08.2012, 12:42 Uhr

"Ausdrücklich bezeichnete die EZB den Euro als „irreversibel.“" so wie die Mauer oder das tausend jährige Reich, was !? Das ich nicht lache. Der Euro ist spätestens seit dem Tag zum Tode verurteilt, an dem die EZB sich unglaubwürdig gemacht hat und das war im Mai 2010. Wenn eine Zentralbank gegen ihre eigenen Regeln "dauerhaft" verstößt, wird sie unglaubwürdig und der Vertraunsverlust in die Währung ist nur ein Frage der Zeit. Ist der einmal gekommen war's das.

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