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20.01.2005

11:55 Uhr

Monatsbericht

EZB sieht keine Inflationsgefahr

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach wie vor keine akuten Inflationsgefahren ausgemacht, bleibt aber weiter in Lauerstellung. Der kurzfristige Inflationsdruck habe wegen des Ölpreisrückgangs etwas nachgelassen, und es gebe noch immer keine Anzeichen für Preisdruck in der Binnenwirtschaft, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten EZB-Monatsbericht Januar.

HB FRANKFURT. Der EZB-Rat habe deshalb den Leitzins von 2,00 % erneut unverändert gelassen. Auf mittlere Sicht gebe es aber weiterhin Risiken für die Preisstabilität, die genau beobachtet werden müssten. Die Teuerungsrate soll im Lauf des Jahres unter zwei Prozent sinken. Im Januar und März werde der Preisanstieg durch statistische Basiseffekte gedämpft: In den Vergleichsmonaten des Vorjahres waren nämlich Gesundheitskosten und Tabaksteuern überdurchschnittlich stark gestiegen.

Die EZB wird angesichts eines weitgehend stabilen Preisniveaus nach Einschätzung von Analysten den Schlüsselzins noch länger historisch niedrig lassen, zumal die Konjunkturerholung weiter nur schleppend verläuft. Jüngste Daten deuteten auf anhaltend moderates Wachstum hin, heißt es dazu im Monatsbericht. Ausdrücklich wird die Euro-Aufwertung als „unerwünscht“ für das Wirtschaftswachstum bezeichnet. Diese Einschätzung gab es schon in der Erklärung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach dem Zinsbeschluss am 13. Januar, die im Bericht wie üblich wiederholt wird. Nach dem Rekordhoch des Euro über 1,36 Dollar zum Jahresende hat sich der Kurs in den vergangenen Tagen um 1,30 Dollar bewegt.

Die EZB bekundet jedoch weiter Wachsamkeit über mögliche Risiken für die Preisstabilität, die sie bei Raten knapp unter zwei Prozent erreicht sieht. So müssten sich die Tarifparteien weiterhin verantwortlich verhalten, also hohe Lohnsteigerungen in Reaktion auf die vergangene Energieverteuerung vermeiden. Auch die indirekten Steuern und andere staatlich festgelegte Preise müssten beobachtet werden. Es sei unbedingt zu vermeiden, dass sich ein kurzfristiger Anstieg der Verbraucherpreise auf die langfristigen Inflationserwartungen durchschlage.

Im vergangenen Jahr hatte vor allem der starke Ölpreisanstieg auf über 50 Dollar je Barrel (=159 Liter) dafür gesorgt, dass die Teuerungsraten zumeist etwas über zwei Prozent verharrten. Zur Jahreswende hatte ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent nur noch rund 40 Dollar gekostet, inzwischen wurden wieder Preise über 46 Dollar erreicht.

Die unmittelbaren Auswirkungen der Rohölpreise auf die Verbraucherpreise lassen sich nach einer Analyse der EZB sehr gut mit den Daten des wöchentlichen Oil Bulletins der EU-Kommission beobachten. Darin werden Verbraucherpreise für Mineralölerzeugnisse erfasst, und zwar für Superbenzin, Diesel und Heizöl. Ein Vergleich mit der Rohölpreisentwicklung ergab, dass sich die Ölpreise schon innerhalb von zwei Wochen auf die Öl-Verbraucherpreise niederschlagen.

Die EZB bekräftigte, die Inflationsrate werde im Lauf dieses Jahres unter zwei Prozent sinken, wenn es nicht erneut zu Preisschocks komme. Im Dezember lag die Rate wie schon seit Mai etwas über zwei Prozent, bei 2,4 %. Statistische Basiseffekte werden dem Bericht zufolge die Jahresteuerungsraten Anfang 2005 dämpfen. So hatte sich im Januar 2004 durch die Gesundheitsreform in Deutschland die Gesundheitskomponente im Verbraucherpreisindex um 5,7 % erhöht, während im langjährigen Durchschnitt zu Beginn eines Jahres die Gesundheitskosten um nur 0,9 % steigen. Durch den übermäßigen Anstieg im Vorjahr wird die Gesamtinflationsrate nach EZB-Berechnung im Januar um 0,2 %punkte gedämpft. Ein ähnlicher Effekt wird sich im März ergeben wegen des Anstiegs der Tabaksteuer in mehreren Ländern 2004, dies werde die Teuerungsrate um 0,1 %punkte drücken.

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