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18.11.2014

12:31 Uhr

Nach Abkommen mit China

Australien strebt nun auch Freihandel mit Indien an

Nach seinem Freihandelspakt mit China will Australien nun auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu Indien stärken. Das Abkommen soll den Handel zwischen beiden Ländern vorantreiben.

Indiens Premierminister Narendra Modi (links) mit seinem australischen Amtskollegen Tony Abbott. AFP

Indiens Premierminister Narendra Modi (links) mit seinem australischen Amtskollegen Tony Abbott.

CanberraAustralien will nach dem Abschluss eines umfassenden Freihandelspakts mit China wirtschaftlich auch näher an Indien heranrücken. Ministerpräsident Tony Abbott und sein indischer Kollege Narendra Modi sprachen sich am Dienstag in Canberra für einen ähnliches Abkommen aus, das den Handel zwischen den beiden Ländern vorantreiben soll.

Dieser beläuft sich derzeit auf rund 15 Milliarden Dollar im Jahr, was etwa einem Zehntel des Volumens zwischen Australien und China entspricht. „Wir wollen weitergehen und deshalb ist die nächste Priorität für Australien eine umfassende wirtschaftliche Partnerschaftsvereinbarung mit Indien“, sagte Abbott.

Was ein Freihandelsabkommen zwischen EU und USA bringt

Was bringt ein Freihandelsabkommen?

Die Zölle zwischen den USA und den EU sind bereits niedrig. Sie liegen im Schnitt zwischen fünf und sieben Prozent, sagt der deutsche Außenhandelsverband BGA. Da jedoch jährlich Waren im Wert von mehr als einer halben Billion Euro über den Atlantik hin- und herbewegt werden, kann die Wirtschaft Milliarden sparen. Europäische Chemieunternehmen haben 2010 für Exporte in die Vereinigten Staaten fast 700 Millionen Euro in die US-Staatskasse gezahlt. Umgekehrt führten die USA gut eine Milliarde Euro nach Brüssel ab. Wirtschaftsverbände erwarten durch den Fall der Zollschranken weniger Bürokratie für mittelständische Unternehmen und mehr Geld für Investitionen, etwa in Forschung und Entwicklung.

Wie könnte Deutschland profitieren?

Die deutsche Wirtschaft verspricht sich Impulse in Milliardenhöhe. "Das Freihandelsabkommen könnte unsere Exporte in die Vereinigten Staaten um jährlich drei bis fünf Milliarden Euro erhöhen", sagt der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham) rechnet mit einem zusätzlichen Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von 1,5 Prozent. Viele Unternehmen hoffen zudem darauf, einen besseren Zugang zu öffentlichen Aufträgen in den USA zu bekommen.

Welche Streitfragen drohen?

Fast unlösbar scheinen die unterschiedlichen Auffassungen zwischen den USA und der EU in Fragen der Landwirtschaft. "Für die Amerikaner sind Hormonfleisch und Genmais kein Problem, für Europäer ist das dagegen ein 'No-Go'", sagt der Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes BGA, Jens Nagel. "Da kann man sich auch nicht in der Mitte treffen." Die Handelskammer AmCham Germany empfiehlt daher, dass Thema außen vor zu lassen. "Das Thema Agrar würde die Gespräche nur belasten", sagt AmCham-Ehrenpräsident Fred Irwin. "Deshalb wäre es gut, das beiseite zu schieben."

Wo gibt es noch Knackpunkte?

Bei der Angleichung technischer Standards. "Das fängt bei der Länge der Stoßstangen an und hört beim Krümmungswinkel des Rückspiegels auf", sagt BGA-Experte Nagel. "Hier gibt es seit Jahrzehnten unterschiedliche Standards, die sich nicht in wenigen Jahren angleichen lassen." Die Chemieindustrie fordert, vor allem Umwelt-, Verbraucher- und Gesundheitsschutz stärker aufeinander abzustimmen.

Wie werden China und Co. reagieren?

Die deutschen Exporteure warnen davor, aus dem Freihandelsabkommen eine Art Wirtschafts-Nato zulasten anderer Handelspartner zu schmieden. "Uns stört das Gerede um eine Wirtschafts-Nato", sagte der Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes BGA, Jens Nagel. "Ein Freihandelsabkommen ist nicht dazu da, sich gegen Dritte abzuschotten nach dem Motto 'Jetzt verbünden wir uns gegen die bösen Chinesen'." In der Politik wird das zum Teil genau andersherum gesehen. "Es bleibt nur noch wenig Zeit, gemeinsam mit den USA Standards zu prägen, bevor Wachstumsmärkte wie China und Indien den Takt angeben", sagte der Geschäftsführer des CDU-Wirtschaftsrats, Thomas Raabe.

Was haben die Verbraucher davon?

Sie können Produkte billiger einkaufen, verspricht beispielsweise der Verband der Automobilindustrie (VDA). "Das würde auch die Kosten eines Autos für den Verbraucher senken", sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Auch andere Branchen können mit einer Kostensenkung rechnen. Ob sie den Vorteil an ihre Kunden weitergeben oder den eigenen Gewinn damit steigern, bleibt ihnen überlassen. Produkte können außerdem schneller erhältlich sein, wenn sie einheitlich zugelassen werden - etwa wenn die US-Aufsicht FDA ein neues Medikament freigibt, das damit automatischen die Zulassung in den EU erhält. (Reporter: René Wagner; Redigiert von Scot W. Stevenson)

Sollten sich auch die Handelsschranken zu Indien öffnen, würde Australien seinen Unternehmen leichteren Zugang verschaffen zu den zwei bevölkerungsreichsten Ländern der Erde, in denen zusammen mehr als ein Drittel aller Menschen leben.

Erst am Montag hatte Australien mit China ein Abkommen unterzeichnet, durch das nach der vollen Umsetzung Australier 95 Prozent ihrer Exporte in die Volksrepublik zollfrei verschicken können – von Wein über Baumwolle und Milch bis zu Kupfer und Aluminium.

Im Moment laufen weltweit zahlreiche Verhandlungen über Freihandelsabkommen, die für ein höheres Wirtschaftswachstum in den teilnehmenden Staaten sorgen sollen. So wollen die EU und die USA viele Handelsschranken beseitigen.

Von

rtr

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