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06.06.2014

16:30 Uhr

Nach EZB-Maßnahmen

Bundesbankpräsident fordert Zurückhaltung

Nach der Zinssitzung kündigte EZB-Chef Mario Draghi weitere Maßnahmen im Kampf gegen die Deflation an. Als nächster Schritt wird ein Wertpapierankaufprogramm erwogen. Der Bundesbankpräsident fordert Zurückhaltung.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann spricht sich gegen eine „schnelle nächste Runde“ im Kampf gegen die Deflation aus. Reuters

Bundesbankpräsident Jens Weidmann spricht sich gegen eine „schnelle nächste Runde“ im Kampf gegen die Deflation aus.

BerlinNach dem umfangreichen Maßnahmenpaket der EZB im Kampf gegen eine Deflation fordert Bundesbankpräsident Jens Weidmann Zurückhaltung vor weiteren Schritten. „Der EZB-Rat hat mit sehr umfassenden Maßnahmen gehandelt. Jetzt müssen wir erst mal abwarten, wie das Beschlossene wirkt“, sagte das deutsche EZB-Ratsmitglied der „Bild“-Zeitung laut Vorabbericht vom Freitag. „Es ist doch abwegig, jetzt gleich die nächste Runde einzuläuten“, fügte er hinzu. Die EZB dürfe nicht zur Bad Bank des Euroraums werden. „Und meine Position zu Staatsanleihekäufen hat sich nicht geändert“, sagte der Bundesbankchef.

EZB-Chef Mario Draghi hatte nach der EZB-Zinssitzung am Donnerstag betont, die EZB sei mit dem beschlossenen Maßnahmenpaket „noch nicht am Ende“. Als weitert Maßnahme zur Abwehr einer Deflation wird in der EZB ein Wertpapierankaufprogramm erwogen.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Es wird aber nach den Worten von EZB-Vizechef Vitor Constancio wohl nur dann eingesetzt, wenn die Euro-Zone wirtschaftlich ins Trudeln zu geraten drohe.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

06.06.2014, 17:08 Uhr

Jetzt kann sich Weidmann seine Kommentare auch sparen, nachdem man Draghi längst eine General-Vollmacht erteilt hat, die Schulden von Italien, Griechenland & Friends auf die anderen Länder und ihre Sparer + Steuerzahler abzuwälzen. Wird jetzt auch nicht lange dauern, dass sich die Staaten direkt aus der Deckung wagen mit neuen "kreativen" Ideen für mehr "Solidarität in Europa". Griechenland hat sowieso nie im entferntesten daran gedacht, jemals auch nur 10% seiner Kredite zurückzuzahlen. Und die anderen Weichwährungsländer denken nun nicht im entferntesten mehr daran, schmerzhafte Reformen zu planen geschweige denn umzusetzen. Wieso auch, wenn jetzt garantiert ist, dass man sich für die nächsten 10 Jahre wieder für lau weiter verschulden kann (dank der Haftungsübernahme durch die noch halbwegs solventen Staaten). Und wenn das nicht reicht, werden halt noch ein paar Umverteilungs-Mechanismen unter dem Namen "Union" eingeführt, also neben der "Banken-Union" auch noch die bereits geforderte "Arbeitslosenversicherungs-Union" und demnächst wird der Ruf nach einer gemeinsamen "Rentenversicherungs-Union" auch noch kommen so sicher wie das Amen in der Kirche...

Account gelöscht!

06.06.2014, 17:22 Uhr

Tschüss Herr Weidmann - Ihre Kommentare können Sie sich doch komplett sparen. Sie haben gegenüber "Super-Mario" eh nichts mehr zu melden und der wird den Euro verteidigen, wie Paulus einst Stalingrad - bis zur letzten Kugel und ohne Rücksicht auf Verluste.

Account gelöscht!

06.06.2014, 17:45 Uhr

Nur die Wahl von alternativen Parteien kann den Spuk beenden. Diesen Parteien wird täglich der Boden bereitet. Die EU rückt massiv nach rechts.

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