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22.01.2015

12:35 Uhr

Nach Franken-Abkopplung

SNB gab Euro-Orientierung aus Kostengründen auf

Die Nationalbank musste offenbar täglich Milliardenbeträge investieren, um den Frankenkurs künstlich niedrig zu halten – so erklären die verantwortlichen Funktionäre der SNB nun das Ende der Kopplung.

Sie wollten die Folgen der Euroschwäche nicht länger tragen: Die SNB-Funktionäre um Vorstandschef Thomas Jordan.

Sie wollten die Folgen der Euroschwäche nicht länger tragen: Die SNB-Funktionäre um Vorstandschef Thomas Jordan.

ZürichDie Schweizer Notenbank hat den Mindestkurs des Franken zum Euro wegen zu hoher Kosten aufgegeben. „In den Tagen vor dem Entscheid wurden die Interventionsbeträge immer größer“, sagte Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg in einem Interview der Zeitung „Blick“. Hochgerechnet auf einen Monat hätte die Notenbank alleine im Januar für 100 Milliarden Franken am Markt eingreifen (intervenieren) müssen, sagte Zurbrügg.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte in der vergangenen Woche völlig überraschend den Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro aufgegeben und damit für heftige Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Mit dem Mindestkurs sollte verhindert werden, dass der Franken noch an Stärke gewinnt und so Schweizer Exporte verteuert, was nach der Freigabe dann doch geschah.

Das sagten Experten am 15. Januar zum Schweizer Manöver

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW Berlin

„Die Entscheidung der Schweizer Notenbank war längst überfällig. Ihre Wechselkurspolitik hat zwar in den vergangenen Jahren Schweizer Exporteure geschützt und deren Wettbewerbsfähigkeit durch einen schwächeren Franken unterstützt. Diese Politik könnte sich jedoch als enorm teurer Fehler erweisen. Denn der Franken wird langfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Die Wertverluste auf die Devisenreserven könnten deshalb enorm groß werden. Der Zeitpunkt der Entscheidung ist sicherlich nicht zufällig. Die Erwartung eines Anleihenkaufprogramms der EZB sollte den Euro mittelfristig weiter schwächen, und damit die sonst notwendigen Ankäufe und diese Verluste für die Schweizer Notenbank erhöhen.“

Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbands Economiesuisse

„Es war von Anfang an klar, dass die Wechselkursuntergrenze eine temporäre Maßnahme sein soll. Auch die Wirtschaft strebt im Prinzip eine Rückkehr zu flexiblen Wechselkursen an, aber nicht jetzt. Denn in der gegenwärtig angespannten Situation ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einem Überschießen des Frankens kommt. Wir sind davon ausgegangen, dass die Wechselkursuntergrenze für die nächsten Monate noch halten wird.

Wir sind jetzt weit jenseits der Kaufkraftparität, die ich auf 1,29 Franken pro Euro schätze. Mit einer leichten kontinuierlichen Aufwertung kann die Wirtschaft leben. Aber bei einer schockartigen Aufwertung ist die Industrie überfordert. Das wird sehr große Probleme geben.

Es bricht eine schwierige Zeit für die Schweizer Unternehmen an. Dies gilt vor allem für die Export- und Zuliefer-Industrie sowie für den Tourismus. Die Planungssicherheit ist vorderhand weg. Entscheidend ist jetzt, wo sich der Euro einpendeln wird. Mit 1,15 Franken kann die Wirtschaft leben. Bei 1,05 würde es zu einem größeren Einbruch kommen.“

Schweizerischer Gewerkschaftsbund

„Der Entscheid der SNB, den Mindestkurs aufzuheben, gefährdet die Löhne und Arbeitsplätze in der Exportwirtschaft massiv und erhöht die Deflationsgefahren in der Schweiz. Auch zum Kurs von 1,20 gegenüber dem Euro war der Franken nach wie vor deutlich überbewertet. Mit der Aufhebung der Untergrenze ist der Devisenspekulation nun Tür und Tor geöffnet. Es ist mit einer unkontrollierten Aufwertung zu rechnen. Die bereits heute unter dem überbewerteten Franken leidende Exportwirtschaft (Industrie/Tourismus) wird zusätzlich belastet.“

Christian Lips von der NordLB

„Die SNB scheint nicht mehr an eine Durchsetzbarkeit für den Fall eines EZB-Staatsanleihenankaufprogramms zu glauben – und könnte sich doch mit der Panikreaktion in eine Sackgasse manövriert haben. Zumindest ist die Kommunikation der SNB – bei allem Wohlwollen – als missglückt zu bezeichnen.“

JP Morgan Research

„Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat – sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen.

Das ist zwar die sauberste Option für die SNB – alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem größten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen.“

Thomas Gitzel von der VP Bank

„Die SNB beugt sich dem Marktdruck, setzt aber ein Teil ihrer Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Die Interventionen der vergangenen Wochen waren wohl für die eidgenössischen Währungshüter zu viel. Bei der Einführung des Mindestwechselkurses war an punktuelle Interventionen gedacht, nicht aber an permanente. Letztlich dürfte aber auch die Gold-Initiative eine gewisse Rolle bei der Entscheidung gespielt haben. (...) Da der Franken auf den aktuellen Kursniveaus deutlich gegenüber dem Euro überbewertet ist, sollten sich nach einer Übertreibungsphase wieder höhere Kursniveaus beim Währungspaar Euro-Franken einstellen.“

Jefferies-Stratege Jonathan Webb

„Die Entscheidung der SNB hat den Markt völlig überrascht. Die SNB geht vermutlich davon aus, dass die EZB in der kommenden Woche auf ihrer Ratssitzung ihre Geldpolitik weiter lockern wird. Angesichts der anstehenden Wahlen in Griechenland wäre es für die Schweizer ziemlich schwierig, den Mindestkurs aufrecht zu halten.“

Chris Beauchamp, Markt-Analyst bei IG

„Meine erste Reaktion war, dass das ein Signal für eine bevorstehende Aktion der EZB ist. Allerdings war die Reaktion an den Aktienmärkten dafür zu negativ. Aber es passiert ja nicht jeden Tag, dass eine Notenbank einfach einer Währung den Boden unter den Füßen wegzieht. Und die Leute haben eindeutig Angst, dass etwas Größeres bevorsteht. Für den Schweizer Markt und die Wirtschaft ist das sehr schlecht, wenn der Franken so rasant steigt und der Euro abstürzt. Die Stimmung ist seit Jahresbeginn ziemlich unruhig, und so eine Nachricht sorgt für Volatilität aus.“

Helaba-Analyst Ulrich Wortberg

„Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte. Einen neuen Mindestkurs dürfte es wohl nicht mehr geben, da Marktteilnehmer kein Vertrauen mehr haben, dass dieser langfristig gehalten wird. Der Euro-Franken wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen.“

Um den Kurs des Franken zum Euro zu deckeln, seien täglich Milliardenbeträge ohne Aussicht auf ein Ende des Eingreifens (Interventionen) am Devisenmarkt rausgegangen, erklärte Zurbrügg. Trotz der zum Teil heftigen Kritik an der Entscheidung der SNB hat die Glaubwürdigkeit der Schweizer Notenbank nach Einschätzung von Zurbrügg nicht gelitten.

„Wir haben immer gewusst, dass wir einen Ausstieg nicht kommunikativ vorbereiten können.“ Um glaubwürdig zu bleiben, sei es eben gerade wichtig gewesen, nichts vorab durchsickern zu lassen. „Eine Vorwarnung wäre eine Einladung an Spekulanten gewesen.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.01.2015, 13:41 Uhr

Die Schweizer haben alles Richtig gemacht. Mit Vernunft und Verstand gehandelt.
Im Gegensatz zu unserer ESM und EEG Politiker Gurkentruppe. Diese deutschen Einheitspolitiker der Grün-Sozialistischen Front um Merkel herum diktiert uns als EU-Deutsche Gesellschaft geradezu in den Wirtschaftlichen Abgrund. Wohlstandsverlust,Mangel und Armut werden wir von dieser Grün-Sozialsitsichen Regierung Erben.

Herr Ernst Peters

23.01.2015, 07:45 Uhr

Alles richtig gemacht?
Warum hat man nicht bereits 2013 den Mindestkurs für beendet erklärt, als der Frankenkurs auf über 1.25 hochging? Warum hat man über das ganze Jahr 2013 hinweg den Fremdwährungsbestand von ca. 400 Mrd. CHF gehalten, anstelle die Unmengen gekaufter Euros wieder nach und nach abzustoßen? Weil man für 2013 3 Mrd. EUR Buchgewinn in der Bilanz stehen haben wollte! Und jetzt will uns ein gewisser Hr. Jordan etwas über Nachhaltigkeit erzählen. Das ist doch lächerlich!
Ich wüsste nichts, was große Schweizer Banken in der letzten Zeit wirklich richtig gemacht hätten.
Man kann natürlich auch in dem Wahn leben, dass die eigene Stärke nicht groß genug sein kann, so als ob man nicht realisieren würde, dass alles auf ein Nullsummenspiel hinausläuft.
Aber Hauptsache auf die Euro-Politik der deutschen Regierung eingeprügelt. Wie würde wohl unsere Exportwirtschaft aussehen, wenn man ohne Euro eine gegenüber dem franz. Franc, der ital. Lira, dem USD, etc. um den Faktor 2 aufgewertete DM hätte? Bzw. wo stünde D ohne die tragende Exportsäule?

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