Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2015

12:34 Uhr

Nach Franken-Entkopplung

Starke Währung drückt die Kauflaune der Schweizer

Seit der Franken vom Euro-Mindestkurs abgekoppelt wurde, wollen die Schweizer nicht mehr kaufen. Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze, da Schweizer Exporte durch die Maßnahme unattraktiv werden.

Dass der Franken nun so stark notiert, freut die meisten Schweizer gar nicht. dpa

Der Euro ist gegenüber dem Franken geradezu abgesackt.

Dass der Franken nun so stark notiert, freut die meisten Schweizer gar nicht.

ZürichDie starke Aufwertung des Frankens nach der Abschaffung des Euro-Mindestkurses hat den Schweizer Verbrauchern die Laune verdorben. Zwar verbesserte sich der Index der Konsumentenstimmung im Januar auf minus sechs Punkte von minus elf Zählern im Oktober, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte. Doch nur ein Viertel der Befragten reichte die Antworten nach der Mindestkurs-Abschaffung am 15. Januar ein. Berechnet auf der Basis dieses kleineren Teils sank der Index auf minus 17 Punkte. Die Kennzahl wird vierteljährlich durch eine Umfrage bei 1200 Haushalten erhoben.

Durch die Aufwertung des Frankens werden importierte Waren ebenso wie Einkäufe im Ausland billiger, doch die Verbraucher sorgen sich um die Sicherheit der Arbeitsplätze und die zukünftigen Wirtschaftsaussichten. Die eigene finanzielle Lage schätzten die Haushalte weiterhin als gut ein. Ebenso gingen sie davon aus, dass sie in den nächsten zwölf Monaten weiterhin Geld sparen können.

Geht der Schweizer Franken über den „Jordan“?

Video: Geht der Schweizer Franken über den „Jordan“?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Nach der Aufhebung des Euro-Kuruntergrenze von 1,20 Franken durch die Schweizer Notenbank sackte die Gemeinschaftswährung ab und notierte zuletzt bei 1,05 Franken. Das führt dazu, dass die Exportindustrie belastet wird, da ihre Produkte im Ausland teurer werden. Erste Firmen reagieren bereits auf die Franken-Stärke - Löhne sollen in Euro bezahlt, Boni gekürzt und Arbeitszeiten verlängert werden.

Wie unübersichtlich die Lage ist, zeigt auch, dass die Wirtschaftsexperten des Bundes derzeit auf eine Konjunkturprognose verzichten. Die bisherige Wachstumsprognose sei durch die Aufhebung der Euro-Kursuntergrenze hinfällig geworden, wie die beim Seco angesiedelte Expertengruppe des Bundes am Donnerstag mitteilte. Bei einer andauernden starken Höherbewertung des Frankens sei mit einer schlechteren Wirtschaftsentwicklung als in der bisherigen Prognose angenommen zu rechnen, das Ausmaß einer Konjunkturabkühlung sei derzeit aber noch schwierig abzuschätzen.

Griechenland – Gefahrenherd für Europa?

Der ESM

Anders als zu Beginn der Krise, als Politiker auf hektischen Gipfeltreffen mit improvisierten Maßnahmen der Probleme Herr zu werden versuchten, verfügt die Eurozone heute über eine Institution, die speziell für die Rettung angeschlagener Mitglieder geschaffen wurde. Der Europäische Stabilitäts-Mechanismus (ESM) kann Staaten im Notfall mit bis zu 500 Milliarden Euro beispringen. Staaten können Hilfen auch beantragen, wenn Kapitallücken im Bankensystem klaffen.

Die Lage der anderen Krisenländer

Neben Griechenland mussten während der Eurozonen-Krise auch Portugal, Irland und Zypern unterstützt werden. Anders als damals gibt es heute aber keine auf der Hand liegenden Kandidaten mehr, auf die eine Krise überspringen könnte. Die Lage der Staatsfinanzen in Portugal und Irland hat sich deutlich verbessert, in Spanien wuchs die Wirtschaft zuletzt wieder kräftig. Nur bei den Schwergewichten Frankreich und Italien sind kaum Fortschritte beim Abbau des Haushaltsdefizits und den Strukturreformen zu verzeichnen.

Die EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Finanzmärkten klar gemacht, dass sie den Euro verteidigen will. Im Juli 2012 erklärte EZB-Präsident Mario Draghi, man werde „alles Erforderliche“ tun, um den Euro zu retten. Seitdem hat die EZB ihre Geldpolitik deutlich gelockert. Die Märkte erwarten, dass die EZB im ersten Quartal 2015 den breit angelegten Kauf von Staatsanleihen verkünden wird. Dank der Käufe dürften Euroländer ihre Haushalte zu besseren Konditionen finanzieren können. Das würde nicht nur Griechenland zugutekommen.

Das europäische Bankensystem

Beim Ausbruch der Eurozonen-Krise im Jahr 2010 fürchteten die Kapitalmärkte die Folgen einer griechischen Staatspleite für den europäischen Bankensektor. 2012 verzichteten private Gläubiger Griechenlands – darunter auch Banken – auf die Rückzahlung von 100 Milliarden Euro Schulden. Im Vergleich dazu sind Europas Banken heute nicht mehr so stark in Griechenland engagiert.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×