Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2015

15:13 Uhr

Nach Sanktionslockerungen im Atomstreit

Deutsche Exporte in den Iran boomen wieder

Die deutschen Exporte in den Iran sind erstmals seit Jahren wieder gestiegen. Hintergrund ist die Lockerung von Sanktionen im Atomstreit mit der Islamischen Republik. Trotzdem gelten die Exporte als politisch heikel.

in den drei Vorjahren waren die deutschen Exporte in den Iran noch zwischen 18 und 27 Prozent eingebrochen. dpa

Trendwende

in den drei Vorjahren waren die deutschen Exporte in den Iran noch zwischen 18 und 27 Prozent eingebrochen.

BerlinDie deutschen Exporte in den Iran sind 2014 wegen der Lockerung von Sanktionen erstmals seit Jahren gestiegen. Die Unternehmen verkauften Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro in die Islamische Republik - rund 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor, die Reuters am Dienstag vorlagen. Exportschlager waren vor allem Maschinen, Agrar- und Pharmaprodukte. Auch andere EU-Staaten erhöhten nach Angaben von Eurostat ihre Ausfuhren erheblich.

Die Steigerung stellt eine Trendwende da. Denn in den drei Vorjahren waren die deutschen Exporte in den Iran noch zwischen 18 und 27 Prozent eingebrochen. Grund dafür waren die schrittweise verschärften europäischen und amerikanischen Sanktionen im Atomstreit. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Kernenergie-Programms Atomwaffen zu entwickeln.

„Anfang 2014 sind einige Sanktionen gelockert worden“, erläuterte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. „So wurden Versicherungen für Schiffstransporte wieder erlaubt, ebenso die Lieferung von Auto- und Flugzeugteilen. Auch Geldtransfers wurden erleichtert.“ Zudem durfte der Iran auf monatlich bis zu 700 Millionen Dollar aus früheren Ölgeschäften zurückgreifen. Das Geld war bislang eingefroren.

BIP und Haushaltsüberschuss: Deutsche Wirtschaft zeigt Stärke

BIP und Haushaltsüberschuss

Deutsche Wirtschaft zeigt Stärke

Dank des starken Schlussquartals ist die deutsche Wirtschaft 2014 noch etwas rasanter gewachsen als bisher angenommen. Das BIP stieg statt um 1,5 um 1,6 Prozent. Dazu erwirtschaftete auch der Staat einen satten Überschuss.

Deutsche Exporte in den Iran gelten als politisch heikel und waren in den vergangenen Jahren vor allem in den USA und Israel immer wieder kritisiert worden. Der Nah- und Mittelostverein (Numov) der deutschen Wirtschaft verteidigte die Steigerung im vergangenen Jahr.

„Wir wollen nur nicht später als andere aktiv werden“, sagte Geschäftsführerin Helene Rang zu Reuters. Auch Unternehmen aus den USA und etlichen EU-Staaten machten längst wieder gute Geschäfte im Iran. Neue Eurostat-Zahlen, die Reuters vorlagen, zeigen, dass Länder wie Italien und Frankreich ihre monatlichen Ausfuhren von Januar bis Dezember 2014 um fast 50 Prozent erhöhten.

Sollte es bei den Atom-Gesprächen mit dem Iran zu einer Einigung kommen, erwartet der DIHK eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. „Das Potenzial ist groß“, sagte Treier. „In den kommenden fünf Jahren ist eine Verdoppelung der Exporte möglich. 2005 erreichten sie schon einmal fast fünf Milliarden Euro. Dort wollen wir kurzfristig wieder hin.“

Langfristig könnte der Handel sogar im zweistelligen Milliardenbereich liegen. Die Wirtschaftsverbände sind bereits wieder aktiv. Numov organisierte im Dezember eine Delegationsreise mit 40 Unternehmensvertretern.

Der Atomstreit mit dem Iran dauert bereits seit zwölf Jahren an. Das Land weigert sich bisher, seine umstrittene Uran-Anreicherung zu beenden. Die USA sprachen am Montag von Fortschritten in den internationalen Verhandlungen. Eine endgültige Regelung soll bis Ende Juni stehen.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Otto

24.02.2015, 15:53 Uhr

Heikel, hmm, das hört sich aber extrem gut an. Heikel unterhalb der Schwelle der bewusstsen Wahrnehmung für den "bewussten Bürger", so laufen deutsche Geschäfte. ------------- Ich glaube, die Leser-Beiträge hier ergeben oft ein sehr gutes Bild davon, wie geschickt die Ablenkungsmanöver gelaufen sind. Und hinsichtlich IRAN und Griechenland war es ein Meisterwerk der Täuschung.

Herr Thomas Ungläubig

25.02.2015, 12:40 Uhr

»Erst kommt der Bauch dann die Moral«.

Herr Peter Schaak

27.02.2015, 14:26 Uhr

Deutsche Exporte in den Iran wurden vor allem in den USA und Israel immer wieder kritisiert. Dabei ist das einzig kritikwürdige, dass der Handel mit Israel noch immer fortgesetzt wird, obwohl in dessen Herrschaftsgebiet nicht ein Woche vergeht, ohne dass von der dort ansässigen Bevölkerung mindestens einer durch siedlerische Mörderhand, unterstützt und gut geschützt durch die Armee, sterben muss, zumeist Kinder und alte Menschen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×