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20.04.2011

08:26 Uhr

Nach S&P-Warnschuss

Wie die USA ein gutes Risiko bleiben

VonRolf J. Langhammer

Die angedrohte Herabstufung der USA blendet gewisse Faktoren aus, meint Ökonom Langhammer. In einem Gastbeitrag skizziert er, wie die USA durchaus ihre gute Bonität erhalten können.

Rolf J. Langhammer, Professor für Wirtschafts- und Entwicklungspolitik, ist Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Quelle: picture-alliance/ ZB

Rolf J. Langhammer, Professor für Wirtschafts- und Entwicklungspolitik, ist Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel.

Angesichts wachsender Forderungsstände von China, Japan sowie den Rohstoff- und Energieexporteuren gegenüber den USA und steigenden internen Schulden greift die Sorge um sich, die USA könnten ein schlechtes Risiko werden. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat sich dieser Sorge angeschlossen und die Bonität der USA auf längere Sicht heruntergestuft. Diese Sicht stellt aber allein auf die Schuldenposition ab und vernachlässigt zwei Faktoren: erstens den Wert der amerikanischen Netto-Investitionen im Rest der Welt und zweitens die erwarteten Veränderungen im Zinsniveau, im Wechselkurs und auf den weltweiten Aktienmärkten.

Die amerikanische Nettoschuldenposition war in den letzten Jahren stets negativ (2007 etwa fünf Bill US-Dollar). Dies wurde aber durch positive Nettoinvestitionen (2007 etwa drei Bill. Dollar) teilweise kompensiert. Der Aktieneinbruch im Zuge der Rezession ließ diese Schere aber weiter auseinanderklaffen.

Schätzungen zum Ende des Jahres 2009 zeigen nun, dass sich die Bilanz der Nettoinvestitionen in erster Linie dank der Erholung der Aktienmärkte wieder verbessert hat. Vor allem aber hat sich die Nettoschuldenlage der USA als Folge einer tendenziellen Abwertung des Dollars verbessert. Diese vermindert den Wert der Schulden in ausländischer Währung. Die Abwertung verbessert zudem die gesamten in Dollar ausgewiesenen Nettoforderungen der USA, weil die Schulden in Dollar denominiert sind, die Anlagen der USA aber vor allem in den Währungen der Anlageländer.

Letzteres bedeutet, dass der Dollarwert der amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland steigt und die Investitionsposition der USA stärkt. Abwertungen und Aktienkursanstiege helfen den USA gleichermaßen, ihre Nettoforderungen gegenüber dem Rest der Welt zu verbessern. Als weiterer Faktor müssen die Zinsniveaus berücksichtigt werden. Sollte die Welt vor einer Zinswende stehen, würden steigende Zinsen die Kurse der amerikanischen Schulden nach unten drücken, also die Forderungsposition der Gläubiger, unter anderem China, verschlechtern und die der USA verbessern.

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