Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2015

14:56 Uhr

Neue Berechnungsmethode

Indien wächst schneller als China

Indiens Premierminister hat vor seiner Wahl versprochen, die Wirtschaft anzukurbeln. Jetzt präsentierte das neue Ministerium sehr gute Zahlen. Die Berechnungsmethode wurden dafür kurzerhand geändert.

Wurde 2014 vor allem wegen seines Versprechens gewählt, die indische Wirtschaft anzukurbeln: Indiens Premierminister Narendra Modi. ap

Versprechen

Wurde 2014 vor allem wegen seines Versprechens gewählt, die indische Wirtschaft anzukurbeln: Indiens Premierminister Narendra Modi.

Neu DelhiIndiens Wirtschaft wächst inzwischen schneller als das Wirtschaftswunderland China – jedenfalls auf Basis einer neuen Berechnungsmethode. Die bezogen auf die Gesamtleistung nach Japan und China drittgrößte Volkswirtschaft Asiens habe im abgelaufenen Quartal von Oktober bis Dezember 2014 um 7,5 Prozent zugelegt, teilte das Ministerium für Statistik am Montag in Neu Delhi mit. Im Quartal davor waren es nur 5,3 Prozent – aber da wurde auch noch anders gerechnet. Chinas Wirtschaft erzielte im letzten Vierteljahr 2014 nach Angaben der eigenen Behörden ein Plus von 7,3 Prozent.

Das oberste Statistikamt Indiens hatte jüngst angekündigt, die Berechnungsgrundlage zu ändern. Bislang galt das Haushaltsjahr 2004/2005 als Bezugsjahr, nun ist es 2011/2012. Zudem werden ab sofort die Marktpreise der Güter und Dienstleistungen anstatt der Produktionskosten der Firmen zur Ermittlung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) herangezogen. In der Folge wurde Indiens Wachstumsrate für das Haushaltsjahr 2013/2014 von 4,7 auf 6,9 Prozent angehoben.

Premierminister Narendra Modi war im Frühjahr 2014 vor allem wegen seines Versprechens gewählt worden, die indische Wirtschaft anzukurbeln und mehr Jobs zu schaffen. Die Statistiker gehen nun davon aus, dass sie im laufenden Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent verbuchen können. Sie vermeldeten aber noch nicht, wie diese Zahl auf Basis der alten Berechnungsgrundlage ausgesehen hätte.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Immobilienblase

Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

Schattenbanken

Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

Faule Kredite

Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

Überkapazitäten

Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

Internationale Krisen

Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Die Zahlen verwirrten ihn, sagte der oberste Wirtschaftsberater der indischen Regierung, Arvind Subramanian, einer indischen Zeitung. Auch Indiens Notenbankchef glaubt nicht, dass der Subkontinent die Wachstumsflaute der vergangenen drei Jahre schon überwunden habe: „Wir sollten allen Daten, die suggerieren, wir seien aus dem Gröbsten heraus, jetzt nicht zu viel Gewicht verleihen“, sagte Raghuram Rajan.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Noack

10.02.2015, 07:12 Uhr

Bald ist Indien die größte Wirtschaftsmacht der Erde. Bei diesen Prozentzahlen kann es sich nur noch um wenige Wochen handeln, oder? Die Wirtschaftsbasis dieser Wachstumsraten spielt doch überhaupt keine Rolle. Dann kann man die auch vernachlässigen. Bei China werden doch auch nur die reinen Prozentzahlen erfasst. Komische Betrachtung von Wirtschaft. Dann muss man nur noch brutto rechnen, weil das größer ist. Das verteilbare Endprodukt nach Abzug aller Abschreibungen ist doch viel kleiner. Das kann doch nicht als Erfolg vermeldet werden. Eine realistische Wirtschaftsbetrachtung ist für Medien kein Thema, auch nicht für Wirtschaftsjournale.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×