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17.09.2012

17:55 Uhr

Neue Markt-Operationen

China richtet die Geldpolitik neu aus

Chinas Zentralbank plant weitere Markt-Operationen – und richtet die Geldpolitik damit neu aus. Die geplante Umstellung kommt nicht überraschend. Eine Steuerung über Mindestreserven wirkt nur langsam.

Chinas Zentralbank greift wieder in die Geldpolitik ein. dpa

Chinas Zentralbank greift wieder in die Geldpolitik ein.

PekingChina richtet seine Geldpolitik neu aus. „Wir werden schrittweise die Rolle von Hebeln wie Zinsen und Währungskursen in der Geldpolitik erhöhen, so dass diese dominiert wird von einer preislichen Steuerung anstatt von einer mengenbezogenen Kontrolle“, hieß es in einem am Montag auf der Internetseite der Zentralbank veröffentlichten 47-seitigen Plan.

Bisher versucht die Zentralbank, die Liquidität im Finanzsystem über die sogenannte Mindestreserve-Anforderungen zu steuern. Damit wird festgelegt, welchen Prozentsatz ihrer Kundeneinlagen die Geschäftsbanken bei den Zentralbank hinterlegen müssen. Bei drohender Konjunkturflaute kann der Satz gesenkt werden, so dass die Banken mehr Geld an Privat- und Geschäftskunden verleihen können, was Konsum und Investitionen stimulieren kann. Umgekehrt wird bei drohender Überhitzung Geld aus dem Kreislauf gezogen. Der Nachteil dieser Methode ist, dass sie nur langsam wirkt.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen

Putzmeister

Der Betonpumpen-Weltmarktführer Sany Heavy Industry übernimmt im Januar 2012 das schwäbische Unternehmen für gut 320 Millionen Euro.

Kiekert

Der Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernimmt 2012 den Weltmarktführer für Pkw-Schließsysteme aus Heiligenhaus (NRW).

Schwing

Die Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) wird im April 2012 Mehrheitseigener des westfälischen Betonpumpenherstellers. Der Verkaufspreis des Herner Unternehmens soll bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Kion

2012 steigt der chinesische Nutzfahrzeugproduzent Weichai Power beim Gabelstaplerhersteller Kion ein. Die Chinesen kaufen zunächst für 467 Millionen Euro 25 Prozent an Kion und steigern 2015 ihren Anteil auf 38,25 Prozent. Außerdem erhält der Investor für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Hydrauliksparte Kions.

Solibro

Das insolvente Solarunternehmen Q-Cells vereinbart im Juni 2012 den Verkauf seiner Tochterfirma mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen an die Pekinger Hanergy Holding Group.

Sunways

Der Konstanzer Photovoltaik-Konzern ging 2012 zum Schnäppchenpreis an den chinesischen Solarriesen LDK Solar. Doch 2013 und 2014 reichte Sunways jeweils einen Insolvenzantrag ein. Teile des Unternehmens wurden in der Folge an den chinesischen Solarkonzerns Shunfeng verkauft.

Tailored Blanks

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Koki Technik Transmission Systems

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer. Ein Kaufpreis wird nicht genannt.

Hilite

Avic übernimmt 2014 für 473 Millionen Euro den deutschen Autozulieferer.

Krauss-Maffei

Im Januar 2016 verkauft Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

EEW

Die chinesische Holding Beijing Enterprises kauft im Februar 2016 den Abfallkonzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt für 1,438 Milliarden Euro. Verkäufer ist der schwedische Investor EQT. EEW hat nach eigenen Angaben 1050 Mitarbeiter. Die 18 Anlagen der Gruppe können jährlich rund 4,7 Millionen Tonnen Abfall zu Energie machen und umweltschonend beseitigen. Die Fabriken erzeugen Prozessdampf für Industriebetriebe, Fernwärme für Wohngebiete und Strom für umgerechnet rund 700.000 Haushalte.

Manz

Die Shanghai Electric Group steigt im Frühjahr mit Anteilen von etwa 20 Prozent bei dem angeschlagenen Maschinenbauer ein.

Kuka

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie. Der chinesische Midea-Konzern hat Kuka ein Übernahmeangebot im Umfang von 4,5 Milliarden Euro gemacht und mit dessen Hilfe knapp 95 Prozent der Kuka-Anteile übernommen.

Schneller greifen sogenannte Geldmarkt-Operationen. Mit deren Hilfe kann die Zentralbank den Geschäftsbanken je nach Anforderung rasch Geld zuführen oder aber entziehen. Westliche Notenbanken tun dies schon lange. Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa führte dem Finanzsystem im Kampf gegen die Schuldenkrise um den Jahreswechsel herum eine Billion Euro an zusätzlichem Kapital zu - für drei Jahre zum Niedrigzins von rund einem Prozent zu. Sie kann das Geld wieder absaugen, indem sie das Geschäft nach der Rückzahlung nicht erneuert.

Die chinesische Zentralbank hat 2003 mit solchen Marktoperationen begonnen. In den vergangenen Wochen gab es eine ganze Serie davon. Deshalb kommt die geplante Umstellung für viele Beobachter nicht überraschend.

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Wegen der hohen Inflation hatte die Zentralbank ihren Reservesatz bis Juni 2011 auf dem Rekordhoch von 21,5 Prozent gehalten, damit die Preise durch ein reges Kreditgeschäft nicht noch mehr angeheizt werden. Seither wurde er dreimal gesenkt, weil der Volksrepublik in diesem Jahr das langsamste Wachstum seit 1999 droht. Er beträgt nun 20,0 Prozent.

Von

rtr

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