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04.06.2013

15:48 Uhr

Neue Studie

Potenzial an Arbeitskräften wird nicht ausgenutzt

Das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland sei lange nicht ausgereizt, fanden Wirtschaftsforscher heraus. Dabei könnte eine Beschäftigung von Müttern und Älteren den Fachkräftemangel lindern. Die Politik soll helfen.

Mütter, Ältere, Migranten und Langzeitarbeitslose könnten Fachkräfte ersetzen. dapd

Mütter, Ältere, Migranten und Langzeitarbeitslose könnten Fachkräfte ersetzen.

BerlinTrotz Fachkräftemangel liegt in Deutschland einer Studie zufolge ein Arbeitspotenzial von rund zwei Millionen Menschen brach. Vor allem mehr Beschäftigung von Müttern, Älteren, Migranten und Langzeitarbeitslosen könnte helfen, Engpässe in den Unternehmen zu mindern, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Hamburger HWWI-Instituts im Auftrag der Wirtschafts-Lobbygruppe INSM.

Die Forscher schlagen verschiedene Maßnahmen vor, um insgesamt sieben Personengruppen besser in Lohn und Brot zu bekommen. Hier sei nicht nur die Politik in der Pflicht, um bessere Anreize zu schaffen, sagte HWWI-Direktor Thomas Straubhaar. Auch in den Firmen müsse ein Wandel stattfinden, um diese Personen besser in die Arbeitswelt zu integrieren. "Vollbeschäftigung ist möglich, aber dafür braucht man die Vollauslastung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials", sagte Straubhaar. "Der Fachkräftemangel ist nicht ein gottgegebenes Phänomen, sondern eher ein Mangel, Fachkräfte einzusetzen."

Mit einer besseren Betreuung von Vorschulkindern und dem Ausbau von Ganztagsschulen ließen sich nach HWWI-Berechnungen rund 850.000 Mütter in den Arbeitsmarkt integrieren. Mit altersgerechten Jobs, höheren Hinzuverdienstmöglichkeiten von Rentnern und einem Aufschub des tatsächlichen Renten-Eintrittsalters auf 66 Jahre könnte das Arbeitskräftepotenzial von rund 470.000 Älteren gehoben werden. Zudem könnten der Studie zufolge rund 115.000 Migranten mehr arbeiten. Dafür empfehlen die Wissenschaftler die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse und mehr Weiterqualifizierung. Ferner könnten mehr Akademiker, junge Menschen, verheiratete Frauen und Langzeitarbeitslose durch bestimmte Maßnahmen in die Arbeitswelt integriert werden.

Die Politik müsse Fehlanreize abschaffen, die zu viele Menschen davon abhalte, einen Job anzutreten, so INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Denn es gehe um mehr Chancengleichheit in der Gesellschaft. "Hier besteht konkreter Handlungsbedarf in der nächsten Legislaturperiode."

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Joker1

04.06.2013, 16:29 Uhr

Die Deutschen Arbeitgeber -insbesondere die Industrie-
wollen keine Vollbeschäftigung, zumindest nicht zu
für den Arbeitnehmer auskömmlichen Konditionen.
Man setzt auf geringfügig Beschäftigte und auf 1Eurojobber,
oder man verlagert nach Asien.
Die Arbeitswelt wird sich durch den Turbokapitalismus
weiter sehr stark verändern.
Maschinen sind angesagt und billige Sklaven, war doch alles
schon mal da.
Die Elite will herrschen und feudal leben, ohne Rücksicht
auf den "Pöbel"; es gibt ja genug zum ausbeuten.
Geht so lange gut, bis das Fass überläuft und wieder mal
ne große Umwälzung bevorsteht. Dauert nicht mehr lange,
bis mal wieder blutige Revolution geübt wird.
Das Potential ist da und wird sich bemerkbar machen.

Account gelöscht!

04.06.2013, 16:32 Uhr

Meeensch, wenn die hier im Forum mitlesen würden, wäre viel Geld für die Studie eingespart worden...

Steuerschaetzer

04.06.2013, 17:11 Uhr

"Vollbeschäftigung ist möglich, aber dafür braucht man die Vollauslastung des vorhandenen Arbeitskräftepotenzials", sagte Straubhaar. "Der Fachkräftemangel ist nicht ein gottgegebenes Phänomen, sondern eher ein Mangel, Fachkräfte einzusetzen."

Richtig! Die Wirtschaft soll endlich mal mit ihrem Gejammer über Arbeitskräftemangel aufhören. Wenn man sich natürlich nur die "Rosinen" rauspicken will und nicht selbst verstärkt ausbilden, weiterbilden und die Chancen für Mütter z.B. zum Arbeiten erhöhen will, sondern diese eher diskriminiert, dann hat man natürlich Arbeitskräftemangel. Dies ist aber nur ein Armutszeugnis für die deutsche Wirtschaft angesichts der immer noch hohen Arbeitslosigkeit und der hohen Zahl der Hartz IV Empfänger.

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