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16.05.2011

22:34 Uhr

Neuer EZB-Präsident

Draghi - Italiener mit deutschen Tugenden

VonKatharina Kort

Der künftige EZB-Chef Mario Draghi war vor allem in Deutschland als Nachfolger Jean-Claude Trichets lange umstritten. Zu Unrecht, denn der Italiener ist ein "Falke", der vor allem auf Preisstabilität setzt.

Mario Draghi übernimmt ab November den Posten des EZB-Präsidenten. Quelle: dapd

Mario Draghi übernimmt ab November den Posten des EZB-Präsidenten.

MailandFür die Doktorarbeit zog er in die USA, während viele seiner Altersgenossen die Heimat nie verließen. Noch heute besteigt der 63-Jährige lieber Berge, als den Urlaub wie die meisten Italiener am Strand zu verbringen. Schon das zeigt: Mario Draghi ist – gemessen an italienischen Standards – schon lange eine Ausnahmegestalt.

Ab November muss er als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) den europäischen Partnern beweisen, dass er auch als Geldpolitiker ein Ausnahme-Italiener ist. Denn seine Nationalität ist, zumindest auf den ersten Blick, sein größter Nachteil. Italien galt schließlich nicht gerade als Garant für eine solide Geldpolitik. Jahrzehntelang hatte das Land vor allem mit Abwertungen der Lira die eigene Wirtschaft unterstützt.

Doch EZB-Beobachter wissen, dass Draghi ein auf Preisstabilität ausgerichteter Geldpolitiker ist, im Jargon der Notenbanker also ein Falke und keine Taube. Und wer mit ihm beruflich zu tun hat, lobt vor allem seinen Pragmatismus. Draghi analysiert die Probleme und sucht dann unideologisch eine Lösung.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow, der Draghi noch von der US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology kennt, wo der heutige italienische Zentralbankchef 1976 seinen Doktorgrad erwarb, erinnert sich: „Mario war kein Partygänger, sondern ein ruhiger, extrem höflicher junger Mann. Und ein sehr guter Student, der über die Dinge nachdachte und an meine Tür klopfte, wenn er Fragen hatte.“ Draghi habe sich nicht nur für theoretische Fragen interessiert, sondern ebenso für die politische Praxis.

Der Professor pflegt den Kontakt zu seinem ehemaligen italienischen Studenten bis heute und sagt: „Ich glaube, Mario ist eine positive Kraft für Italien und für Europa.“ Draghi sei nach wie vor ein ruhiger und nachdenklicher Mensch. „Seine Stärke ist es, keine schnellen Antworten auf Fragen zu geben, sondern die Dinge zu überdenken.“

Kommentare (7)

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Fortunio

16.05.2011, 23:40 Uhr

So, Draghi ist also ein "Falke"? vor ein paar Monaten war er laut HB noch ein "Zentrist", also jemand der sich nicht festlegt, weder "Taube" noch "Falke". So ändern sich die Zeiten und die Leute. Wenn es stimmt!

Machiavelli

17.05.2011, 03:43 Uhr

"Eigenlob stinkt, Herr Schröder"

Machiavelli

17.05.2011, 03:43 Uhr

"Eigenlob stinkt, Herr Schröder"

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