Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2012

16:49 Uhr

Neuer Wirtschaftskurs

Weniger Beton, mehr Gehirn

VonFinn Mayer-Kuckuk

China dämpft die eigene Wirtschaft nach Plan - das hat auch Folgen für die deutschen Unternehmen. Während die Autohersteller noch auf dem Vormarsch sind, wenden sich andere Branchen mehr nach Amerika.

China macht Schluss mit dem Wachstumsfetischismus. Reuters

China macht Schluss mit dem Wachstumsfetischismus.

Peking, DüsseldorfWoran westliche Demokratien scheitern, das gelingt den chinesischen Staatskapitalisten scheinbar mit leichter Hand: die Planung der eigenen Konjunktur. Während sich die westliche Welt müht, die Märkte zu zähmen, gehorchen im Reich der Mitte selbst die Wachstumszahlen aufs Wort.

Im ersten Quartal dieses Jahres war das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik mit 8,1 Prozent so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr - die Wirtschaft folgte damit genau der von Premier Wen Jiabao ausgegebenen Losung, das hohe Wachstumstempo von 10,4 Prozent im Jahr 2010 und 9,2 Prozent in 2011 weiter abzubremsen.

Es werde „die Justierung der Wirtschaft“ weiter gestärkt, „um den aktuellen Wirtschaftsbedingungen gerecht zu werden“, kommentierte ein selbstbewusster Wen Jiabao die vom Nationalen Statistikbüro veröffentlichte Quartalszahl. Denn paradoxerweise ist niedrigeres Wachstum - anders als in westlichen Industriestaaten - für Chinas Politbüro Ausdruck von Stärke. Mit dem Abschwung nach Plan will Peking weg vom quantitativen und hin zu einem qualitativen Wachstumsmodell.

Deshalb erfüllen die staatlich gelenkten Banken auch längst nicht mehr alle Kreditwünsche der Unternehmen. Und deshalb schafft die Pekinger Führung auch in der Bauindustrie keine neuen Arbeitsplätze, sondern dämpft, etwa durch das Verbot des Erwerbs einer zweiten Wohnung für Ortsfremde, die Kaufwut am Immobilienmarkt.

Statt des früheren Wachstumsfetischismus strebt Peking jetzt mehr Umweltschutz an, größere soziale Sicherheit für die Bevölkerung, weniger Abhängigkeit des Landes vom Export und damit eine Stärkung der Binnennachfrage. Erste Erfolge dieser wirtschaftspolitischen Wende können die Planer bereits feiern. „Die realen Einkommen sind deutlich gestiegen, und die Verbraucher geben mehr Geld aus“, sagt Ardo Hansson, Chefökonom für China bei der Weltbank. In China wurde für 2011 ein Lohnplus von 20 Prozent gemessen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×