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11.05.2012

17:58 Uhr

Neues Krugman-Buch

Abrechnung eines Besserwissers

VonTorsten Riecke

In seinem neuen Buch erklärt Paul Krugman die Welt und die Krise. Dabei widerspricht er vor allem der Spardoktrin von Bundeskanzlerin Merkel. Er ruft zu einem radikalen politischen Kurswechsel auf.

Paul Krugman ist einer der einflussreichsten Ökonomen der USA. Reuters

Paul Krugman ist einer der einflussreichsten Ökonomen der USA.

BerlinJede Zeit produziert ihre Stars. Was in Mode, Kunst und Literatur gilt, das gilt auch in der Ökonomie. Die Zeit der großen Krise ist die Zeit von Paul Krugman. Wie kein anderer bestimmt und polarisiert der amerikanische Nobelpreisträger die wirtschaftspolitische Debatte. Politisch links, ökonomisch ein Keynesianer - so wettert Krugman gegen die Republikaner in Amerika, die deutschen Sparkommissare in Europa und die aus seiner Sicht fehlgeleiteten Stabilitätsfanatiker der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Der Titel seines neuen Buchs, „Vergesst die Krise!“, das am Montag auf Deutsch erscheint, ist im Grunde ein Aufruf an die Politik, ihren Kurs radikal zu ändern. Wo Angela Merkel beschwörend ausspricht, was die deutsche Volksseele spürt, nämlich dass man die Schuldenkrise nicht mit neuen Schulden lösen kann, sagt Krugman genau das Gegenteil: Wir müssen noch mehr Geld ausgeben - und zwar viel mehr.

Einige Leser mögen an dieser Stelle aussteigen. Zu sehr widerspricht Krugman der herrschenden Meinung hierzulande. Das hieße jedoch, den kleinen bärtigen Mann und seinen Einfluss zu unterschätzen. Krugman bestimmt mit seiner Kolumne in der "New York Times" und seinem Blog "The Conscience of a Liberal" ganz wesentlich die wirtschaftspolitische Debatte im angelsächsischen Raum. Er gehörte zu den ersten Ökonomen, die Barack Obama nach seiner Wahl 2008 ins Weiße Haus einlud. Krugman hat bereits zu Beginn der Finanzkrise massiv für ein weltweites Konjunkturprogramm geworben, um eine weltweite Depression zu verhindern. Nicht nur Obama ist damals dem Ratschlag des Ökonomen gefolgt. Insofern wandelt Krugman durchaus auf den Spuren seines großen Vorbildes John Maynard Keynes. Der britische Ökonom hatte einmal trocken angemerkt, dass die meisten Politiker ohnehin nur das ausführen, was Ökonomen ihnen eingeflüstert haben.

Krugman hat jedoch auch das Ohr einer Öffentlichkeit, die weit über die Kreise seines Fachs hinausreicht. Wie vor einem Rockkonzert bilden sich in New York lange Menschenschlangen, wenn der Princeton-Ökonom seine Thesen öffentlich vorträgt.

Zu verdanken hat Krugman seine Popularität vor allem der Schärfe seines Intellekts und einer Schreibe, die selbst komplizierteste wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich darzustellen vermag.

Wer nun jedoch einen eitlen, kraftmeierisch auftretenden Besserwisser erwartet, wird überrascht. Krugman ist zwar ein Besserwisser, aber einer, der im Gespräch die leisen Töne liebt. Er absolviert seine öffentlichen Auftritte am liebsten in Cordhose und mit offenem Hemdkragen. Krawatten sind ihm sichtbar unangenehm. Anders als andere "Weltökonomen" verschmäht er den Luxus und radelt lieber durch Berlin. Beim Stelldichein der globalen Elite in Davos hat man ihn noch nie gesehen.

Kommentare (5)

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Jakob

11.05.2012, 18:33 Uhr

Wir sollten unsere hundert Sinns&Co gegen einen Krugman austauschen. Das wäre besser für Europa, wie schon nach der Weltwirtschaftskrise in den Dreißigern.

RD1

11.05.2012, 18:40 Uhr

"Krugman ist nicht gegen einen Abbau der Staatsschuld, er hält nur den Zeitpunkt für verhängnisvoll."

Das Problem von Krugman ist, dass bei ihm Wunsch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen.

Wann hat es in der Geschichte seit Keynes irgendwann einmal den richtigen Zeitpunkt für den Abbau der Staatsschulden gegeben ? Wird er jemals Kommen ?

Diesen zeitpunkt wird es in Demokratien nie geben, solange Politiker gewählt werden wollen.
Man sollte seine Theorien dann halt der Wirklichkeit anpassen und keine Theorien verbreiten die sich auf bergauf fleißendes Wasser beziehen, obwohl jeder weiß dass das Wasser nur bergab fließt.

RD1

11.05.2012, 18:42 Uhr

Wir haben doch den Dummschwätzer Bofinger

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