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13.08.2014

08:38 Uhr

Niedrigster Stand seit Jahren

Deutsche Inflationsrate bleibt im Keller

Der Preisauftrieb in Deutschland ist so schwach wie seit Jahren nicht mehr. Verbraucher können sich immerhin über deutlich gesunkene Energiepreise freuen. Die jährliche Teuerungsrate rutscht auf 0,8 Prozent ab.

Ein Stopfensetzer in der Werkshalle eines Herstellers von Stahlrohren: Steigende Energiepreise sorgen für niedrige Inflationszahlen. dapd

Ein Stopfensetzer in der Werkshalle eines Herstellers von Stahlrohren: Steigende Energiepreise sorgen für niedrige Inflationszahlen.

BerlinBilligeres Heizen und Tanken hat die Inflationsrate in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren gedrückt. Waren und Dienstleistungen hätten im Juli im Schnitt nur noch 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor gekostet, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Niedriger fiel die Teuerungsrate zuletzt im Februar 2010 mit 0,5 Prozent aus, als die Wirtschaft mit den Nachwehen der Weltfinanzkrise zu kämpfen hatte. Im Juni lag sie noch bei 1,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen.

Entlastet wurden die Verbraucher vor allem bei den Energiekosten, die um durchschnittlich 1,5 Prozent sanken. „Im Gegensatz zu den Vormonaten sind die Energiepreise somit wieder stärker zurückgegangen“, erklärten die Statistiker. Leichtes Heizöl kostete 6,0 Prozent weniger als im Juli 2013, Kraftstoffe 3,1 Prozent weniger. Strom verteuerte sich hingegen um 1,7 Prozent.

Größte Volkswirtschaften 2013 - 2028

Rang 10

2013
Kanada
1,8 Billionen Dollar
2028
Kanada
3,7 Billionen Dollar
Quelle: CEBR. Angaben beziehen sich auf das geschätzte Bruttoinlandsprodukt

Rang 9

2013
Italien
2,1 Billionen Dollar
2028
Mexiko
3,7 Billionen Dollar

Rang 8

2013
Russland
2,1 Billionen Dollar
2028
Russland
4,1 Billionen Dollar

Rang 7

2013
Brasilien
2,2 Billionen Dollar
2028
Großbritannien
4,3 Billionen Dollar

Rang 6

2013
Großbritannien
2,65 Billionen Dollar
2028
Deutschland
4,3 Billionen Dollar

Rang 5

2013
Frankreich
2,7 Billionen Dollar
2028
Brasilien
5,1 Billionen Dollar

Rang 4

2013
Deutschland
3,6 Billionen Dollar
2028
Japan
6,4 Billionen Dollar

Rang 3

2013
Japan
5 Billionen Dollar
2028
Indien
6,6 Billionen Dollar

Rang 2

2013
China
8,9 Billionen Dollar
2028
USA
32,2 Billionen Dollar

Rang 1

2013
USA
16,7 Billionen Dollar
2028
China
33,5 Billionen Dollar

Nahrungsmittel kosteten im Schnitt 0,1 Prozent mehr. Weniger mussten Verbraucher für Obst bezahlen (4,8 Prozent). Noch günstiger wurde Gemüse mit minus 7,7 Prozent. Dabei verbilligten sich Kartoffeln um knapp ein Drittel, Paprika um 18,1 Prozent und Gurken um 16,6 Prozent. Teurer als vor einem Jahr blieben hingegen Molkereiprodukte: Für Schnittkäse wurden 14,7 Prozent mehr verlangt, für Quark 13,8 Prozent sowie für Joghurt 6,4 Prozent mehr.

Von Reuters befragte Ökonomen sagen für dieses Jahr eine durchschnittliche Teuerungsrate von 1,1 Prozent voraus. 2015 soll sie auf 1,8 Prozent steigen. Ein Grund dafür sind steigende Lohnkosten, die die Unternehmen an ihre Kunden weiterreichen dürften.

Die statistischen Daten stehen jedoch im Gegensatz zur Wahrnehmung der Menschen. Von allen Problemen aus dem Bereich Wirtschaft beschäftigt die Preisentwicklung die Bundesbürger derzeit am meisten. Jeder zweite sieht sich und seine Familie davon betroffen. Das geht aus einer Studie der Universität Hohenheim und der ING-Diba hervor. Zwischen der „offiziellen“ Inflation, die das Statistische Bundesamt nach einem repräsentativen Warenkorb berechnet und der „gefühlten Inflation“ klafft eine Lücke. Was ist der Grund dafür?
„Viele Menschen haben das Gefühl, die Inflation steigt, wenn Produkte teurer werden, die bar bezahlt werden, wie beispielsweise Brötchen“, sagt der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. Dass Fernseher billiger würden, kompensiere nicht den „Ärger über den Anstieg der kleinen Preise“.

Die Teuerungsrate, die das Statistische Bundesamt allmonatlich bekanntgibt, ist ein Durchschnittswert, der dem einzelnen Verbraucher und seinem Einkaufsverhalten nicht unbedingt gerecht wird. Grundlage für die Berechnung ist ein Warenkorb aus rund 600 Güterarten, der regelmäßig aktualisiert wird. Miet- und Energiekosten werden am stärksten berücksichtigt, aber Lebensmittel und Kosten für Freizeitaktivitäten werden berücksichtigt.
„Für die Konsumenten sind häufig andere Produkte wichtiger als die im offiziellen Warenkorb für die Inflationsberechnung enthaltenen. Und die Verbraucher gewichten natürlich oft anders“, sagt Claudia Mast, Studienleiterin und Professorin an der Universität Hohenheim. Die von der Wiesbadener Behörde ermittelte Rate sei vor allem für Konjunkturexperten wichtig, um festzustellen, ob die Wirtschaft funktioniere, sagt Kater. „Dafür ist sie geeignet und ausreichend“.
Verbrauchern bieten die Wiesbadener Statistiker auf ihrer Internetseite einen „persönlichen Inflationsrechner“ an. Dort können sie die Gewichtung einzelner Warengruppen nach ihren persönlichen Ausgaben verändern und so erfahren, wie sehr sich ihr Leben verteuert hat.

Kommentare (2)

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Herr walter danielis

13.08.2014, 09:47 Uhr

Mit der Inflationsrate ist wie mit dem Weinachtsmann. Man kann dran glauben oder auch nicht. Warenkorb! Kerninflation! Mehrnutzen usw.

Herr Teito Klein

13.08.2014, 17:48 Uhr

Die Angst vor der Deflation kehrt zurück
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Die Verbraucherpreise in Deutschland kletterten im Juli nur um 0,8 Prozent. Noch geringer war der Anstieg zuletzt 2010. Eine gute Nachricht für die Konsumenten? Nein. Was jetzt der Wirtschaft droht:

Das Gespenst kommt in Gestalt einer Kommazahl: 0,8 Prozent. So hoch war in Deutschland im vergangenen Monat die Inflationsrate, oder vielmehr: So gering war sie. Im Juli sank sie auf den tiefsten Stand seit fast viereinhalb Jahren. Eine Nachricht, die viele Verbraucher freuen wird. Volkswirte hingegen dürften alarmiert sein. Schon seit längerer Zeit fürchten manche eine Deflation in Deutschland, einen Verfall der Preise auf breiter Front. Wirklichkeit geworden ist dieses Szenario noch nicht, doch in der Ferne tauchen die ersten Vorboten auf.

Vor allem die Kosten für das Heizen und Tanken sind verhältnismäßig niedrig. Kraftstoffe etwa wurden im Vergleich zu Juli 2013 um rund drei Prozent billiger, Heizöl sogar um sechs Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Günstiger waren auch Obst und Gemüse, hier fielen die Preise um rund fünf beziehungsweise fast acht Prozent. Für Kartoffeln mussten Verbraucher sogar ein Drittel weniger zahlen.


Quelle: Welt.de
http://www.welt.de/wirtschaft/article131188615/Angst-vor-Deflation-in-Deutschland-kehrt-zurueck.html

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