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25.08.2015

12:07 Uhr

„Noch im Laufe des Jahres“

US-Notenbanker erwartet Zinserhöhung

Die von Experten mit Spannung erwartete Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve wird laut Banker Dennis Lockhart noch in diesem Jahr erfolgen. Noch vor wenigen Wochen waren seine Aussagen konkreter.

Dennis Lockhart ist Chef der der Fed von Atlanta. Er rechnet mit der Anhebung des Leitzinses noch in diesem Jahr. Reuters

Dennis Lockhart

Dennis Lockhart ist Chef der der Fed von Atlanta. Er rechnet mit der Anhebung des Leitzinses noch in diesem Jahr.

Berkeley/LondonDie US-Notenbank Fed wird trotz des jüngsten Börsen-Crashs laut einem ihrer prominenten Mitglieder noch dieses Jahr erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen anheben. Es werde eine Normalisierung der Geldpolitik in mehreren Schritten geben, sagte der Fed-Chef von Atlanta, Dennis Lockhart, am Montagabend im kalifornischen Berkeley.

Frühere Äußerungen, wonach er „sehr bereit sei“ für einen ersten Schritt im September wiederholte Lockhart allerdings nicht. Manche Analysten und Volkswirte gehen nun davon aus, dass die US-Währungshüter wegen der weltweiten Börsenturbulenzen von einer Zinswende im nächsten Monat abrücken. Die Leitzinsen in den USA liegen seit der Finanzkrise Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent.

„Ich erwarte, dass die Normalisierung der Geldpolitik – das sind die Zinssätze – irgendwann in diesem Jahr startet“, so Lockhart. Noch vor vierzehn Tagen hatte er allerdings davon gesprochen, dass der Zeitpunkt der Anhebung nahe sei. Auf die Börsenturbulenzen und die Konjunkturschwäche in China ging Lockhart nur am Rande ein.

„Gegenwärtig machen es Entwicklungen wie die Aufwertung des Dollar, die Entwertung der chinesischen Währung und der weitere Ölpreisverfall schwierig, die Wirtschaftsentwicklung vorauszusagen.“

Am Montag hatte der Shanghai-Composite wegen Konjunktursorgen 8,5 Prozent eingebüßt und setzte seine Talfahrt am Dienstag mit einem Minus von 7,6 Prozent fort. Die Wall Street schloss am Montag 3,6 Prozent schwächer.

Was die Federal Reserve vorhat

Was machte diese Zinssitzung der Fed so spannend?

Nicht so sehr die konkreten Entscheidungen nach der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses. Historische Beschlüsse wie zuletzt bei der EZB hatte niemand erwartet – und sie kamen auch nicht. Aber es sind die Aussagen zwischen den Zeilen, auf die Analysten weltweit gebannt achteten. Nur ein verdächtiges Wort kann die globalen Finanzmärkte in helle Aufregung versetzten und Turbulenzen verursachen.

Wie kann so etwas passieren?

Die Zentralbanker gaben etwa ihre Bewertung der wirtschaftlichen Zukunft zu Protokoll. Änderungen zu früheren Einschätzungen lassen erkennen, ob sie zwischenzeitlich optimistischer oder pessimistischer geworden sind. Das kann letztlich auch Auswirkungen auf ihre Geldpolitik haben. Sie ließen aber kaum Veränderungen erkennen – zwar reduzierten sie ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich, verbesserten aber zugleich die Erwartung für die Arbeitslosigkeit. Zudem erneuerten sie ihren Tipp, wie sich der Leitzins auf lange Sicht entwickelt.

Und? Steigen die Zinsen jetzt bald?

Dass die US-Notenbank den Leitzins nicht ewig bei fast null Prozent halten will, wo er seit Ende 2008 liegt, machte sie bereits klar. Ebenso gibt es aber auch für eine Anhebung vor Mitte 2015 keine Hinweise. Die Fed-Vertreter rechnen nun für nächstes Jahr durchschnittlich mit einem leicht höheren Zins als bisher. Das kann ein Zeichen sein. Aber auch die Fed-Vorsitzende Janet Yellen ließ bei ihrer Pressekonferenz zunächst nicht genau durchblicken, worauf sich die Märkte einstellen sollen. So blieben die Börsen erstmal ruhig.

Was hält die Fed von Zinserhöhungen ab?

Sie hat zwei Ziele: für Vollbeschäftigung sorgen und die Inflation im Zaum halten. Solange sie die Arbeitslosigkeit in der größten Volkswirtschaft der Welt für zu hoch hält und die Teuerungsrate unproblematisch ist, sieht sie keinen Anlass für Zinserhöhungen. Schließlich soll der niedrige Zins helfen, die Konjunktur zu stärken. Die jetzige Erwerbslosenquote von 6,3 Prozent ist im historischen Vergleich sehr hoch, zudem besteht ein Problem mit der Langzeitarbeitslosigkeit. Das Minus beim Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal war ebenfalls kein gutes Signal.

Warum rechnen einige Experten dennoch mit einer früheren Zinswende?

Ein Grund ist der deutliche Anstieg der Inflation. Im Mai ist die jährliche Teuerungsrate auf 2,1 Prozent geklettert – und damit erstmals seit Oktober 2012 über den Zielwert der Fed. Das erhöht den Druck auf ihre Mitglieder, über Zinserhöhungen nachzudenken. Zwar arbeitet die Zentralbank mit einem anderen Inflationswert, der meist etwas niedriger ausfällt, aber dennoch lässt sich ein schnellerer Preisauftrieb nicht von der Hand weisen. Auch ist die Arbeitslosenquote schneller gesunken, als es die Zentralbank bisher prognostizierte: Bei 5,5 Prozent gilt ihr Ziel quasi als erreicht.

Und was könnte bei einer Anhebung passieren?

Die größte Sorge ist, dass höhere Zinsen das Wachstum abwürgen könnten. Teurere Kredite für Firmen und Hauskäufer könnten Investitionen verhindern, ein stärkerer Dollar könnte Exporte schwächen. Auch an den Aktienmärkten dürfte das nicht spurlos vorbeigehen. Denn bislang wurde die Rally an den Börsen hauptsächlich vom billigen Geld der Notenbanken angetrieben. Auch könnten Investoren Kapital aus Schwellenländern abziehen, um es wieder einträglicher zu Hause anzulegen – gefährlich für Staaten, deren Wachstum von Liquidität aus dem Ausland abhängt. Der Internationale Währungsfonds riet der Fed daher jüngst, bei Zinserhöhungen lieber ganz vorsichtig zu sein.

Manche Experten gehen nun davon aus, dass die Fed auf ihrer nächsten Sitzung am 16. und 17. September wegen der Turbulenzen noch warten wird. Die Analysten der Großbank Barclays halten es für möglich, dass sie sogar bis März 2016 die Zügel still halten könnte. Zwar rechtfertige die gute Konjunktur in den USA erste Zinserhöhungen, die Fed werde aber nicht die Märkte weiter destabilisieren wollen.

Sollte sich die Lage entspannen, könnte die amerikanische Notenbank aber auch Ende 2015 schon handeln.

„Es wäre verrückt, die Zinsen anzuheben, wenn die Märkte so in Aufruhr sind“, sagte auch Martin Barnes, Chefvolkswirt vom Analysehaus BCA Research im kanadischen Montreal. Für einige Experten ist ein Zinsschritt im September allerdings noch nicht vom Tisch. Sie verweisen darauf, dass sich die Börsen auch schnell wieder drehen könnten. Zudem stehen diesen Monat weitere Daten zum US-Arbeitsmarkt an, die das Bild einer US-Konjunktur in robuster Verfassung bestätigen könnten.

„Es ist erst August und die Märkte bewegen sich schnell“ sagte etwa Michael Feroli, Volkswirt beim Bankhaus JP Morgan Chase.

Von

rtr

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