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10.08.2014

18:45 Uhr

Notenbank-Berater

EZB sollte als Käufer im ABS-Markt agieren

ExklusivABS-Papieren haftet seit der Finanzkrise der Ruf als „Giftpapiere“ an. Trotzdem arbeitet die EZB hinter den Kulissen intensiv an einer Wiederbelebung dieses Marktes. Zu Recht, meint Finanzmarktexperte Markus Brunnermeier.

Geht es nach Finanzmarktexperte Markus Brunnermeier, wird die EZB als Käufer im ABS-Markt agieren. dpa

Geht es nach Finanzmarktexperte Markus Brunnermeier, wird die EZB als Käufer im ABS-Markt agieren.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) sollte und wird als Käufer in dem in Verruf geratenen Markt für Verbriefungen, sogenannte Asset Backed Securities (ABS), agieren. Diese Ansicht vertritt Princeton-Ökonom Markus Brunnermeier, der zu den weltweit angesehensten Beratern der Notenbanken zählt, im Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe). „Nach der Krise wurden alle ABS-Papiere über einen Kamm geschoren und pauschal verteufelt. Es gibt aber gute und schlechte Verbriefungen“, sagt er. Zum Beispiel würde heute keiner den deutschen Pfandbrief in Frage stellen. Bevor die Notenbank als Käufer auftreten könne, müsse aber erst ein Markt mit „adäquaten Strukturen“ aufgebaut werden.

ABS-Papieren haftet seit der Finanzkrise der Ruf als sogenannte Giftpapiere an. Bis heute hat sich der Markt nicht davon erholt. Trotzdem arbeitet die EZB hinter den Kulissen intensiv an einer Wiederbelebung dieses Marktes. Zu Recht, meint Finanzmarktexperte Brunnermeier.

Das Problem der EZB sei, dass ihre derzeitigen geldpolitischen Maßnahmen nur Teile der Wirtschaft erreichten. „Die Zinsen von Staats-und Unternehmensanleihen sind stark gesunken, das hilft Staaten und Großunternehmen“, sagt der Princeton-Ökonom. Kleinunternehmen und Mittelständler aber hätten in den Peripherieländern Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen. Denn anders als Großunternehmen könnten sie sich nicht am Kapitalmarkt mit Geld versorgen, sondern seien auf Banken angewiesen.

Die EZB als entscheidende finanzpolitische Macht

Käufer von Staatsanleihen

Die EZB hat ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen. Sie kann frei entscheiden, wie viele Anleihen sie von Ländern kauft, um deren Zinslast zu drücken. Bislang hat die EZB für 211 Milliarden Euro Staatsanleihen gekauft - wie viele Bonds sie jeweils von welchen Ländern gekauft hat, hält sie geheim.

Regierungsaufseher

In Griechenland, Portugal und Irland kontrolliert die EZB zusammen mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds direkt die Finanz- und Wirtschaftspolitik der jeweiligen Regierung. Das schließt sogar detaillierte Vorgaben zur Reform des Taxigewerbes ein. Wenn der Rettungsschirm ESM einsatzbereit sein sollte und weitere Länder sich unter seinen Schutz begeben, könnte sich die indirekte Regierungsbeteiligung der EZB bald über halb Europa erstrecken.

Bankenretter

Eigentlich sollte die EZB nur solventen, also kreditwürdigen Banken Liquidität gegen gute Sicherheiten geben. Aber nachdem ganze Bankensysteme aus den Fugen geraten waren, zeigte die EZB sich immer großzügiger: Sie hat den Banken eine Billion Euro an Krediten mit dreijähriger Laufzeit gegeben. Damit ersetzt sie die Bankanleihen, über die sich die Häuser sonst finanzieren, die viele Banken aber nicht mehr absetzen können, weil sie als nicht mehr solvent genug gelten. Ohne diese Sonderkredite der EZB hätten viele Banken auslaufende Bankanleihen nicht mehr bedienen können und hätten geschlossen werden müssen, mit hohen Kosten für die Steuerzahler.

Undurchsichtige Nothilfen

Besonders undurchsichtig sind die Nothilfen, mit denen nationale Zentralbanken Problembanken helfen. Diese Nothilfe, genannt „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA), kommt zum Einsatz, wenn Banken nicht mehr über genügend für die EZB akzeptable Sicherheiten verfügen. Die Notenbanken Griechenlands und Irlands, die am stärksten ELAs vergeben haben, weisen das Volumen dieser Hilfsprogramme in ihren Bilanzen nicht eindeutig aus. Griechische Banken können sich derzeit nur noch über ELA mit Liquidität versorgen.

Bankaufseher

Die europäischen Regierungschefs haben beschlossen, eine gemeinsame europäische Bankaufsicht zu schaffen. Die EZB soll die Oberhoheit bekommen und arbeitet bereits Pläne aus. Kritiker, auch unter den Notenbankern, fragen sich, wie man eine politisch unabhängige Institution, die sich für ihr Tun und Unterlassen nicht rechtfertigen muss, Entscheidungen über die Abwicklung oder Rettung von Banken treffen lassen kann, die die Steuerzahler Hunderte Milliarden Euro kosten können.

Außenhandelsfinanzierer

Durch die großzügige Notenbankhilfe werden nicht nur Banken gerettet, sondern ganze Staaten. Denn mit dem großzügigen Kredit von der EZB bezahlen die griechischen oder spanischen Banken die Forderungen des Auslands. Die entstehen dadurch, dass diese Länder im Handels- und Kapitalverkehr mit dem Ausland weniger einnehmen, als sie bezahlen müssen. Da sie den nötigen Kredit von privater Seite nicht mehr bekommen, müssten sie ihre Einfuhren sofort massiv einschränken, wenn die Notenbank nicht so großzügig Kredit gewährte.

„Solange Banken aber nicht hinreichend kapitalisiert sind, kaufen sie lieber einheimische Staatspapiere anstatt nötige Kredite zu vergeben“, so Brunnermeier. „Der ABS-Markt kann ein zweiter Finanzierungskanal für Mittelständler werden, der weniger von den Banken abhängt“, meint er.

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Von

doh

Kommentare (2)

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Herr Stephan Fischer

11.08.2014, 19:35 Uhr

Dieser Vorschlag verfolgt das Ziel bankrotte Unternehmen und Staaten liquide zu halten. Dies ist ökonomisch nicht sinnvoll und es ist auch rechtswidrig. An den Finanzmärkten ist heute reichlich Liquidität vorhanden. Wenn Unternehmen nicht kreditwürdig sind, dann liegt dies an niemand anderem als an den Unternehmen selbst. Geld darf auch nicht billig sein, denn billiges Geld wird nur sinnlos verbraten (siehe Neuer Markt).

Herr Manfred Zimmer

11.08.2014, 20:18 Uhr

Man mögendochneinmal öffentlich machen, welcher Auftrag dienEZB denn tatsächlich hat und wer diebEZB tatsächlich verantwortlich überwacht.

Sollte sich herausstellen, dass sich alle für zuständig, aber sich niemand für verantwortlich erklärt, sollte zwingend eine Abgrenzung zu einem Kindergarten herbeigeführt werden.

Welcher normal denkende Bürger erwartet von einer Institution redliches Handeln, wenn keine verantwortliche Überwachung etabliert wurde.

Ich halte die watete, dass es niemanden in diesem Zirkus gibt, der sich für verantwortlich hält. Den Punkt, dass über solche Handlungsweise mafiöse Strukturen geradezu angezogen werden , möchte ich hier nicht ausführen.

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