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06.12.2012

15:49 Uhr

Notenbank

EZB-Leitzins bleibt auf Rekordtief

Die Konjunktur schwächelt, doch die EZB macht das Geld in Europa nicht noch billiger. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Die Notenbank hat die Instrumente geliefert, nun sieht sie die Politik am Zug.

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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) stellt eine Rückkehr des Vertrauens an den Finanzmärkten fest und rechnet im kommenden Jahr mit einer sinkenden Inflation in der Eurozone. Trotz der schrumpfenden Wirtschaft sieht die Notenbank von einer Senkung des Leitzinses unter das historische Tief von 0,75 Prozent ab, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main bekanntgab. Manche Ökonomen hatten erklärt, dass eine weitere Senkung angesichts der Rezession in der Währungsunion angezeigt wäre.

Im letzten Quartal dieses Jahres werde sich die Wirtschaftskrise im gemeinsamen Währungsraum nach den derzeit verfügbaren Daten zwar weiter verschärfen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. "Aber in jüngster Zeit haben sich einige Indikatoren auf niedrigem Niveau stabilisiert, und das Vertrauen an den Finanzmärkten hat sich weiter erholt", erklärte er. In Deutschland und Frankreich sei im November eine steigende Zuversicht auf eine wirtschaftliche Erholung gemessen worden.

EZB-Präsident: Mario Draghi - ein Freund klarer Worte

EZB-Präsident

Mario Draghi - ein Freund klarer Worte

Mario Draghi ist ein Mann der klaren Worte und der großen Schritte - und das nicht erst seit seinem Versprechen, den Euro zu retten. Draghi steht für ein starke EU und für eine EZB, die immer mehr Aufgaben übernimmt.

Die Konjunkturerwartungen für dieses und nächstes Jahr senkte die EZB derweil aber weiter. Dieses Jahr rechnen die Notenbanker mit einem Schrumpfen der Wirtschaft im Euroraum zwischen 0,4 und 0,6 Prozent. Für das kommende Jahr werde das Wachstum zwischen plus 0,3 Prozent und minus 0,9 Prozent liegen. Im Laufe des Jahres 2013 werde steigende Nachfrage von außerhalb der Eurozone und ein weiter gestärktes Vertrauen an den Finanzmärkten aber zu einer Erholung der Wirtschaft führen.

Es gilt als ungewiss, ob eine weitere Zinssenkung der schwachen Wirtschaft in den europäischen Krisenstaaten überhaupt wieder auf die Beine helfen würde. Eigentlich führt billiges Geld zur Vergabe von mehr Krediten. Solange Unternehmen und Privatleute aber unter der Unsicherheit leiden, wie es mit dem Euro weitergeht, halten sie sich mit Investitionen, Einkäufen und Bauvorhaben zurück.

Draghi drängte denn auch die EU zu einer schnellen Einigung über eine einheitliche europäische Bankenaufsicht. "Eine einheitliche Aufsicht ist einer der wichtigsten Bausteine", sagte Draghi über die Schaffung einer stabilen Finanzstruktur.

Die EU-Finanzminister hatten allerdings Anfang der Woche ihre Verhandlungen über die einheitliche Bankenaufsicht vertagt, weil auf die Schnelle kein Konsens zu erzielen war. Die bisherigen Pläne sehen vor, dass die Aufsicht bei der EZB angesiedelt werden soll. Umstritten ist aber, ob die Aufseher nur für die großen, systemrelevanten Banken zuständig sein sollen oder für alle mehr als 6.000 Banken im Euroraum. Ein weiteres Problem ist es, die Aufsicht bei der EZB klar von der Geldpolitik zu trennen, die mitunter im Interessenwiderspruch zueinander stehen können.

Kommentare (6)

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Republikaner

06.12.2012, 15:02 Uhr

Was heißt hier eigentlich "noch billiger"? Die EZB kommt ihrem Auftrag für eine stabile Währung zu sorgen einfach nicht nach, bei Inflationsraten über 2% (das sind die schön gerechneten!)und permanenter Pleite-Staatenfinanzierung. Jeder Lebensversicherte oder Rentern ist diesen Figuren ans Messer geliefert!

Account gelöscht!

06.12.2012, 15:33 Uhr

Unser Finanz- und Wirtschaftssystem steckt in seiner finalen Phase und am Ende steht der Crash. Sobald die Notenbanken den Leitzins anheben würden, wird die Wirtschaft noch mehr in die Knie gehen! Also muss man die deflationäre Phase zwangsläufig mit Inflation bekämpfen, was aber letztendlich den Untergang dieses Systems besiegeln wird! Also ein Teufelskreis.
Jedes gegenteilige Geschwätz der Politik ist nur eine Beschwichtigungs- und Hinhaltetaktik. Die Geschichte wiederholt sich. Dagegen kann auch Herr Draghi nichts machen.

Account gelöscht!

06.12.2012, 16:09 Uhr

"Es gilt als ungewiss, ob eine weitere Zinssenkung der schwachen Wirtschaft in den europäischen Krisenstaaten überhaupt wieder auf die Beine helfen würde."

Immer noch scheinen manche Leute nicht begriffen zu haben, daß zu hohe Zinsen zwar die Realwirtschaft in ihrer Expansion bremsen können, aber niedrige Zinsen nicht ebenso die Realwirtschaft ankurbeln können.

Wer diese Asymmetrie nicht begreift, muß halt mal einen Grundkurs in VWL besuchen.

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