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22.08.2014

14:20 Uhr

Notenbanker-Treffen in Jackson Hole

Draghi lässt den Euro schmelzen

Europas Konjunktur springt nicht recht an. Ein niedrigerer Euro-Kurs würde helfen – aber wollen wir das? EZB-Chef Chef Mario Draghi hat sich entschieden: Er will und wirbt für seine Haltung beim Treffen der Notenbanker.

Getty Images

DüsseldorfSollte Mario Draghi bei seinem Besuch in Jackson Hole, Wyoming, mal einen Shopping-Zwischenstopp einlegen, wird er sich ärgern. Für seine Euro kann sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in den USA jetzt weniger kaufen als noch vor ein paar Wochen. Unter 1,33 Dollar notiert die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar, und sie steht vor den höchsten Verlusten der vergangenen drei Monate.

Was den Privatmenschen Draghi ärgert, freut den Notenbanker Draghi. Denn genau diese Schwächung des Euro war sein Ziel. In diesen Tagen weilt Draghi zusammen mit anderen wichtigen Notenbankern in dem malerischen Ort in den Rocky Mountains, um über Geldpolitik und Konjunkturtrends zu debattieren. Am Abend deutscher Zeit, ein paar Stunden nach Janet Yellen, der Chefin der US-Notenbank Fed, wird der Italiener bei einer Tischrede seine Sicht auf die Euro-Krise und die Lage in den Mitgliedstaaten kundtun.

Ein Termin, den Börsianer an diesem Freitag fest im Blick haben. „Heute richten sich alle Augen auf die Notenbankkonferenz in Jackson Hole“, beschrieb Experte Lutz Karpowitz von der Commerzbank die Stimmung am Devisenmarkt.

Was wird Draghi zur Lage in Europa sagen? Es sieht düster aus, wie die jüngsten Konjunkturdaten nahelegen. In den drei größten europäischen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich und Italien herrscht Flaute, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum verharrte zwischen April und Juni nur auf dem Niveau des Vorquartals. In weiten Teilen des Kontinents herrscht noch immer hohe Arbeitslosigkeit.

Die Risiken nehmen zudem weiter zu, warnte die Notenbank kürzlich in ihrem Monatsbericht. Die aktuellen Krisen, die Entwicklung in den Schwellenländern und an den Märkten „könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen“. Gleichzeitig liegt die Inflation bei kläglichen 0,4 Prozent und damit weit unter den von der EZB angepeilten knapp unter 2,0 Prozent.

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

Draghi steuert schon seit Monaten unter anderem mit einem rekordniedrigen Leitzins von 0,15 Prozent dagegen an. Ein vermeintlich vielversprechender Weg ist die Abwertung des Euro. Damit würden europäische Produkte billiger, die Unternehmen könnten mehr Produkte verkaufen. Vorreiter bei solchen Forderungen sind Italien und Frankreich. So forderte Präsident Francois Hollande kürzlich in einem Interview die EZB erneut auf, mehr zur Schwächung des Euro tun. Die Stärke der Gemeinschaftswährung sei eine Wachstumsbremse.

Kommentare (15)

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Herr Mmnews De

22.08.2014, 14:36 Uhr

Das Schuldgeldsystem der int. Bankster ist ein Selbstmordprogramm auf allen Ebenen.
Doch die Kritik daran ist ebenso tabu wie seinerzeit den Sozialismus in Frage zu stellen.

Standhaft weigern sich Experten und Politiker, die wahre Ursache der Krise zu erkennen – an deren Ende zwangsläufig der totale gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Kollaps programmiert ist. Die Vorboten dieses Zerfalls sind bereits überall spürbar.

Diese sich verschlimmernden Krisen werden von einem dysfunktionalen Geldsystem forciert.
Ein wichtiger Grund, warum es immer schwieriger wird, diese Krisen zu beheben, beruht auf einem fundamentalen Konstruktionsfehler in unserem Wirtschaftssystem, nämlich der Art und Weise wie Geld geschaffen wird!

Für einen nachhaltigen Kapitalismus ist es darum zwingend erforderlich, dass wir ein nachhaltiges Geldsystem erschaffen.

Die Geldschöpfung erscheint für die Meisten wie ein Mysterium und wird bisher nur von Wenigen wirklich verstanden.

Nach Aussen erscheint es so, als ob die Bankster die Einlagen anderer gegen eine Marge verleihen. In Wirklichkeit wird aber bei jedem Kredit neues aus dem Nichts Geld geschaffen!

Lösung: Das aktuelle Schuldgeldsystem ( Problem ) verstehen!

Wie?

Als erstes "Goldschmied Fabian" gucken.
Dann Prof. Bernd Senf "Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise", Andreas Popp "Danistakratie" und Mario Fleischmann "Das Zwangsgeldsystem".
Wenn man es dann verstanden hat, findet man noch unzähliges im www dazu.

Sollten wir uns nicht fragen, ob es nicht an der Zeit ist, ein neues Geldsystem einzuführen?

Ein Geldsystem ohne Zwang zu immer mehr Wachstum?

Oder die Erdlinge können sich bald ein neues Zuhause suchen, nachdem sie ihren eigenen Planeten zerstört haben!

Herr Ossi NB

22.08.2014, 14:41 Uhr

"Für seine Euro kann sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) in den USA jetzt mehr kaufen als noch vor ein paar Wochen."
Das ist ja wunderbar! Wir können lt.Handelsblatt mit einem schwächeren Euro mehr exportieren und gleichzeitig günstiger im Ausland einkaufen. Die Eurokrise ist gelöst!

Hans Bentzien

22.08.2014, 14:52 Uhr

Für einen schwächeren Euro kann sich Herr Draghi weniger kaufen als vor ein paar Wochen. Der Euro wertet seit Ende Juni ab.

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