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06.01.2005

11:24 Uhr

November-Umsätze enttäuschend schwach

Keine Hoffnung auf Trendwende im Einzelhandel

Überraschend sind die Umsätze der deutschen Einzelhändler im November nach dem Anstieg im Vormonat wieder eingebrochen. Experten rechnen vorerst nicht mit einer Trendwende in der kriselnden Branche.

HB BERLIN. Von Oktober auf November schrumpfte der Einzelhandelsumsatz inflationsbereinigt (real) um 2,5 %, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Damit lagen die Umsätze zwar 0,1 % über dem Vorjahr. „Das war aber deutlich schwächer als erwartet, vor allem wenn man bedenkt, dass der November einen Einkaufstag mehr hatte und dass das 1. Adventswochenende schon in den November fiel“, sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Wie andere Volkswirte erwartet er auch 2005 keine deutlichen Impulse vom privaten Konsum.

Auch die Branche selbst zeigte sich enttäuscht, setzt aber auf ein besseres Ergebnis im Dezember und hofft, damit das Ziel höherer Umsätze im Weihnachtsgeschäfts noch erreicht zu haben.

Von Reuters befragte Analysten hatten für November einen Umsatzanstieg im Jahresvergleich von real 1,0 % und einen Rückgang von 0,2 % im Monatsvergleich prognostiziert. Nach Bundesbank-Daten, die noch die Umsätze von Tankstellen und den KfZ-Handel mit einschließen, sanken die Erlöse um zwei Prozent zum Vormonat und um 2,4 % zum Vorjahr. Im Oktober hatte der Einzelhandel noch ein Prozent mehr als im Vormonat umgesetzt, im Vergleich zum Vorjahr aber 4,4 % weniger verkauft.

„Die Daten waren schlecht, das kann man nicht anders sagen. Der Oktober hatte positiv überrascht und das ist jetzt ganz klar eine negative Überraschung“, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. „Wenn man ins Jahr 2005 hineinschaut, ist die Einkommensentwicklung sehr wahrscheinlich zu schwach, als dass sich eine Trendwende entwickeln könnte“, betonte Guntermann.

Die deutschen Einzelhändler gehen trotzdem von einem besseren Weihnachtsgeschäft - zu dem die Monate November und Dezember zählen - als im Vorjahr aus. Der Branchenverband BAG begründete dies damit, dass „der Löwenanteil an Geschenken nicht im November, sondern erst im Dezember eingekauft wurde“. Aber auch die Verbände hatten vom November ein besseres Ergebnis erwartet. „Der Stimmungsumschwung im Weihnachtsgeschäft, den wir gespürt haben, hat erst spät eingesetzt. Das hat den November nicht mehr beflügelt“, sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Er geht davon aus, dass die Branche im Gesamtjahr 2004 nach einem besseren Dezember noch ein nominales Umsatzminus von 0,5 bis ein Prozent erreichen kann. Bis November hat sich bisher allerdings ein Umsatzrückgang von real 1,5 % und nominal 1,4 % aufsummiert.

Der Dezember dürfte den Einzelhändlern Aufwind gegeben haben, wie mehrere Frühindikatoren andeuten. Der Bloomberg/NTC-Einkaufsmanagerindex stieg auf 54,8 von 51,2 im November. Zudem hatte sich das Ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel ebenso verbessert wie die Stimmung der Verbraucher.

Kräftige Umsatzsteigerungen im Jahresvergleich verbuchten im November die Bekleidungs- und Schuhgeschäfte, die real gut sechs Prozent mehr umsetzten. Der Handel mit Kosmetik und pharmazeutischen sowie medizinischen Produkten verkaufte gut vier Prozent mehr. Dagegen ging der Versandhandel um drei Prozent zurück, der sonstige Facheinzelhandel verkaufte rund fünf Prozent weniger. Im Bereich Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren blieb der Umsatz praktisch unverändert.

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