Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2013

11:40 Uhr

OECD-Prognose

Deutschlands Wirtschaft hängt Europa ab

Die OECD sieht die Entwicklung der deutschen Wirtschaft optimistisch und geht von einem Wachstum von mehr als zwei Prozent für 2013 aus. Allerdings gehe die Schere in Europa damit weiter auseinander.

Ein Mitarbeiter der Porsche AG montiert einen Porsche Carrera. Laut OECD wird sich die deutsche Wirtschaft besser entwickeln als im Rest der Euro-Zone. dpa

Ein Mitarbeiter der Porsche AG montiert einen Porsche Carrera. Laut OECD wird sich die deutsche Wirtschaft besser entwickeln als im Rest der Euro-Zone.

ParisDeutschland dürfte nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im ersten Halbjahr 2013 ein kräftiges Wirtschaftswachstum verzeichnen. In einem am Donnerstag in Paris vorgestellten Zwischenbericht zur Entwicklung der Weltwirtschaft heißt es, im ersten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland um knapp 0,6 Prozent zulegen, im zweiten Quartal dann um fast 0,7 Prozent. Auf das gesamte Jahr gerechnet bedeutet dies einen Zuwachs von 2,3 beziehungsweise 2,6 Prozent.

Es werde damit erneut ein deutliches „Auseinandergehen“ zwischen dem Wachstum in Deutschland und dem in anderen Euro-Staaten geben, wo die Wirtschaftsleistung nur gering zunehmen oder sogar schrumpfen werde, erklärte die OECD.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

So befindet sich Frankreich derzeit in einer leichten Rezession: Nach einem Rückgang des BIP um 0,3 Prozent im vierten Quartal 2012 dürfte die Wirtschaft in den ersten drei Monaten 2013 laut OECD nochmals um knapp 0,2 Prozent schrumpfen. Erst im zweiten Quartal gibt es dann wieder ein minimales Wachstum von rund 0,1 Prozent.

Von

afp

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

randolph99

28.03.2013, 11:57 Uhr

Wenn Europa was zählen soll, dann ist es nur wesentlich wie die Euro-Zone insgesamt wächst und nicht nur eine der Provinzen.

Account gelöscht!

28.03.2013, 12:10 Uhr

"Wenn Europa was zählen soll..." Woher kommt eigentlich der Größenwahn der Deutschen? Auch Politiker wollen ein Großeuropa, dass irgendwas in der Welt zu sagen haben soll - warum auch immer.

Schauen sie mal auf keine Länder wie Luxenburg, Niederlande, Lichtenstein, Schweiz, etc... diese Leben auch ganz gut. Warum muss immer alles groß und mächtig sein!?

Wegweiser

28.03.2013, 12:12 Uhr

Das hatte man bei dieser Währungsunion nicht bedacht (?). Ökonomische Ungleichgewichte, verschiedene Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten, fragile Bankensektoren, überschuldete Staaten und steigende Dauertransfers vielfältiger Art sowie ein massives Arbeitslosenproblem mit steigender Tendenz. Deshalb hat man auch sicherheitshalber die elementaren Kenngrößen der VGR in den Maastrichter Verträger weggelassen. Zufall? Absicht? Wer hat daran verdient, wer zahlte und zahlt die Rechnung? Wer trägt welche Risiken?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×