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05.01.2010

08:05 Uhr

Ökonom Fels

„Griechenland war nur ein Vorgeschmack für andere Länder“

VonDirk Heilmann

ExklusivDer Morgan-Stanley-Ökonom Joachim Fels warnt vor den Folgen der ausufernden Staatsverschuldung in vielen Staaten. „Die Finanzmärkte machen sich bereits mehr Sorgen um die Staatsfinanzen als um die Konjunktur, und das ist richtig und nachvollziehbar. Staatsverschuldung ist das nächste große Thema an den Märkten“, sagte Fels im Interview mit dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Kommen wir bald an den Punkt, an dem sich die Finanzmärkte mehr Sorgen über die Staatsverschuldung als über die Konjunktur machen?

Joachim Fels: Die Finanzmärkte machen sich bereits mehr Sorgen um die Staatsfinanzen, und das ist richtig und nachvollziehbar. Staatsverschuldung ist das nächste große Thema an den Märkten. Griechenland war nur ein Vorgeschmack für das, was auch auf andere Länder zukommen wird. Schließlich haben die Regierungen und die Notenbanken jede Menge schlechter Assets und Schulden von einem überschuldeten Privatsektor übernommen.

HB: Was wird an den Finanzmärkten passieren?

Fels: Die Finanzmärkte werden 2010 das Thema Staatsbankrott und damit das Thema Inflation spielen. Sie haben Angst, dass die Regierungen die Notenpressen anwerfen, um die Verschuldung zu reduzieren. Die Anleger werden höhere Risikoprämien verlangen und die Langfristzinsen hochtreiben. Das wird ab 2011 die Kosten für neue Staatsschulden in die Höhe treiben.

HB: Birgt das die Gefahr, dass die Regierungen sich zu schnell aus der Konjunkturstützung zurückziehen?

Fels: Nein, das glaube ich nicht. So schnell können sie ja gar nicht umsteuern.

HB: Wie wahrscheinlich ist es, dass wir einen spektakulären Staatsbankrott erleben, der ähnlich wie die Lehman-Pleite der Auslöser für eine Börsenpanik sein könnte?

Fels: Das halte ich nach wie vor für sehr unwahrscheinlich. Es gibt für Regierungen viele Möglichkeiten, einen Bankrott zu vermeiden. Sie können die Steuern erhöhen und die Ausgaben kürzen. Souveräne Staaten können auch einfach Geld drucken.

HB: Was für Griechenland keine Alternative ist.

Fels: Richtig, aber wenn Griechenland der Wille zur einer Sanierung der Staatsfinanzen fehlt, dann wird der Rest der Euro-Zone einspringen. Die Folgen für das Finanzsystem der Euro-Zone wären sonst einfach zu gravierend. Schließlich liegen die griechischen Staatsanleihen schön verteilt in den Depots von Banken, Versicherungen und anderen Anlegern in ganz Europa.

HB: Nun haben die Notenbanken in den USA und Großbritannien direkt und die EZB indirekt die wachsenden Defizite finanziert, indem sie Staatsanleihen gekauft haben. Wie kommen sie da wieder raus?

Fels: Der Exit wird ein langsamer, gradueller Prozess sein. Ich glaube nicht, dass die US-Notenbank oder die Bank of England schon bald Staatsanleihen verkaufen werden. Sie werden sie längerfristig halten und stattdessen andere Assets verkaufen oder Bills emittieren, um Liquidität aufzusaugen. Der Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik wird sehr langsam vonstatten gehen. Mit Leitzinserhöhungen rechnen wir nicht vor dem zweiten Halbjahr 2010. Das heißt, dass die Geldpolitik noch lange expansiv bleiben wird und wir auf mittlere und längere Sicht höhere Inflationsraten zu erwarten haben.

HB: Gilt das nur für die USA oder auch für Europa?

Fels: Die US-Notenbank wird stärker inflationieren, die EZB ist da vorsichtiger und sie ist ja schließlich auch unabhängiger von der Politik. Die Inflation wird vor allem importiert werden über höhere Rohstoffpreise und höhere Importpreise für Produkte aus Asien. Wenn die Welt inflationiert, werden wir uns, wie in den 70er-Jahren, nicht ganz abkoppeln können.

Kommentare (4)

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MS

05.01.2010, 23:04 Uhr

Nachdem sich Griechenland schon in die Euro-Zone gemogelt hat, glaube ich eher dass die griechische Regierung auf die Rettung/Unterstützung durch andere EU-Mitglieder spekuliert als die Ursachen für den drohenden Staatsbankrott anzugehen.

Die Hand in brüssel aufzuhalten ist erheblich einfacher als den eigenen Wähler effizient zu besteuern und die Schattenwirtschaft zu bekämpfen.

Spätestens mit dem Hinweis, dass zumindest die Euro-Staaten bei einem Staatsbankrott mitleiden müssen, wird als Daumenschraube ausreichend sein.

paulus

06.01.2010, 10:55 Uhr

hallo an alle

die brd hat bereits 14 neue komplette gelddruckmaschinen bestellt...!!!

gelesen bei kopp-verlag

in diesem sinne

Plebs

26.01.2010, 00:19 Uhr

Na ja, im Grunde sind das doch nur mal wieder die Wunschträume eines "Zombiebankers" verpackt als neutrale Einschätzungen und Prognosen.
im Klartext sagt der "Morgan-Stanley-Ökonom":
"bitte, bitte, liebe Staatenlenker und Notenbanker. Eure Nullzinspolitik ist das Einzige, was uns am Leben erhält und selbst moderate Erhöhungen auf, sagen wir mal 3,4 oder 5 %, wären unser sofortiger Tod".
Letzteres wäre auch der "Default" Griechenlands, weshalb unser "bankerfreund" auch gleich, halb flehend, halb drohend, den bailout Griechenlands als unausweichlich und zwingend hinstellt.
Nur, das ist er mitnichten ! Und über kurz oder lang geht auch den mächtigsten Staaten so langsam die Puste aus. "Spitz auf Knopf" lautet die Devise: Entweder springt die Wirtschaft DRAMATiSCH wieder an und amortisiert die extreme (Staats)verschuldung (unwahrscheinlich) oder eben nicht.
Letzlich können die Zombiebanken herumlavieren wie sie wollen, die Wahrscheinlichkeit eines globalen hyperDEFLATiONÄREN Zusammenbruchs steigt von Tag zu Tag...

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