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10.10.2013

06:22 Uhr

Ökonomen-Entwarnung

Keine Angst vor Inflation

VonDietmar Neuerer

Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland dürften sich darüber ärgern, dass ihr Lohnplus in diesem Jahr von der Inflation komplett aufgezehrt wurde. Doch Ökonomen geben Entwarnung. Denn ganz so schlimm ist die Lage nicht.

Euro-Münzen in einem Geldbeutel: Trotz Steigerungen der Tariflöhne haben die deutschen Arbeitnehmer unter dem Strich nicht mehr Geld in der Tasche. dpa

Euro-Münzen in einem Geldbeutel: Trotz Steigerungen der Tariflöhne haben die deutschen Arbeitnehmer unter dem Strich nicht mehr Geld in der Tasche.

BerlinFührende Ökonomen erwarten als Reaktion auf die Inflation eine deutliche Steigerung der Tariflöhne in Deutschland. „Die Ära sehr zurückhaltender Lohnabschlüsse ist ohnehin vorüber. Schließlich ist die Zahl der Arbeitslosen in den zurückliegenden Jahren deutlich gefallen, in einigen Branchen und Regionen sind Fachkräfte knapp geworden, viele Politiker fordern höhere Lohnsteigerungen“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, Handelsblatt Online. „All das erhöht die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften.“ Die Tariflöhne dürften nach Krämers Einschätzung in diesem Jahr um 3,0 Prozent zunehmen und die Inflation von schätzungsweise 1,6 Prozent deutlich übertreffen.

Von einer positiven Lohnentwicklung geht auch der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, aus. „Im weiteren Jahresverlauf dürften die Gehälter  wieder stärker  zunehmen, so dass im  Jahresdurchschnitt ein reales Plus von etwa 1 Prozent herauskommt“, sagte Horn Handelsblatt Online. Dies sei auch nötig, um die Binnennachfrage, darunter insbesondere den privaten Verbrauch zu stimulieren. „Nur so ist wegen der außenwirtschaftlichen Belastungen durch die Krise im Euro-Raum eine Stagnation in Deutschland vermeidbar.“

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Hintergrund ist, dass die Kaufkraft der deutschen Arbeitnehmer dieses Jahr womöglich erstmals seit der Weltwirtschaftskrise 2009 nicht mehr zunehmen wird. Das legen Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden nahe, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Die Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen stiegen demnach von April bis Juni zwar um 1,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Allerdings erhöhten sich die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum genauso stark, so dass die Lohnerhöhungen komplett von der Inflation aufgezehrt wurden. Im ersten Quartal waren die Reallöhne mit 0,1 Prozent erstmals seit Ende 2009 wieder geschrumpft.

Commerzbank-Chefökonom Krämer wandte allerdings ein, dass die Zahl für das zweite Quartal die Entwicklung der Reallöhne unterzeichne. „Denn rechnet man die schwankungsanfälligen Sonderzahlungen heraus, ergibt sich für die Reallöhne im zweiten Quartal ein Plus von 0,4 Prozent“, sagte er.

Kommentare (9)

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VICTOR_KRUGER

10.10.2013, 07:26 Uhr

EDEKA läßt grüßen.

Account gelöscht!

10.10.2013, 08:44 Uhr

Es ist weder nachvollziehbar, wie die Rechenkünstler auf diese Durchschnittslöhne kommen, noch wie die Inflationsrate ausgewürfelt wird.

Gast

10.10.2013, 08:47 Uhr

Der erste Ausspruch über Löhne, gefallene Arbeitslosenzahlen, Verhandlungsmacht der Gewerkschaften und 1,6% Inflation...

Schon nach dem ersten Absatz ist es schwierig weiter zu lesen, schwimmt der Blick doch vor tränen des Lachanfalls.

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