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10.08.2011

15:15 Uhr

Ökonomen grübeln

Kurs-Talfahrt stellt Konjunkturprognosen in Frage

Für 2012 haben fast alle Experten ein mäßiges Abflauen der Konjunktur prognostiziert. Doch das aktuelle Finanzmarkt-Chaos kommt überraschend - und gefährdet die bisherigen Rechenmodelle.

Shoppingtour: Kurs-Talfahrt gefährdet Konjunkturprognosen. Quelle: dpa

Shoppingtour: Kurs-Talfahrt gefährdet Konjunkturprognosen.

Berlin2009 Rezession, 2010 Aufschwung, 2011 Boom mit Schuldenkrise. Aber was kommt 2012? Die Abstürze an den Finanzmärkten wirbeln die Rechenmodelle der Ökonomen durcheinander. „In so einer turbulenten Zeit ist es schwer, mit klarem Kopf eine Prognose zu machen“, sagt Chefvolkswirt Kai Carstensen vom Ifo-Institut. Zunächst müsse man zwei, drei Wochen abwarten. „Vielleicht hat sich dann schon einiges wieder erholt.“ Entscheidend ist nach Ansicht der Düsseldorfer IMK-Forscher, dass die Schuldenprobleme in der Euro-Zone und der USA gelöst werden. „Wenn jetzt die Börsen zusammenbrechen, würde es für das nächste Jahr ganz schlecht aussehen“, betont IMK-Direktor Gustav Horn.

Nach dem Konjunkturtief 2009 erholte sich die exportorientierte deutsche Wirtschaft überraschend schnell. 2010 gelang mit 3,6 Prozent das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. Für 2011 hatten die meisten Experten das zweite Boomjahr in Folge auf dem Zettel, mit einem Plus von 3,5 Prozent oder mehr. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut hat sogar vier Prozent vorausgesagt. Noch hält Horn an der Prognose fest - allerdings nur, wenn die Finanzmärkte in der zweiten Jahreshälfte nicht für einen Absturz der Konjunktur sorgen.

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Das Wirtschaftsklima habe sich deutlich verschlechtert, die Aussichten seien trübe.

Für die Turbulenzen an den Börsen sieht Carstensen mehrere Gründe: „Der Aufschwung auch an den Aktienmärkten war von der Erwartung getrieben, dass sich die Weltwirtschaft unfallfrei erholt und dass die US-Wirtschaft wieder Tritt fasst.“ Diese Hoffnung sei ebenso enttäuscht worden wie die, dass die Staatsschulden-Probleme in den USA und Europa gelöst werden. Dies sorge für Unsicherheit. „Das schlägt natürlich auf die Investitionsfreude der Firmen und auf die Laune der Verbraucher, sich teure Sachen wie Autos zu kaufen“, sagt der Ifo-Experte.

Für 2012 hatte er wie alle Fachleute ohnehin ein deutliches Abflauen des Aufschwungs eingepreist - das Ifo prognostiziert nur noch ein Anziehen um 2,3 Prozent. „Vielleicht kommt die Verlangsamung jetzt ein bisschen stärker als gedacht“, betont Carstensen. Die Commerzbank kappte jüngst ihre Prognose bereits auf 2,0 von 2,5 Prozent, betonte aber, dies sei „für deutsche Verhältnisse noch immer ordentlich und wird sich gut anfühlen“. Viel dürfte abhängen von den aufstrebenden Märkten wie Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (“BRICS-Staaten“). Sie sorgten in der Vergangenheit für viel Schwung in der globalen Nachfrage, verloren zuletzt aber auch deutlich an Tempo.

„Die entscheidende Frage für 2012 ist: Hat sich die Lage der Schwellenländern stabilisiert oder kommt es zum Abschwung“, sagt Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees von der Bank Unicredit. „Die deutschen Firmen
sitzen noch auf einem riesigen Berg von Aufträgen.“ Dies werde in den nächsten Monaten noch helfen. „Im neuen Jahr könnte es ungemütlich werden.“

Diese Sorge ist bei den Exporteuren längst angekommen. „Wir spüren derzeit den Sand im Getriebe der Weltwirtschaft“, räumt der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner, ein. Bremsspuren, die von der schwächeren US-Wirtschaft ausgingen, würden sich schon in den nächsten Monaten bemerkbar machen. Für den Wirtschaftsweisen Peter Bofinger ist noch nicht klar, ob die Binnennachfrage schon stark genug ist, um diese Lücke komplett zu schließen. „Für die nächsten Quartale sind in Deutschland relativ niedrige Wachstumsraten zu erwarten“, sagt der Würzburger Ökonomie-Professor zu Reuters Insider-TV.

Reine Schwarzmalerei wollen die Fachleute aber nicht betreiben. Ihre Rechenmodelle lassen immerhin auch optimistische Szenarien zu. „Wenn die Turbulenzen Ende der Woche durch sind, und sich die Börsen auf niedrigem Niveau einpendeln, dann sieht die Welt schon wieder anders aus“, sagt Ifo-Mann Carstensen. „Dann wären die Folgen für die Realwirtschaft begrenzt.“ Für einen Lichtblick sorgte auch die US-Notenbank. Mit ihrem Bekenntnis zur Nullzinspolitik stoppte sie am Mittwoch vorerst die zweiwöchige Talfahrt der internationalen Aktienmärkte.

Von

rtr

Kommentare (12)

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Ergo

10.08.2011, 15:55 Uhr

Die Prognosen von staatstreuen Experten werden in Frage gestellt.Ist das nicht herrlich misteriös.

Account gelöscht!

10.08.2011, 16:11 Uhr

"Doch das aktuelle Finanzmarkt-Chaos kommt überraschend - und gefährdet die bisherigen Rechenmodelle."
Wo leben die denn? Die aktuelle Talfahrt kam doch nicht überraschend!

Account gelöscht!

10.08.2011, 16:12 Uhr

"Doch das aktuelle Finanzmarkt-Chaos kommt überraschend - und gefährdet die bisherigen Rechenmodelle."
Wo leben die denn? Das kommt doch nicht überraschend!

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