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15.11.2012

16:50 Uhr

Ökonomen warnen

Südländer-Virus bedroht Deutschland

VonDietmar Neuerer

Die Einschläge in der Schuldenkrise kommen immer näher: Jüngste Wirtschaftsdaten für die Euro-Zone verheißen nichts Gutes. Auch Deutschland könnte nach Ansicht von Ökonomen in den Abwärtsstrudel geraten.

Kein Ende der europäischen Schuldenkrise in Sicht: Geht auch Deutschland bald die Luft aus? dpa

Kein Ende der europäischen Schuldenkrise in Sicht: Geht auch Deutschland bald die Luft aus?

BerlinInzwischen ist es schon eine Binsenweisheit, dass das größte Wachstumshemmnis für die europäischen Krisenstaaten die harten Sparprogramme sind, die ihnen von den Euro-Rettern abverlangt werden. Die Herausforderung besteht darin, trotz des Schulden- und Risikoabbaus und des in Gangsetzens von Reformen weiter zu wachsen. Dass es dabei nicht einfach ist, ein Gleichgewicht zwischen Haushaltskonsolidierung und Wachstum zu finden zeigt die wirtschaftliche Entwicklung der Euro-Zone, die katastrophal schlecht ist.

Die Wirtschaftsleistung in den 17 Euro-Staaten ist im dritten Quartal geschrumpft, wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg mitteilte. Demnach sank das Bruttoinlandsprodukt zwischen Juli und September um 0,1 Prozent. In Deutschland und Frankreich war noch ein leichtes Plus von jeweils 0,2 Prozent zu verzeichnen. Doch in den klammen Südländern Spanien, Portugal, Griechenland gab es einen teilweise drastischen Rückgang der Wirtschaftskraft.  

Die weltweit besten Industriestandorte

Platz 1

Die USA behaupten sich im IQ-Index auf dem ersten Rang. Dort waren die Vereinigten Staaten bereits 1995 zu finden.

Platz 2

Im Vergleich von 45 Industrienationen belegt Schweden den zweiten Rang. Seit 1995 hat sich Schweden damit um zwei Plätze verbessert.

Platz 3

Dänemark macht zwei Plätze gut und springt auf Rang 3. Skandinavien macht derzeit wirtschaftlich eine gute Figur.

Platz 4

Auch Deutschlands Nachbar Schweiz schafft es auf einen der vorderen Plätze – 1995 stand die Alpenrepublik noch auf Rang 7.

Platz 5

Deutschland macht den größten Sprung bei den Top-Industrienationen. 1995 sah das IW-Institut die Bundesrepublik noch auf Platz 14.

Platz 6

Knapp hinter Deutschland folgt Australien auf Platz 6 – sogar mit dem gleichen Indexwert aus den 58 einzelnen Kategorien.

Platz 7

Platz 7 geht an die Niederlande – damit verschlechtert sich unser Nachbar deutlich. Die Holländer lagen 1995 noch an zweiter Stelle des IW-Rankings.

Platz 8

Auch Kanada muss einen Rückschlag hinnehmen. Der nordische Nachbar der USA stürzt um satte fünf Plätze ab.

Dass Sparmaßnahmen das Wirtschaftswachstum stärker als erwartet gebremst haben, werten manche Ökonomen als Warnsignal. Denn am Ende könnten alle verlieren – auch ökonomische Schwergewichte wie Deutschland. Für den Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, steht deshalb auch außer Frage, dass die Austeritätspolitik gescheitert ist.  Doch offenkundig  hätten die wirtschaftspolitischen Handlungsträger immer noch nicht  die  „verheerende Wirkung ihrer Austeritätsstrategie“  verstanden, sagte Horn Handelsblatt Online. „Dies droht nun auch jene Volkswirtschaften in den Abwärtsstrudel zu ziehen, die  wie  Deutschland  der Rezession bisher  getrotzt  haben.“

Helfen kann derzeit aus Horns Sicht nur ein Strategiewechsel, der die gesamtwirtschaftliche Nachfrage  im Euro-Raum schone und  sich stattdessen auf  die notwendigen Reformen wie die Einführung eines  tragfähigen Steuersystems in Griechenland  fokussiere. „Erste noch zu zögerliche Ansätze dieses Wechsels sind in der Verlängerung des Zeitraums  für  die Budgetziele  in Griechenland erkennbar“, sagte Horn.

Anders als Horn sieht der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, wenig Möglichkeiten, am derzeitigen Kurs für die Krisenländer etwas zu verändern. „Eine einfache Alternative zum Reform- und Konsolidierungsprozess in Südeuropa gibt es nicht, denn schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme – so sie denn überhaupt wirken – werden von den Kapitalgebern nicht mehr finanziert“, sagte Carstensen Handelsblatt Online. „Je schneller die Strukturreformen umgesetzt werden, desto eher wird sich Südeuropa aus der Krise arbeiten können.“

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Renten

Die Rentner müssen mit Kürzungen um fast 4,8 Milliarden Euro rechnen. Alle Renten von 1000 Euro aufwärts werden um fünf bis 15 Prozent gesenkt. Das Weihnachtsgeld für Rentner wird abgeschafft; es war bereits von einer Monatsrente auf 400 Euro gekürzt worden. Die Gewerkschaften rechneten aus, dass damit die Rentner im Durchschnitt 2000 Euro im Jahr verlieren werden.

Arbeitnehmer

Die Abfindungen für entlassene Arbeitnehmer werden drastisch gesenkt. Arbeitgeber dürfen Verträge mit jedem einzelnen Arbeitnehmer schließen. Damit werden praktisch Tarifverhandlungen umgangen.

Staatsbedienstete

Auch den Staatsbediensteten werden die jeweils verbliebenen 400 Euro vom Weihnachtsgeld sowie vom Urlaubsgeld gestrichen. Viele Löhne und Gehälter sollen um sechs bis 20 Prozent verringert werden. Bis Ende 2012 sollen 2000 Staatsbedienstete in die Frühpensionierung gehen oder entlassen werden. Bis zum Eintritt des Rentenalters erhalten sie dann 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Gesundheitswesen

Im Gesundheitswesen sollen 1,5 Milliarden Euro eingespart werden. Unter anderem sollen die Versicherten sich mit höheren Eigenbeiträgen beim Kauf von Medikamenten beteiligen. Zahlreiche Krankenhäuser sollen schließen. Andere sollen sich zusammenschließen.

Gehaltskürzungen

Die Gehälter der Angestellten der öffentlich-rechtlichen Betriebe, wie beispielsweise der Elektrizitätsgesellschaft (DEI), sollen denen der Staatsbediensteten angeglichen werden. Dies bedeutet für die Betroffenen nach Berechnungen der Gewerkschaften bis zu 30 Prozent weniger Geld.

Kindergeld

Familien, die mehr als 18 000 Euro im Jahr verdienen, haben keinen Anspruch auf Kindergeld mehr.

Rentenalter

Das Rentenalter wird für alle von 65 Jahre auf 67 Jahre angehoben.

Kommentare (36)

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Account gelöscht!

15.11.2012, 17:08 Uhr

"Südländer-Virus bedroht Deutschland"

Süd und Ost und den Satz darf man ruhig zweideutig verstehen. Wer jemanden kennt der bei der Polizei arbeitet oder in einem Arbeitsamt, der kann so einiges berichten....nicht nur aus wirtschaftlicer Sicht.

Nexus

15.11.2012, 17:11 Uhr

"Positive Wachstumsimpulse erwarte er erneut vom privaten Konsum."
Die massiven Stromverteuerungen und PKV-Erhöhungen deuten auch klar auf mehr Konsum.Vielleicht sollten die "Experten" mal Nachrichten lesen.

Oberpeinlich

15.11.2012, 17:23 Uhr

Und schon wieder dient das HB als Forum linkssozialistischer Umverteilungsstrategien und bietet dem ständig durch platte Polemiken, realitätsferne "Berichte" im Dienste der EU-Bürokratie und Pseudokeynesianische Geldverschleuderungstheorien (der arme, brillante Keynes rumpelt vergeblich in seinem Sarg angesichts solch eines peinlichen Adapten) auffallenden Gewerkschaftsfuzzy ins quäkende Horn stoßen. Nicht das Sparen, sondern ein unproduktiver Konsum auf Kosten der Leistungsträger und die Aufrechterhaltung korrupter Strukturen durch die idiotischen, weil an keine santkionsfähigen Vorgaben gebundenen Transferleistungen haben zu dieser Misere geführt und verschlimmern sie täglich weiter, weil wir dadurch in Europa, ebenso wie im längst sozialistisch gewordenen Deutschland, Abzocke und unproduktive Verschwendung belohnen und Leistung bestrafen. Dadurch zahlt dann die arme kleine deutsche Angestellte dem keinerlei Steuern zahlenden griechischen Oligarchen seine Luxusvillen in München, Frankfurt, Berlin und Hamburg, während sie selbst nicht weiß, wie sie die dank Fehlplanung ständig steigenden Strom- und Heizkostenrechnungen zahlen soll, von der Miete und den Lebenshaltungskosten ganz zu schweigen. Und der unsägliche Horn, der es wagt, den Transferunionsgegner Professor Sinn als Professor Unsinn zu bezeichnen und auch noch die deutschen Goldbestände in die Rachen der griechischen und anderer Oligarchen schaufeln will, will das auch noch verschärfen. Und das HB findet das klasse. Na toll.

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