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06.10.2015

16:27 Uhr

Ökonomen warnen vor Konjunktur-Euphorie

Das sind die Risiken für die deutsche Wirtschaft

VonDietmar Neuerer

Die Prognosen von Forschungsinstituten und IWF sagen: Deutschland bleibt auf Wachstumskurs. Doch Experten warnen: Die glänzende Fassade der deutschen Wirtschaft ist trügerisch. Wie lange hält der Deutschland-Boom?

Der deutschen Wirtschaft geht es bestens - zurzeit. Aber unter der glänzenden Fassade erodieren auf breiter Front viele ihrer Vorteile, warnen Experten. ap

Deutschlandfahne.

Der deutschen Wirtschaft geht es bestens - zurzeit. Aber unter der glänzenden Fassade erodieren auf breiter Front viele ihrer Vorteile, warnen Experten.

BerlinDen einen gilt Deutschland noch immer als starker Mann Europas. Die anderen glauben, dass die Marke „Made in Germany“ der größten Volkswirtschaft Europas wegen des VW-Abgasskandals derart stark gelitten hat, dass der deutschen Wirtschaft eine unsichere Zukunft bevorsteht. So prognostizierte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag mit 1,5 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im nächsten Jahr ein leicht schwächeres Wachstum für Deutschland als bisher.

Düstere Szenarien wollen Experten aber nicht zeichnen – noch nicht. Denn ihrer Einschätzung nach wird die deutsche Wirtschaft angefacht durch niedrige Zinsen noch ein paar Jahre ordentlich wachsen. Allerdings halten sie es auch für falsch, jetzt in Konjunktur-Euphorie zu verfallen. „Es ist eine Illusion zu glauben, es gebe einen Deutschland-Boom“, rückt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, den Eindruck einer wie geschmiert laufenden Wirtschaft zurecht. Die Volkswirtschaft in Deutschland sei seit dem Jahr 2000 um drei Prozent weniger gewachsen als in Frankreich und 10 Prozent weniger als in Spanien. „Wir erleben zurzeit lediglich einen Aufholprozess dessen, was wir in den 2000er Jahren verpasst haben“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt.

Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), bremst ebenfalls. „Die wirtschaftliche Fassade Deutschlands ist nicht glänzend, aber solide“, sagte Horn dem Handelsblatt. Diese Solidität rühre aus der im Vergleich zu früheren Aufschwüngen stärkeren binnenwirtschaftlichen Dynamik. „Die relativ kräftigen Lohnsteigerungen lassen, unterstützt von der Einführung des Mindestlohns, die Kaufkraft der privaten Haushalte spürbar steigen“, erläuterte der Ökonom. Dies führe zu einer „merklichen Ausweitung des Konsums“.

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

„Aus diesem Grund“, analysiert Horn weiter, „können die unbestreitbar vorhandenen außenwirtschaftlichen Risiken derzeit noch relativ gut verkraftet werden.“ Ohnehin dürfe nicht übersehen werden, dass die global bedeutsamste Volkswirtschaft USA sich in einem soliden Aufschwung befinde, was die Exporte aus Deutschland trotz der Schwierigkeiten in China beflügle, fügte der IMK-Chef hinzu. Hinzu kämen leichte Erholungstendenzen im Euro-Raum. „Kein Aufschwung ist jedoch sicher“, warnte Horn. „So würde ein Wiederaufflammen der Krise des Euro-Raums auch den Aufschwung in Deutschland schnell wieder zum Erliegen bringen.“ 

Der Chefvolkswirt der DZ Bank führt die aktuelle Robustheit der Wirtschaft darauf zurück, dass Deutschland sich vor Jahren schon einen strukturellen Vorsprung erarbeitet hat, der immer noch trage. „In den letzten Jahren wird dieser Vorsprung aber zunehmend aufgezehrt“, gibt Bielmeier im Gespräch mit dem Handelsblatt zu bedenken. „Insbesondere die letzten Entscheidungen, wie die Einführung des Mindestlohnes, sind sicherlich vom Gefühl der wirtschaftlichen Stärke geprägt worden.“

Auch die kräftigen Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren seien möglich geworden durch die starke wirtschaftliche Entwicklung, sagte Bielmeier weiter. Diese Entwicklungen stärkten zurzeit die Binnenwirtschaft, was sicherlich „eine willkommene Entwicklung“ sei. „Bislang“, so Bielmeier,  „machen sich diese Entwicklungen auch noch nicht negativ bemerkbar, da mögliche negative Auswirkungen kompensiert werden durch die demographische Entwicklung und den noch vorhandenen Wettbewerbsvorteil.“

Kommentare (14)

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06.10.2015, 15:10 Uhr

Deutschland lebt schon seit Jahren von seiner Substanz und diese Substanz wird durch die grün-Sozialistische Merkel CO2 Verbotspolitik noch schneller verbraucht. Die Merkel hat mit ihrer Politik die Rahmenbedingungen in Deutschland für deutsche Unternehmen immer mehr verschlechtert. Hohe Steuer und Abgabenlast, technikfeindliche und marktfeindliche Politikvorgaben (Bürokratie und Verbotsgesetze), eine Infrastruktur die durch den gesellschaftfeindlichen Asylmissbrauch immer mehr in sich auflöst, eine Verschuldungsquote (inkl. Sozialleistungs-Schulden), die Jenseits von Gut und Böse sind, eine gesellschaftlichfreindliche CO2 Verbotspolitik, eine Energiewende die gegen die Marktwirtschaft gerichtet ist und mit dem EEG ein Gesetz, dass keinen wirtschaftlichen Mehrwert = Wertschöpfung für unsere Volkswirtschaft trägt.
Alles im Allen wird Deutschland in Zukunft düsteren Zeiten entgegengehen und die Saat dafür wurde unter der Grün-Sozialistischen Politik von Merkel gelegt.

Herr Walter Einbein

06.10.2015, 15:14 Uhr

Die deutsche Wirtschaft wird in den nächsten Jahren einbrechen.Das Image ist stark beschädigt, siehe VW, und die damit verbundenen Kosten und Auswirkungen auf die Beschäftigungszahlen sind noch nicht absehbar.Es wird möglicherweise Arbeitslose und Kurzarbeit geben. die Binnennachfrage wird sinken, da Unsicherheiten in der Bevölkerung und Steuererhöhungen zur Zurückhaltung bei Ausgaben führen wird.Leider gibt es keine Entlastungen bei den Steuerzahlern, siehe Kosten für Flüchtlinge und Griechenland in den nächsten Jahren.Die steigende Binnennachfrage durch Gelder an Flüchtlinge ist kein mehr an Binnennachfrage, sondern schlichtweg eine Umverteilung von Geld.Durch die Flüchtlinge werden ausser Geld auch andere Resourcen gebunden, die man sonst für Ausbau der Infrastruktur, bessere Ausbildung der Kinder, Unterstützung der Familien usw. hätte einsetzen können.Eine angemessene Familienpolitik wird es in Zukunft wie schon in der Vergangenheit nicht geben.Seit 50 Jahren ist bekannt, daß die Geburtenrate sinkt, aber gegengesteuert hat man nur halbherzig.In diesem Jahr gab es einen leichten Anstieg der Geburtenrate, aber durch mangelnde Mittel und Unsicherheiten bzgl der Zukunft hat man dies wieder abgewürgt und Zuwanderung wird jetzt als Heilmittel verkauft.Allerdings sind dies Flüchtlinge oder Asylanten, die nur ein temporäres Aufenthaltsrecht oder gar kein Aufenthaltsrecht haben und keineswegs Immigranten, die in anderen Ländern nach Qualifikation und Bedarf im Inland ausgesucht werden.Es wird mehr Armut, mehr Arbeitslosigkeit, mehr Kriminalität und mehr Perspektivlosigkeit bzgl. der Zukunft geben, so daß DE in 5 bis 10 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen ist.

Account gelöscht!

06.10.2015, 15:18 Uhr

Das Beste, was man(n) jetzt als guter Patriot und treuer Freund des Marken Portfolios von Volkswagen tun kann um den Wolfsburger Mutterkonzern und den Standort Deutschland insgesamt den Rücken zu stärken ist, sich ein Auto aus deren Bestand (Porsche, Bentley, Lamborghini etc.) zu kaufen, auch wenn man eigentlich momentan selber gar keins braucht. Man kann es ja auch an einen Familienangehörigen (oder guten Freunden) weiter verschenken.

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