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01.03.2013

15:01 Uhr

Ökonomen-Warnung

„Euroraum geht stürmischen Zeiten entgegen“

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer US-Etatstreit und die schwierige politische Entwicklung in Italien drohen der Konjunktur einen schweren Dämpfer zu verpassen. Ökonomen warnen bereits vor einer weltweiten Talfahrt, die die Euro-Zone mitreißen könnte.

Eine Europaflagge. dpa

Eine Europaflagge.

BerlinFührende Ökonomen in Deutschland haben vor dem Hintergrund des Schuldenstreits in den USA und der unsicheren politischen Lage in Italien vor schwerwiegenden Konsequenzen für die weitere weltweite konjunkturelle Entwicklung gewarnt. „Die Weltwirtschaft und  insbesondere der Euroraum gehen stürmischen Zeiten entgegen“, sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. „Der tiefere Grund liegt in den derzeit weltweit  debattierten finanzpolitischen Strategien.“

Horn kritisierte, dass Konsolidierungsmaßnahmen meist  nur aus einer nationalen Perspektive diskutiert würden, ohne dabei die weltwirtschaftlichen Folgen und ihre Rückwirkungen auf  die nationale Ökonomie  zu berücksichtigen. „Wenn nun große  Volkswirtschaften  wie die USA und der Euroraum gleichzeitig auf einen harten Konsolidierungskurs einschwenken, schädigt  dies nicht nur jeweils ihre eigenen Volkswirtschaften, sondern die gesamte Weltwirtschaft  droht auf Talfahrt  geschickt  zu werden“, warnte der IMK-Chef. 

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Stellt Italien eine Gefahr für die Euro-Zone dar? Nach dem Wahlchaos könnte man das meinen. Der Präsident des Landes widerspricht, doch in Berlin kursieren auch andere Einschätzungen – und Empfehlungen für Rom.

Das habe wieder negative Rückwirkungen  auf  die Exporte aller Volkswirtschaften. In einem solch schwachen wirtschaftlichen Umfeld könne Konsolidierung nicht  gelingen. Die daraus folgenden politischen Verwerfungen ließen sich derzeit in Italien beobachten. „Die politische Unsicherheit dort wirkt zurück auf die Finanzmärkte, was die durch die EZB mühsam erreichte monetäre Stabilisierung im Euroraums gefährdet“, so Horn. Das sei dann eine „weitere Belastung für die wirtschaftliche Dynamik“.

Internationale Pressestimmen zur Wahl in Italien

„La Stampa“

„Grillo – Boom. Parlament blockiert“

„Corriere de la Sera“

„Schockvotum: Es gibt keine Mehrheit“

„La Repubblica“

„Grillo – Boom. Italien unregierbar“

„Guardian“:

„Gefahr eines Patts im Parlament lässt Eurozone schaudern“

„The Times“:

„Sorgen um die Eurozone, nachdem Wähler den Joker unterstützen“

„Financial Times“:

„Grillos Neulinge geben der Wut von Millionen eine Stimme“

„Les Echos“:

„Italien fällt zurück in die politische Paralyse“

„Libération“:

„Umbruch auf italienisch“

„Le Figaro“:

„Gesetzgebung droht in politischer Sackgasse zu landen“

„Le Parisien“:

„Italien von Grillos Welle überschwemmt“

„Kronen Zeitung“:

„Chaoswahlen: Italien vor totaler Unregierbarkeit“

„Kurier“:

„Politisches Patt droht: Italien wird unregierbar“

„Österreich“:

„Berlusconi stürzt Europa ins Chaos“

„Die Presse“:

„Krisenland Italien droht Polit-Blockade“

„El País“:

„Berlusconi und Grillos Antipolitik machen Italien unregierbar“

„ABC“:

„Europa stolpert ein weiteres Mal über Berlusconi“

„La Razón“:

„Ein unregierbares Italien löst in Europa Alarmstimmung aus“

„Rossijskaja Gaseta“:

„Ein Tsunami namens Grillo“

„Kommersant“:

„Italien zeigt sich gemäßigt“

Christian Dreger, Forschungsdirektor International Economics am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), erklärte, dass der Wahlausgang in Italien das Risiko berge, dass sich die europäische Schuldenkrise wieder verschärfe. „Die Entwicklung macht aber auch deutlich, dass die Lösungsstrategien zur Bewältigung der Schuldenkrise noch nicht ausreichend sind“, sagte Dreger Handelsblatt Online. „Die Politik der Haushaltskonsolidierung und struktureller Reformen braucht bekanntlich einen langen Atem und läuft in der schwierigen Anpassungsperiode immer wieder Gefahr, dass die Wähler in den verschiedenen Staaten den Kurs nicht mehr uneingeschränkt mittragen.“

Steckbrief Silvio Berlusconi - der „Cavaliere“

Herkunft

Geburtstag: 29. September 1936

Geburtsort: Mailand

Familie

Vater: Bankangestellter Luigi Berlusconi (1908-1989)

Mutter: Rosa Bossi (1911-2008)

Familienstand: getrennt lebend, seit 2009 in Scheidung

Kinder: drei Töchter und zwei Söhne aus zwei Ehen

Studium

1961 Jura-Examen mit Bestnote der Universität Mailand

Größe

1,64 Meter

Spitzname

„Cavaliere“ (Ritter, Kavalier)

Partei

1994 Gründung der Forza Italia, 2008 neue Partei Popolo della Libertà (Volk der Freiheit)

Regierungschef

Von Mai 1994 bis Januar 1995, dann von 2001 bis 2006, erneut zum Ministerpräsidenten gewählt am 8. Mai 2008. Im November 2011 trat Berlusconi nach einer langen Reihe von Skandalen zurück.

Besitz

Rund 150 Firmen, darunter der Fußballverein AC Mailand

Vermögen

Geschätzt auf mehr als sechs Milliarden Euro

Selbsteinschätzung

„Mit mir kann sich keiner vergleichen, nicht in Europa und nicht in der Welt.“

Dreger schätzt daher, dass sich die Aussichten für die Weltwirtschaft durch die politischen Entwicklungen in Italien, aber auch durch die möglichen Einsparungen in den USA „tendenziell verschlechtert“ hätten.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Kommentare (28)

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Euroaus

01.03.2013, 15:18 Uhr

„Euroraum geht stürmischen Zeiten entgegen“
Falsch!
Der Euroraum geht dem Bankrott entgegen!!!

Ludwig500

01.03.2013, 15:29 Uhr

"Die politische Unsicherheit dort wirkt zurück auf die Finanzmärkte, was die durch die EZB mühsam erreichte monetäre Stabilisierung im Euroraums gefährdet“, so Horn. Das sei dann eine „weitere Belastung für die wirtschaftliche Dynamik“.

Ach Hörnchen, schon mal darüber nachgedacht, dass 98% der Weltbevölkerung besseres zu tun haben, als ihr Leben damit zu verbringen, wirtschaftliche Dynamik oder die monetäre Stabilisierung des Euroraums bloss nicht zu gefährden?

Das auch von Ihnen hofierte Euro-Experiment ist klinisch tot. Auch das Atemgerät EZB und die Herz-Lungen-Maschine Bankenrettung können den Patienten nicht heilen, sondern höchstens den engültigen Sterbetermin verschieben.

Wer_sind_die_Beguenstigten

01.03.2013, 15:35 Uhr

Seit 2008 weiß jeder informierte Bürger, dass der Euro und die EU eine Totgeburt war.
Seit 5 Jahren wird dieser kostenintensive, zentralistisch regierte undemokratische Verbund aus 27 Staaten mit seiner inflationierten Weichwährung (T)Euro mit mafiösen und kriminellen Handlungen künstlich am Leben erhalten.
Die Rettungspakete retten französische und deutsche Banken und Investmentgesellschaften, sowie private Investoren und Großkapitalisten. Wer behauptet, mit den Rettungsgeldern würden Griechen, Portugiesen, Iren, Spanier, Zyprioten usw. gerettet, ist ein elediger Lügenbastard.
Die Frage lautet: „WER BEKOMMT DIE RETTUNGSGELDER“?
Der Bürger, welcher die Rettung von XXX letztenendes bezahlt, hat ein Recht darauf zu erfahren, wen er mit seinem Steuergeld rettet!!!

http://www.youtube.com/watch?v=Du7moCxj-Do


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