Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.02.2016

18:48 Uhr

Ölpreis-Krise

Venezuela im Abwärtsstrudel

Venezuelas Regierung hebt erstmals seit 20 Jahren den Benzinpreis an – um sagenhafte 1329 Prozent. Wegen der Ölpreis-Krise schrumpften die Einnahmen des Opec-Förderlands um mehr als zwei Drittel. Droht bald die Pleite?

Ab Freitag wird die Preiserhöhung von fast 1400 Prozent, die der venezolanische Präsident Nicolas Maduro per TV bekanntgab, an den Tankstellen wirksam. Reuters

Präsident Maduro

Ab Freitag wird die Preiserhöhung von fast 1400 Prozent, die der venezolanische Präsident Nicolas Maduro per TV bekanntgab, an den Tankstellen wirksam.

CaracasEine galoppierende Inflation und die tiefe Rezession halten das Opec-Förderland Venezuela im Würgegriff. Die Einwohner des vom Sinkflug des Ölpreises betroffenen Staates mussten im vorigen Jahr Preissteigerungen von 180,9 Prozent verkraften, wie die Zentralbank in Caracas am Donnerstag mitteilte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet, dass sich die Geldentwertung dieses Jahr noch weiter beschleunigt – auf eine Inflationsrate von 720 Prozent. Im Ringen um zusätzliche Staatseinnahmen hat die Regierung nun erstmals seit rund 20 Jahren den Benzinpreis angehoben und zugleich die Währung abgewertet. Die Wirtschaft liegt am Boden: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte voriges Jahr um 5,7 Prozent.

Bereits 2014 war die Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent eingebrochen. Wegen des drastisch gesunkenen Ölpreises sind laut Präsident Nicolas Maduro die Staatseinnahmen um 70 Prozent zurückgegangen. Es gibt bereits Spekulationen über eine mögliche Staatspleite des Opec-Mitglieds. Gemeinsam mit Saudi-Arabien, Katar und dem Nicht-Opec-Mitglied Russland bemüht sich Venezuela daher, durch eine Vereinbarung zur Deckelung der Fördermenge den Preisverfall des Rohstoffs zu stoppen.

Ölpreisverfall

Massiver Preissturz: Öl seit März 2014 um 70 Prozent gefallen

Ölpreisverfall: Massiver Preissturz: Öl seit März 2014 um 70 Prozent gefallen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Der Staatschef des südamerikanischen Landes kündigte am Mittwoch in einer Fernsehansprache Verteuerungen bei Benzin von 1329 Prozent an. Die Veränderungen würden ab Freitag an den Tankstellen wirksam. Der Wechselkurs der Landeswährung Bolivar wird demnach um 37 Prozent auf zehn Bolivar je Dollar von bisher 6,3 Bolivar abgewertet. Zugleich kündigte Maduro Veränderungen beim Währungssystem an. Kritikern zufolge sind die Reformen nicht weitreichend genug. Sie fordern, das 13 Jahre alte Währungssystem von Maduros verstorbenem Vorgänger Hugo Chavez komplett abzuschaffen.

Bisher war Benzin in Venezuela stark subventioniert. Eine Tankfüllung gehörte lange Zeit zu den günstigsten Einkäufen. Trotz der jetzigen Anhebungen ist eine Tankfüllung für einen Kleinwagen immer noch günstiger zu haben als eine Limonade.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×