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20.12.2014

11:37 Uhr

Ölpreisverfall

EZB warnt vor Negativ-Inflationsrate

Die niedrigen Spritpreise sorgen bei den Autofahrern für Hochstimmung. Ganz anders sieht die Ölpreis-Talfahrt die Europäische Zentralbank: Vize Constancio warnt vor einem „gefährlichem Teufelskreis“.

Der Preisverfall beim Rohöl macht auch Heizöl und Benzin immer billiger: Seit dem Sommer befindet sich der Rohstoffpreis auf Talfahrt. dpa

Der Preisverfall beim Rohöl macht auch Heizöl und Benzin immer billiger: Seit dem Sommer befindet sich der Rohstoffpreis auf Talfahrt.

BerlinDer Ölpreisverfall schürt bei der Europäischen Zentralbank Sorgen vor einer Deflation – einer Negativ-Inflationsrate – in der Euro-Zone. „Kurzfristig schafft dies eine nicht einfache Situation für uns“, sagte EZB-Vizepräsident Vitor Constancio der „Wirtschaftswoche“. Seit Erarbeitung der jüngsten Inflationsprognosen der EZB, wonach die Verbraucherpreise in der Eurozone im Jahr 2015 um 0,7 Prozent zulegen sollten, sei der Ölpreis um weitere 15 Prozent gefallen. „Wir rechnen nun mit einer negativen Inflationsrate in den kommenden Monaten. Das ist eine Sache, die sich jede Zentralbank sehr genau anschauen muss.“

Es bestehe die Gefahr, dass die Inflationserwartungen nicht mehr verankert seien und Verbraucher und Unternehmen Kaufentscheidungen aufschieben. Es drohe „ein gefährlicher Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden realen Lohnkosten, sinkenden Gewinnen, schrumpfender Nachfrage und weiter sinken Preisen“. Die Wirtschaft würde dann „in eine Rezession rutschen“.

Vorerst sieht Constancio aber keine Deflation heraufziehen. Dafür müssten negative Inflationsraten länger als für einige Monate vorliegen. „Wenn es nur ein temporäres Phänomen ist, sehe ich keine Gefahr“, sagte er.

Zur Abwehr einer Deflation müsse Europäische Zentralbank alle geldpolitischen Instrumente nutzen, die ihr zur Verfügung stehen, bekräftigte Constancio. Eine Option sei dabei auch der umstrittene Kauf von Staatsanleihen. „Das ist ganz legal. Und was legal ist, schließen wir nicht aus“, fügte der Portugiese hinzu. Es gebe gleichwohl bei der EZB „keine Obsession, unbedingt Staatsanleihen zu kaufen“.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt die Tür für einen solchen Schritt weit geöffnet, um Konjunktur und Teuerung anzuschieben. Die Bundesbank lehnt ein solches Vorgehen ab und verweist auf Risiken und Nebenwirkungen einer solchen Geldpolitik. Die EZB entscheidet das nächste Mal am 22. Januar über ihren weiteren Kurs.

Die EZB hatte erst Anfang Dezember ihre Inflations- und Wachstumsaussichten für die Eurozone nach unten korrigiert. Für das kommende Jahr rechnet sie demnach mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um lediglich 0,7 Prozent, nachdem sie vorher 1,2 Prozent erwartet hatte. Die Wirtschaft in der Eurozone soll den neuen Berechnungen zufolge 2015 um 1,0 statt 1,6 Prozent wachsen. Auch für das Jahr 2016 wurden die Prognosen gesenkt.

Der Ölpreis befindet sich seit dem Sommer auf Talfahrt; zum Teil ist der Rohstoff heute so billig wie zuletzt im Jahr 2009. Grund sind die schwache Weltwirtschaft und die geringe Nachfrage. Auch die überraschend hohen Reserven der USA trugen zum Preisverfall bei.

Kommentare (2)

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Frau Ich Kritisch

22.12.2014, 08:33 Uhr

Zitat: " Eine Option sei dabei auch der umstrittene Kauf von Staatsanleihen"

Muss ich das nun verstehen? Es gibt nur eine geringe bis negative Inflation durch den gefallenen Rohölpreis. Und als Gegenmaßnahme will die EZB dann Staatsanleihen kaufen? Ich glaube weder, dass durch den Ankauf von Staatsanleihen der Ölpreis steigt, noch glaube ich das dadurch andere Preise steigen.

Herr wulff baer

23.12.2014, 10:14 Uhr

Wir warnen Herrn Draghi davor, uns durch seine dilettantischen Maßnahmen eine künstliche Geldentwertung zu verordnen und fordern ihn auf, Staatspräsident von Italien zu werden.
Bei der Gelegenheit könnte er die Pleitebank in Siena sanieren, die er einmal gemanagt hat und evtl. die ital.Lira wieder einzuführen, um Italien wieder wettbewerbsfähig zu machen.

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