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28.11.2014

00:38 Uhr

OPEC tastet Förderquoten nicht an

Ölpreis schmiert ab

Auf ihrem Treffen in Wien haben sich die wichtigsten Ölexporteure nicht auf eine Förderkürzung einigen können. Saudi-Arabien will an seinen Quoten festhalten. Der Ölpreis sinkt auf ein neues Vier-Jahres-Tief.

Schicksalstreffen in Wien

Opec unter Druck: Ölpreise sinken

Schicksalstreffen in Wien: Opec unter Druck: Ölpreise sinken

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WienDie Opec hat sich bei ihrem Treffen am Donnerstag gegen eine Reduzierung der Fördermenge entschieden. Das bestätigte der saudi-arabische Ölminister Ali Al-Naimi am Nachmittag nach der fünfstündigen Sitzung in Wien. Sein kuwaitischer Amtskollege Ali Saleh Al-Omair signalisierte, dass die Produktion gleich bleiben soll. "Keine Änderung", sagte er. Der Ölpreis sank nach dem Bekanntwerden des Beschlusses auf ein neues Vier-Jahres-Tief.

Auf der Tagung zeigte sich das Ölkartell tief gespalten. Dabei standen sich die Fronten der Befürworter von Förderkürzungen und die Gegner gegenüber. Auf Seite des Ölstaates stehen laut dem saudi-arabischen Ölminister al-Naimi auch Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Andere große Ölförderländer, wie Iran oder Venezuela, wollen dagegen am Förderhebel drehen.

Der saudische Ölminister Ali Al-Naimi hatte schon vor dem Treffen erklärt: „Niemand sollte kürzen, und der Markt wird sich von selbst stabilisieren.“ Zum Auftakt der Tagung pflichtete Kuwaits Ölminister Ali Saleh Al-Omair ihm bei, das derzeitige Überangebot am Markt stamme nicht nur von Opec-Ländern. „Selbst wenn Opec leicht kürzt, würde das nicht dazu beitragen, das Überangebot am Markt zu verringern.“

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Der venezolanische Außenminister Rafael Ramirez signalisierte hingegen Zustimmung zu einer Produktionskürzung, um die Preise zu stabilisieren. „Wir brauchen einen Preis der für jeden gut ist“, sagte er. Der liege bei rund 100 US-Dollar pro Barrel. Davon sind die Ölpreise derzeit weit entfernt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar kostete am Donnerstag zeitweise 75,95 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit September 2010.

Seit dem Sommer sind die Ölpreise um rund 30 Prozent abgerutscht - trotz der Krisen im Nahen Osten und des Ukraine-Russlands-Konflikts. Als Folge sind auch die Kraftstoffpreise so niedrig wie seit langem nicht mehr. Der Preis für Heizöl lag erstmals seit mehr als vier Jahren unter der Marke von 70 Euro für 100 Liter. Das Internet-Portal des Messtechnik-Herstellers Tecson ermittelte einen bundesweiten Durchschnittspreis von 69,20 Euro.

Der russische Ölkonzern Rosneft schließt ein weiteres Abrutschen des Ölpreises um rund 20 Prozent auf unter 60 Dollar pro Fass nicht aus. Ein solcher Preisverfall sei möglich, allerdings wohl nur gegen Ende der ersten Jahreshälfte 2015, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin der Zeitung "Die Presse" aus Österreich. Die Opec-Entscheidung verschärft Russlands Haushaltsprobleme. Das Land hat ohnehin schon mit den Auswirkungen der westlichen Wirtschaftssanktionen wegen der Ukraine-Krise zu kämpfen.

Setschin sagte zudem, er glaube, Russland habe das Potenzial, seine Fördermenge um 200.000 bis 300.000 Fass pro Tag zu kürzen, sollte der Ölpreis weiter so niedrig bleiben. (1 Fass = 159 Liter) Russland ist nicht Mitglied der Organisation Erdöl fördernder Länder (Opec).

Fracking: Segen oder Umweltverbrechen?

Erbitterter Streit

Neue Technologien sind oft umstritten. Doch beim Fracking geht der Streit weit über das normale Maß hinaus. Ist die Fördertechnik für Erdgas der Umweltfeind Nummer eins seit der Atomkraft? Oder doch nur eine missverstandene, aber vielversprechende Technologie?

Die Technik

Beim Fracking wird kilometertief in die Erde gebohrt - und dann noch einmal horizontal, zuweilen sechs Kilometer weit. In die Kanäle wird ein Chemiecocktail gepresst, der den Boden aufreißt. Sand in der Flüssigkeit sorgt dafür, dass sich die Risse nicht wieder schließen. Durch sie treten das Erdgas - oder andere Rohstoffe - aus, die dann wie üblich gefördert werden können.

Die Szenerie

Im kanadischen Dawson Creek stand erst ein Bohrturm, 50 Meter hoch. Danach kam das eigentliche Fracking: Sechs gewaltige Trucks stehen dicht nebeneinander und pumpen die Lauge in die Bohrlöcher, 100.000 Kubikmeter pro Bohrfeld. Man versteht sein eigenes Wort nicht, aber die Arbeiter schauen fast gelangweilt auf die Messinstrumente. Ihre Schichten sind hart, der Lohn sind 70.000 bis 140.000 Euro im Jahr. Sind sie weg, ist auch der Lärm weg. Dann soll das Gas 20, 30 Jahre leise aus der Erde in die Pipelines steigen.

Die Gegner

Don Vander Velde ist 68 Jahre alt. Sein ganzes Leben hat er auf dem Land in Alberta, Kanada, gelebt, das seiner Familie seit 1904 gehört. Seit einem Jahrzehnt wird in der Nähe gefrackt. „Manchmal bebt der Boden“, sagt der Farmer. „Und was für Chemikalien kommen da rein?“ Don ist beunruhigt, weil er Kinder, Enkelkinder und eine Urenkelin hat. Die kleine Aspen ist zehn Monate. „Ich bin alt, aber ich möchte nicht ihre Zukunft verspielen.“ Dabei habe er nichts gegen die Förderung. „Ich will auch Energie. Alberta braucht das Gas, so wie es uns Farmer braucht. Also fördert! Aber macht es sicher!“

Das Unternehmen

Encana ist ein Fracking-Riese und Kellen Foreman ist seit elf Jahren dabei. „Wir wollen Transparenz“, beteuert der 29-Jährige. Deshalb würden für Millionen Dollar Zehntausende Wasserproben untersucht. „Und bei nicht einer einzigen ist irgendwo in Kanada eine Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen worden.“ Und die Erschütterungen? Nur mit feinen Instrumenten messbar. Er könne die Sorgen der Menschen völlig verstehen. „Aber es steckt eine Menge Wissenschaft hinter Fracking. Wir sind keine Cowboys, die da rausgehen und die Erde aufwühlen. Das ist Hochtechnologie.“

Die Politikerin

Hannelore Kraft ist 8000 Kilometer weit gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit rotem Overall und weißem Helm steht die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Matsch von Dawson Creek in der Wildnis Kanadas, spricht mit den Arbeitern, untersucht die Bohrköpfe und befühlt die Chemielauge, die verpresst wird. „Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen“, sagt sie. Kraft ist beeindruckt, das merkt man ihr an. Auch von der Offenheit der Arbeiter und der Bohrfirma - in den Augen vieler doch „die Bösen“. Aber kann die Technik auch in Deutschland eingesetzt werden, einem Land das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Amerika auf einem Dreißigstel der Fläche hat? „Es ist noch nicht reif, das zu entscheiden. Aber ich kann mir das im dicht besiedelten NRW kaum vorstellen.“

Der Wissenschaftler

Uwe Schneidewind ist einer der wenigen Fracking-Experten in Deutschland. Der Professor und Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sieht vier Punkte zur Beurteilung von Fracking: klimapolitisch („Unkonventionelle Kohlenstoffvorkommen möglichst nicht anrühren“), volkswirtschaftlich („Arbeitsplatzeffekt ist vorhanden, aber beschränkt“; „Gaspreis sinkt, aber in Europa nicht nachhaltig“), geostrategisch („Abhängigkeit von anderen sinkt, bleibt aber bestehen“) und ökologisch („selbst bei Lösung vieler Probleme in Europa nicht wirklich attraktiv“).

Die Filme

„Gasland“ war ein Welterfolg. Der Dokumentarfilm von Josh Fox aus dem Jahr 2010 wurde nicht nur für den Oscar nominiert, sondern er hat das Thema Fracking auch für die breite Öffentlichkeit erst auf die Tagesordnung gesetzt. In der Schlüsselszene wird ein Wasserhahn aufgedreht und das Wasser angezündet – es brennt. Scharfe Kritik kam von der Branche, aber auch durch einen Kollegen: In „FrackNation“ bezichtigt Filmemacher Phelim McAleer seinen Kollegen Fox, wissentlich ungenau gewesen zu sein. So habe es Berichte über entzündetes Leitungswasser lange vor Fracking gegeben. Inzwischen gibt es „Gasland II“. Als die Dokumentation im April auf dem New Yorker Tribeca-Filmfestival gezeigt wurde, wurden Fans von „FrackNation“, trotz Karten, nicht eingelassen.

Die Opec steht für etwa ein Drittel der Opec-Produktion, die wiederum ein Drittel der weltweiten Ölproduktion ausmacht. Je niedriger der Ölpreis, desto geringer sind die Einnahmen der zwölf Mitgliedsländer. Die globale Nachfrage nach dem „Schmiermittel der Weltwirtschaft“ lahmt angesichts der flauen Konjunktur.

Zudem haben die USA als weltgrößter Energieverbraucher ihre Ölproduktion deutlich ausgeweitet. Es gab dort einen regelrechten Schieferölboom, der am am Ölmarkt ein Überangebot und damit die sinkenden Preise auslöste. Saudi-Arabien hat daraufhin sogar Anfang November US-Kunden überraschend einen Sonderrabatt gewährt.

Wie schwer der Preisverfall die Ölförderer trifft, zeigt auch Russland. „90 Milliarden bis 100 Milliarden Dollar verlieren wir, weil der Ölpreis um 30 Prozent gefallen ist“, hatte kürzlich Russlands Finanzminister Anton Siluanow erklärt.

Kommentare (16)

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Herr der Ringe

27.11.2014, 16:26 Uhr

>> Der Ölpreis sinkt auf ein neues Vier-Jahres-Tief. >>

Wir wollen den Ölpreis bei 30 $ sehen.

Und den Dax bei 3.500 Punkten, wo er hingehört !

Herr Helmut Paulsen

27.11.2014, 16:48 Uhr

Seit der Isolation Russland hat RUssland ein grosses Interesse daran - dass EU und EURO wieder verschwinden und Russland dann wieder bilaterale Verträge und bilateralen Handel mit den einzelnen Ländern Europas abschliessen kann.

Also muss EU und EURO weg. Klasse, Russland - helft uns dabei EU und EURO wieder abzuwickeln.

1. Schritt dabei ist, dass die FN in Frankreich stark bleibt und den EU und EURO abschafft. Dann wäre auch Deutschland wieder frei.

Russland weiter so !!!!!

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/front-national-frankreich-kredit-russland

Herr Helmut Paulsen

27.11.2014, 16:50 Uhr

Glaubt dem Gauckler Sarkozy nicht in Frankreich !! Er trixt nur herum. In Wahrheit will er den EU-Zentralstaat aufbauen zusammen mit Merkel.

http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_71891366/vor-parteichef-wahl-sarkozy-versucht-mit-anti-eu-toenen-zu-punkten.html

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