Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2015

07:31 Uhr

Patrick Artus im Interview

„Vom Euro-Verfall profitieren andere viel mehr als Deutschland“

VonHans Christian Müller-Dröge

Der französische Top-Ökonom Patrick Artus sorgt sich um die deutsche Wirtschaft. Noch läuft es gut, sagt der Chefvolkswirt der Natixis-Bank, doch bald wohl nicht mehr. Schuld ist vor allem die stagnierende Produktivität.

Patrick Artus ist Chefvolkswirt der Natixis-Bank. AFP PHOTO

Patrick Artus

Patrick Artus ist Chefvolkswirt der Natixis-Bank.

Patrick Artus sticht heraus aus der Riege der europäischen Konjunktur-Forscher: Sein wöchentlicher Ausstoß an frischen Analysen ist immens, mit seinem tiefen Blick in die ökonomischen Datenkolonnen fallen ihm Entwicklungen auf, die andere noch nicht sehen. Im Interview sagt der Top-Ökonom, warum er sich Sorgen um die deutsche Wirtschaft macht.

Herr Artus, der Euro ist deutlich schwächer als früher, das müsste doch gerade den deutschen Exporteuren einen Schub geben.

Nein. Die deutschen Ausfuhren reagieren weit weniger empfindlich auf die Preise als die Exporte anderer Länder. Wer einen BMW kauft, der schaut eben nicht so sehr auf den Preis, der will einfach einen BMW. Als der Euro 2006 zum Höhenflug ansetzte, war das ein Vorteil – da konnten die Deutschen trotzdem viel exportieren. Aber von dem Euro-Verfall der letzten Monate profitieren andere viel mehr.

Wer denn?

Vor allem die Italiener und Franzosen, die exportieren viel außerhalb Europas. Spanien dagegen verkauft eher innerhalb der Euro-Zone, da spielt der Eurokurs keine Rolle.

Aber der deutschen Wirtschaft geht es trotzdem gut, oder? Der Konsum läuft ja stabil.

Das stimmt. Noch! Deutschlands Wachstumsmodell hat sich massiv gewandelt: Nach Schröders Reformen waren es vor allem der Außenhandel und die Investitionen, die die Wirtschaftsleistung nach oben gedrückt haben. Heute ist es der Konsum, der von den Reallöhnen profitiert, die nach Jahren der Zurückhaltung wieder steigen. Für die Partnerländer im Euro-Raum ist das sehr gut, denn die Deutschen kaufen wieder mehr ein im Ausland.

Aber?

Das Problem ist die Produktivität in Deutschland, also das Verhältnis von Produktion und Kosten. Die stagniert nämlich seit der Krise. Gerade in der Industrie ist sie nicht gestiegen, dabei ist das da so wichtig ist. Das drückt auf die Wettbewerbsfähigkeit. Man kann sagen: Merkel hat Schröders Errungenschaften bei der Wettbewerbsfähigkeit inzwischen verfrühstückt. Denn die Euro-Partner holen derweil auf. Dort zu produzieren ist wieder preislich attraktiver.

Europäische Union: Die Krise wandert weiter

Europäische Union

Premium Die Krise wandert weiter

Spanien, Portugal und Irland beginnen wieder zu boomen. Sorgen bereiten jetzt andere Länder, die bis vor kurzem noch zum unerschütterlichen Kerneuropa gezählt wurden.

Aber ist es nicht eine Art Normalisierung, dass das mal in die eine und mal in die andere Richtung geht?

Schon, aber die Produktivität sollte schon weiter steigen. Ich mache mir einfach Sorgen um die deutsche Ökonomie. Die Unternehmen investieren einfach sehr wenig im Inland, und dafür mehr im Ausland, weil es da wieder billiger geworden ist. Und das könnte weitergehen: Nicht unbedingt im High-Tech-Bereich, aber durchaus bei der Auto- oder Chemieindustrie.

Brauchen wir neue Reformen?

Nein, das nicht. Aber viele Firmen werden sich restrukturieren müssen.

Herr Artus, vielen Dank für das Gespräch.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Werner Wilhelm

12.05.2015, 07:54 Uhr

Man reibt sich verwundert die Augen. Deutschland fährt einen Aussenbeitrag von 7,5 % des BIP, also über den zulässigen 6 % und müsste selbst das noch abbauen damit der Gemeinschaftswährungsraum funktioniert und dieser Herr erzählt uns etwas über Produktivität.

Beinahe hätte ich jetzt etwas Böses über den (was? Top-Ökonom?) gesagt.

Herr Michael Rensler

12.05.2015, 09:10 Uhr

Die Produktivität ist durchaus ein Problem die Margen der Unternehmen sind oft zu gering. Die Margen über die Produktivität zu erhöhen wäre zumindest eine bessere Methode als wie derzeit über die Gehälter.

Frau Ute Umlauf

12.05.2015, 09:19 Uhr

Der vollgekokste Franzmann Artus erzählt etwas über stagnierende Produktivität in D.
Selten so einen fachlichen Müll gehört ... obwohl ich von Ökonomen nichts erwarte.
Das sind alles verkrachte Existenzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×