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02.09.2012

14:06 Uhr

Peru

Das Musterland an der Pazifikküste

VonAlexander Busch

Peru ist auf der Überholspur. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das südamerikanische Land beim Einkommensanstieg sogar mit China mithalten kann. In der Rohstoffsparte ist Peru schon ein Global Player.

Peru kann ein starkes Wirtschaftswachstum vorweisen. dapd

Peru kann ein starkes Wirtschaftswachstum vorweisen.

Der Aufschwung in Lateinamerika hat nach der Atlantik- auch die Pazifikküste erfasst. Seit 15 Jahren schon wächst Peru meist doppelt so schnell wie der Rest Lateinamerikas. Die letzten zehn Jahre legte die Wirtschaft trotz der weltweiten Krise im Schnitt um sieben Prozent jährlich zu. Ähnlich schnell wie in China steigt das Pro-Kopf-Einkommen der 32 Millionen Peruaner: Es hat sich in der letzten Dekade verdreifacht.

Perus Hauptstadt Lima hat sich rasant gewandelt. Überall in der Acht-Millionen-Einwohner-Metropole am Pazifik entstehen Büro- und Wohnviertel und Einkaufszentren. Neue Autos verstopfen die Straßen. Doch der Boom bleibt bisher auf die Küstenregionen beschränkt. Die arme Landbevölkerung in den Anden hat daran kaum Teil.

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Chile zieht Auslandsinvestoren vor allem mit guten Rahmenbedingungen an. Wenig Korruption, ambitionierte Ziele und die Mitgliedschaft in der OECD sind starke Argumente für potentielle Geldgeber.

Massive Investitionen in- und ausländischer Konzerne in Bergbau und Energie haben den Aufschwung getrieben. Peru ist der zweitgrößte Produzent von Kupfer und Silber und spielt auch bei Gold, Zink, Blei und einem Dutzend anderer Metalle eine führende Rolle auf dem Weltmarkt. Reiche Öl- und Gasreserven kommen hinzu. Auch die moderne Landwirtschaft und Fischerei sind wichtige Exportbranchen. Ein Ende ist nicht in Sicht: 51 Milliarden Dollar wollen Unternehmen bis 2016 in Minen, Kraftwerke sowie Öl- und Gasfelder investieren. Brasilianische Firmen modernisieren die Infrastruktur im Land. Peru soll für den großen Nachbarn das Tor nach Asien werden.

"Peru ist dabei, in die erste Liga der aufstrebenden Staaten weltweit aufzusteigen", sagt der Investmentbanker Walter Molano von BCP Sec. "Es ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten der Weltwirtschaft." Vertrauensfördernd für Investoren ist, dass der Staat sehr solide wirtschaftet: Der Staatshaushalt ist im Plus, die Staatsverschuldung mit 22 Prozent der Wirtschaftsleistung sehr niedrig. Auch die Inflation ist unter Kontrolle.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt

Platz 1

Hongkong

Platz 2

USA

Platz 3

Schweiz

Platz 4

Singapur

Platz 5

Schweden

Platz 6

Kanada

Platz 7

Taiwan

Platz 8

Norwegen

Platz 9

Deutschland

Platz 10

Katar

Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

"In den letzten Jahren konnte Peru seine institutionellen Rahmenbedingungen kontinuierlich verbessern", schreibt Prognos. Das Institut bemängelt jedoch die instabile Regierung und das von regelmäßigen Streiks und Skandalen erschütterte politische Leben. Die Regierung müsse mehr gegen die verbreitete Armut unternehmen und in Bildung investieren.

Für deutsche Unternehmen ist Peru der Studie zufolge vor allem als Exportmarkt interessant. Nur in der dominierenden chemischen Industrie, vor allem in der Petrochemie, würden sich Investitionen lohnen. Gute Exportchancen gibt es hingegen in vielen Bereichen. So könnten die deutschen Hersteller von Luxusautos vom zunehmenden Wohlstand der Peruaner profitieren.

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Besonders interessant ist der expandierende Bergbau. "Maschinenbauer können mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach ihren Produkten rechnen", heißt es bei Prognos. Da der Massenmarkt vorwiegend durch günstigere asiatische Maschinen bedient werde, rät die Auslandshandelskammer in Peru den deutschen Maschinenbauern, größeren Wert auf begleitende Dienstleistungen zu legen. Der Ausbau der Energieinfrastruktur biete der deutschen Elektroindustrie gute Chancen.

Das gilt laut Prognos auch für das Gesundheitswesen. "Die neue Regierung forciert den Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur vor allem in den ländlichen Gebieten und stimuliert dadurch die Nachfrage nach medizintechnischen Geräten, wobei der Bedarf fast ausschließlich über Importe gedeckt wird", heißt es in der Studie. Auch deutsche Pharmahersteller dürften davon profitieren.

Kommentare (6)

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haifisch

02.09.2012, 19:17 Uhr

interessanter artikel, fast ohne ahnung von der realitaet in peru bzw. suedamerika. armutsquote zwischen 40 - 50 % d.h. einkommen unter 750 soles = ca. 220 € vor rente bzw. krankenversicherung. kann man sich dann nicht leisten, da medikamente nur wenn vorhanden erhaeltlich sind ( korruption nicht nur hier, in allen bereichen von ganz unten bis ganz oben in der regierung, justiz, militaer incl. polizei und beamtenschaft ) , sonst gegen cash. wer kein geld hat stirbt. 40 - 60 der wirtschalichen bewegung laueft informal sprich schwarz, ohne rechnung und steuer.
sie vergassen den fremdenverkehr eine tragender pfeiler. schade man haette mehr draus machen koennen wenn man ordenlicht gearbeitet haette.

Account gelöscht!

02.09.2012, 21:46 Uhr

Jetzt fallen die Heuschrecken wieder einmal über Peru her, nachdem es sich vom kolonialen Schock immer noch nicht erholt hat.

Die DROHUNG, es steht ein gigantisches Wachstum bevor, erinnert mich an die PIGS Staaten die, nachdem sie von den "Märkten" rasiert wurden, alle bankrott gegangen sind.

Es erinnert mich auch fatal an Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Iran, Nordkorea. Die mussten mitlitärisch sturmreif geschossen werden, weil sonst nix zu holen war.

Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie besser schlafen.

Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

DannyJ

02.09.2012, 21:56 Uhr

dazu sollte man nicht vergessern, dass Peru ausserdem einer der wichtigsten Exportmärkte für Kokain ist, sehr viel Reichtum stammt daher ... es ist war, dass viele ausländische Firmen in Peru investieren, der Gewinn geht aber zuom grössten Teil wieder nach Hause als Dividende und die Peruaner, für die zwar Arbeitsplätze geschaffen werden, bekommen weiterhin einen Hungerslohn ... in den Anden stirbt man weiterhin durch die Kälte im Winter und das ist schon seit Jahren so. Wie haifisch schon schreibt, sind über 50% der Kleinfirmen informal. Dazu kommt noch die steigende Kriminalität, was auch eben auch dem Tourismus nicht zu gute kommt, leider, denn Peru hat viel zu bieten, nicht nur Machu Pichu. Medikamente sind in den grösseren Städten zwar schon vorhanden, aber für die gemeine Bevölkerung kaum erschwinglich. Gesundheit ist: hast du cash, dann wirst du behandelt oder man hat eine gute Versicherung, die übrigens auch schon bis zu 2/3 eines Mindestlohnes kosten kann. Ich bin übrigens Deutscher und reise nun schon seit 7 Monaten durch Peru, da habe ich mir ein ganz gutes Bild machen können.

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