Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2011

09:42 Uhr

Politische Führung

Erschreckende Parallelen zu Deutschland

VonFlorian Kolf

Die Warnung von Standard & Poor's hat es in sich. Nicht nur für Italien wird die Handlungsunfähigkeit der Regierung zum wirtschaftlichen Problem. Es ist auch ein Weckruf für die deutsche Regierung. Ein Kommentar.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wertvolle Zeit verloren. dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Wertvolle Zeit verloren.

Es ist nur ein Satz und er ist eigentlich auf Italien gemünzt. Doch er hat Sprengkraft, weit über das Land hinaus. „Aus unserer Sicht wird die zerbrechliche Regierungskoalition und der Richtungsstreit innerhalb des Parlaments weiterhin die Möglichkeiten der Regierung beschränken, die entscheidenden Antworten auf die innenpolitischen und die externen makroökonomischen Herausforderungen zu finden.“

Mit diesem Statement begründet die Ratingagentur Standard & Poor’s die Herabstufung der Bonität Italiens um eine Stufe von A+ auf A und die Beibehaltung des „negativ watch“, also des schwachen Ausblicks. Doch mit den gleichen Argumenten könnte man auch die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf „negative watch“ setzen.

Die Zerstrittenheit und Ratlosigkeit der Bundesregierung in der Euro-Krise deckt nicht nur den desolaten Zustand der schwarz-gelben Koalition auf. Sie hat mittlerweile ganz handfeste wirtschaftliche Auswirkungen. Eine FDP in Auflösung schwingt sich zur europakritischen Fundamentalopposition auf, um noch ein bisschen Aufmerksamkeit an den Stammtischen zu bekommen. Und eine Kanzlerin ohne Kompass schafft es nicht mal mehr, ihre eigene Partei von ihren Rezepten zur Euro-Rettung zu überzeugen. Das Ergebnis: Die wichtigste Volkswirtschaft in der Euro-Zone ist paralysiert – und das in der wohl größten außenpolitischen und ökonomischen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. Statt mit entschlossenen Maßnahmen die Schuldenkrise zu bekämpfen, verlieren wir wertvolle Zeit.

Schon schlagen auch führende Ökonomen Alarm. Zurecht warnen sie davor, dass der Dauerstreit „Gift für Griechenland und für den Euroraum“ und damit auch für Deutschlands Konjunktur ist. Die zunehmende Unsicherheit an den Finanzmärkten treibt die Zinsen für die Schuldenstaaten in die Höhe, die verlorene Zeit bremst die Sanierung in den angeschlagenen Ländern und fordert später noch härtere Sparprogramme, was wiederum auf die Konjunktur in Europa durchschlägt. Und nicht zuletzt kann die tiefe Verunsicherung der deutschen Bevölkerung auch die Konsumstimmung beeinträchtigen.

Es ist nur ein Satz und er ist eigentlich auf Italien gemünzt. Doch Angela Merkel sollte ihn aufmerksam lesen. Denn bei allen Unterschieden zwischen Deutschland und Italien sind die politischen Parallelen erschreckend. Noch hat Deutschland ein hervorragendes Standing an Märkten. Doch die mangelnde Führungsstärke der Kanzlerin wird mehr und mehr zum wirtschaftlichen Problem. Den Finanzmärkten wird das nicht mehr lange entgehen.

Diskutieren Sie mit dem Autor auch auf Facebook.

Kommentare (26)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Profit

20.09.2011, 09:58 Uhr

Ausstieg aus dem Euro jetzt. Später wird es viel teuerer und wird zu sozialen Unruhen ungeahnten Ausmassen kommen. Merkel muß weg. Der Stabsarzt Rösel ist eh ein Laienschauspieler. Deutschland will Oligarchen wie Papandreou und Berlusconi retten: Man kann bzw. will es einfach nicht glauben. Warum hört hierzulande die Politik nicht auf die Deutsche Bundesbank (Weber, Stark, Weidmann)?

eagle

20.09.2011, 09:59 Uhr

So einen Mist kann nur jemand Schreiben, der nur polarisieren will. Es werden mehrere unterschiedliche Fakten vermengt um den Mainstram zu bedienen.

Konsumverzicht

20.09.2011, 10:06 Uhr

„Und nicht zuletzt kann die tiefe Verunsicherung der deutschen Bevölkerung auch die Konsumstimmung beeinträchtigen.“

Muhahaha ... ihr seid ja echt lustig!
Ihr braucht also konsumierende Vollidioten, damit das Schuldgeldsystem weiter funktioniert und die Zinsgewinne von euch realisiert werden können.
Nein Freunde der Sonne, eure Rechnung geht nicht mehr auf.
Erstens haben wir mittlerweile von eurem öffentlichen Geschafel bei Will, Illner, Jauch, Plasberg und Konsorten sowas von gestrichen die Schnauze voll, sowie keine Geldmittel mehr frei, um zu konsumieren, zweitens brauchen wir keine zweite Verdummungs-Glotze, kein drittes Handy, keinen schnelleren Chinagiftmüll-PC usw.
Was wir bestimmt nicht mehr brauchen sind Konsumkredite, langjährige Ratenzahlungen, Kreditkarten, welche euch nur reicher machen, uns aber immer ärmer.
So langsam durchschauen auch die einfachen Menschen eurer Geld- und Wirtschaftssystem, das euch dient, aber uns schadet.
Ihr werdet immer reicher, privatisiert eure Profite, während wir zusehends verarmen und ihr eure Verluste auf uns sozialisiert.
Ihr kassiert den erarbeiteten Profit, während wir durch weitere Steuerabgaben belastet und mit einem Leiharbeitslohn in euren Produktionsstätten abgespeist und schnell wieder freigesetzt werden.
Ihr seid die Besitzenden, wir sind die Besitzlosen.
Nein Freunde der Sonne, so wird das zukünftig nicht mehr laufen, darauf gebe ich euch Brief und Siegel!



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×