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01.02.2012

15:20 Uhr

Portugal in der Krise

Wie weit ist es noch bis Griechenland?

VonAnne Grüttner

Portugal wird bereits als nächster Pleitekandidat der Eurozone gehandelt. Doch es gibt signifikante Unterschiede zu Griechenland. Die Portugiesen stehen hinter der harten Sparpolitik der Regierung. Aber reicht das?

Portugal ist zumindest auf dem richtigen Weg. dapd

Portugal ist zumindest auf dem richtigen Weg.

MadridOptimisten sind rar in Portugal. Das Land kämpft mit der schwersten Rezession seit Ende der Diktatur Mitte der 70er Jahre. Um mehr als drei Prozent wird die Wirtschaft dieses Jahr schrumpfen, so die Vorhersage der portugiesischen Zentralbank sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das Szenario ist düster: Eine hohe Arbeitslosenrate, knapper und teurer Kredit sowie massive Steuererhöhungen und Kürzungen bei Gehältern und Pensionen lassen den privaten Konsum und die Investitionen weg brechen. Die strenge Sparpolitik, zu der sich die Regierung im Rahmen des 78 Milliarden Euro schweren Rettungskredits von EU und IWF verpflichtete, zieht die Wirtschaft weiter nach unten.

Portugal steckt in der Griechenland-Falle. Die Angst vor einer Spirale nach unten geht um. Ist Portugal der nächste Pleitekandidat?

Für viele Investoren scheint das schon ausgemachte Sache zu sein. Zwar hat das Land heute Geldmarktpapiere zu passablen Zinsen am Markt platzieren können. Doch das liegt wohl an der kurzen Laufzeit. Die nächsten drei oder sechs Monate werde Portugal schon noch schaffen, so die Meinung am Markt.

Wie groß das Misstrauen der Märkte wirklich ist, lässt sich an den Kursen der lang laufenden Anleihen ablesen - sie sind in den vergangenen Tagen stark unter Druck geraten. Die Kurse „spiegeln vor allem bei den länger laufenden Anleihen bereits einen möglichen Staatsbankrott Portugals wider“, warnt Viola Stork, Analystin bei der Helaba. So ist der Kurs der in knapp zehn Jahren fälligen Anleihe auf bis knapp 40 Prozent des Nennwerts von 100 Prozent gefallen, der Kurs der in zwei Jahren auslaufenden Anleihe sackte auf 80 Prozent ab.

Portugal-Anleihen: Märkte spekulieren auf den Staatsbankrott

Portugal-Anleihen

Märkte spekulieren auf den Staatsbankrott

Portugal gilt als nächster Pleitekandidat. Je näher der Schuldenschnitt für Griechenland rückt, desto größer die Sorge, dass Portugal dasselbe Schicksal ereilen wird. Investoren scheinen das Land abgeschrieben zu haben.

Übersehen wird dabei, dass es auch positive Entwicklungen gibt in dem kleinen iberischen Land. So loben Vertreter der sogenannten Troika aus EU, IWF und EZB, die die Einhaltung des Kreditprogramms überwachen, dass in Portugal ein großer politischer Konsens über die Notwendigkeit der harschen Spar- und Anpassungsmaßnahmen besteht.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Griechenland. Im Gegensatz zu den Griechen nimmt auch die portugiesische Bevölkerung die zahlreichen Zumutungen, welche die Haushaltskürzungen und die Rezession für sie bedeuten, bisher ohne wesentlichen Widerstand hin.

Dabei ist das Budget 2012 für viele eine Zumutung: Immerhin sieht es unter anderem empfindliche Kürzungen bei öffentlichen Gehältern und Pensionen vor. Es soll helfen, das Haushaltsdefizit bis 2013 auf drei Prozent zu senken und ging ohne Probleme durchs Parlament. „Die Regierung hat mutige Schritte ergriffen, um die haushaltspolitische Nachhaltigkeit wiederherzustellen“, lobt Albert Jäger, Repräsentant des IWF in Portugal.

Auch bei den Strukturreformen geht die Regierung nach Plan vor. Die radikale Straffung und der Umbau der öffentlichen Verwaltung mache Fortschritte, loben Vertreter der Troika. Beachtlich war schließlich eine Übereinkunft, die die Regierung kürzlich mit Arbeitgebervertretern und zumindest einer der großen Gewerkschaften über eine Reform des Arbeitsmarktes erzielte.

Kommentare (19)

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PIIGS4ever

01.02.2012, 15:34 Uhr

Vergleich Portugal-Griechenland:

Gr verspricht Reformen, die es nicht umsetzt und bekommt einen Schuldenschnitt
Portugal setzt die Reformen um, und behält seine Schulden

als Portugiese käme ich mir ziemlich veräppelt vor.

naja, die gr haben auch einen wesentlich höheren Schuldenstand,
also, liebe Portugiesen, selber schuld, dass ihr früher nicht so dreist gewesen seid.

Account gelöscht!

01.02.2012, 15:37 Uhr

Na da werden die anderen Arbeitnehmer in der EU auch ihre Löhne bald gesenkt bekommen. Und dann ist Portugal wieder dran um wiederum zu senken.
Alles für die Gewinne der Reichen. Ob die dann auch genug kaufen?

GameOver

01.02.2012, 16:13 Uhr

Ist doch egal, Party an dem Börsen juhu!

aber fix raus wenn das Kartenhaus zusammenfällt !!!

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